Unser erster Ladeversuch startete in der heimischen Garage an einer 220-Volt-Steckdose. Die Batterie so zu laden, ist grundsätzlich möglich, macht aber keinen Spaß. Also endete die erste wirkliche Testfahrt an der öffentlichen 22 kW-Ladestation in der Ortsmitte. Im Gegensatz zu den von Autohäusern errichteten Ladesäulen, die der Bund nicht fördert, beteiligte sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur an dieser Ladesäule. Betrieben wird sie vom lokalen Energieversorger, der erfreulicherweise die E-Tron-Ladekarte akzeptiert.
Der Anschluss des Ladekabels war problemlos, die Klappe am Fahrzeug öffnete sich per Knopfdruck. Das Ladekabel befindet sich in einem dafür vorgesehen Stauraum unter der Motorhaube. Wer verschmutze Hände vermeiden möchte, zieht besser Handschuhe an.
Sobald Fahrzeug und Ladesäule miteinander kommuniziert haben, startet der Ladevorgang. Im Display der Ladesäule läuft die digitale Anzeige der Ladeleistung langsam nach oben. Bei 10,6 kW verharrt der Wert jedoch, also weit weg von der möglichen 22 kW-Leistung. Warum? Im Audi E-Tron ist derzeit lediglich ein 11-kW-Ladegerät verbaut, dementsprechend länger dauert das vollständige Laden der Batterie. Konsequenz: Nachdem der Fahrer zwei Kilometer nach Hause gelaufen ist, kommt er nach sechs Stunden zum Audi E-Tron zurück.
Abgebrochener Ladevorgang?
In die Nacht hinein signalisiert das grüne LED-Licht der Ladesäule eine vollständig geladene Batterie. Nachdem das Ladekabel wieder an seinem dafür vorgesehenen Platz unter der Motorhaube verstaut war, erfolgte der Blick auf die Reichweitenanzeige im Auto. Dort standen trotz 100 Prozent geladener Batterie lediglich 300 Kilometer. Der erste Gedanke war, warum hat die Ladesäule den Ladevorgang abgebrochen?
Hat sie nicht. Die Antwort gibt es auf der Audi-Website: Die Reichweitenanzeige wird aus dem Batteriefüllstand, den aktuellen thermischen Bedingungen und den letzten Verbrauchswerten errechnet. Aufgrund der hohen Effizienz des Fahrzeugs und des E-Antriebs wirken sich jegliche Fahrwiderstände verglichen mit einem Verbrennungsfahrzeugs überproportional hoch aus. Den individuellen Verbrauchswert Ihres Fahrzeugs finden Sie in der My-Audi-App unter „Ausstattungsdetails/Technische Daten/Verbrauch“. Unser Testwagen zeigte nach jedem vollständigen Ladevorgang ausschließlich Reichweiten von maximal 300 Kilometern an.
Keine Ladesäule im Weinberg
Was jetzt noch fehlte, war die Schnelllade-Erfahrung. Also nach Feierabend ab zur vom Navi vorgeschlagenen Schnellladesäule. Ziel war der Rasthof Würzburg Süd an der A3 in Richtung München. Leider akzeptierte diese Schnellladesäule die E-Tron-Karte nicht. Also ging es zum nächsten Ladesäulenvorschlag, Strom war noch ausreichend vorhanden. Das Navi lotste uns nur wenige Kilometer weiter in den fränkischen Weinort Randersacker. Direkt unterhalb der Weinberge sollte sich die Ladesäule befinden. Am Ziel war jedoch einzig der Blick ins Maintal bei Abendsonne erfreulich, eine Ladesäule gab es dort nicht.
Somit startete der nächste Schnellladeversuch am nächsten Morgen. Neues Ziel war das Rasthaus Riedener Wald an der A7 in Richtung Fulda. Dort funktionierte die Ladekarte an der Schnellladesäule auf Anhieb, auch der Kaffee schmeckte während der 25-minütigen Pause vorzüglich. Zufällig betankten zeitgleich ein Tesla- und ein weiterer Audi-E-Tron-Fahrer ihre E-Autos mit frischem E-Saft. Beide schwärmten gleichermaßen von ihren Autos, aber nur einer von Beiden kommt seitdem er vollelektrisch unterwegs mit einer „Tankfüllung“ weiter als 300 Kilometer weit. Unser Testwagen hatte nach dem Schnellladestopp wieder eine aufgefrischte Reichweite von 247 Kilometern. Davon fuhren wir auf dem Nachhauseweg gleich wieder 20 Kilometer runter.
Fazit: Zwei zentrale Fragen bleiben
Ob Ausstattung, Fahrspaß, Platzverhältnisse – der Audi E-Tron und insbesondere unser Testwagen für über 100.000 Euro ist unbenommen ein fantastisches Elektroauto. Es wäre auch ausgesprochen merkwürdig, wenn Audi für das Oberklassensegment nicht genau ein solches Fahrzeug abgeliefert hätte. Jedoch bleiben zwei zentrale Fragen bestehen. Erstens: Warum hat das Auto keinen 22-kW-Lader an Bord? Das würde die „Normal“-Ladezeiten deutlich reduzieren.
Stand: 08.12.2025
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Zweitens: Warum ist im Alltagsbetrieb bei 300 Kilometern Reichweite Schluss? Selbst wenn mit dem upgedateten Modell jetzt 25 Kilometer mehr drin sein sollten, passt das weder zu einem Oberklassenfahrzeug noch zu einem Premiumhersteller. Für alle potenzielle Kaufinteressenten haben wir zudem folgenden Rat: Um den Audi E-Tron entspannt zu genießen, braucht es zuhause eine Wallbox mit mindestens 11 kW. Ansonsten ist man wie wir gut zu Fuß unterwegs. Aber das ist ja bekanntlich sehr gesund.