»kfz-betrieb« Auto-Check: Jaguar F-Type S

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Wie ein englischer Fußballfan der übleren Sorte: stark, laut und versoffen. Der Jaguar F-Type verkörpert die reine angelsächsische Roadster-Lehre. Andererseits verströmt er Komfort und Luxus.

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Alte Tugenden neu interpretiert: der Jaguar F-Type.
Alte Tugenden neu interpretiert: der Jaguar F-Type.
(Foto: Dominsky)

Ein Schock für englische Cineasten – und nicht nur die. 007, der Agent aller Agenten, fuhr anno 1995 nicht mehr britisch, sondern deutsch: einen schnöden BMW Z3. Auch wenn die Entscheidung der Filmemacher viele Gründe gehabt haben mag – eines war sicher: Es mangelte zu dieser Zeit an adäquaten Fahrzeugangeboten von der Insel.

Doch damit ist spätestens mit dem Verkaufsstart des Jaguar F-Type vor gut einem Jahr Schluss. Seitdem interpretiert dieser Erbe den vor genau 40 Jahren eingestellten E-Type neu und entsprechend zeitgemäß. Wie? Indem er zum Beispiel die Blicke mit eleganten Rundungen und stimmigen Proportionen auf sich zieht. Und das Beste zum Schluss: ein knackiger Hintern. Mit anderen Worten: Er ist ein echter Roadster von der Insel.

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Eye- und Soundcatcher

Gleiches gilt für innen: gute Platzverhältnisse für Fahrer/Beifahrer bis 1,90 Meter und nur relativ wenig Raum fürs Gepäck. Dafür viel zweifarbiges Leder, ein bisschen Chrom, reichlich Alu – eine gelungene Mischung aus Sport und Eleganz. Einzig die Cockpitanzeigen versprühen asiatischen Look – „2 fast 2 furious“ lässt grüßen. Als Eyecatcher vor allem bei wechselnden Beifahrer(n)/-innen fungieren die zentral angebrachten Lüftungsdüsen im Armaturenbrett. Kleine Heinzelmännchen fahren sie bei „Zündung an“ elektrisch aus.

Schluss mit Schnickschnack ist, wenn der Pilot den orangefarbenen Start-/Stopp-Knopf drückt. Bereits der Soundstoß beim Anlassen des Triebwerks erzeugt dieses „Yeah baby yeah“-Gefühl à la Austin Powers. Aber dann, wenn die Fuhre erst mal antrabt! Dass da „nur“ ein V6 unter der langen Haube werkelt, kann selbst der Fachmann kaum glauben. Denn für volle Zylinder und jede Menge Drehmoment sorgt ein Kompressor, dem man, thanks god, die Arbeit nicht anhört. Stattdessen posaunt es hinten raus, was das Zeug hält. Die Jaguar-Entwicklung in Coventry hat ganze Arbeit geleistet – mehr Auspuffsound geht nicht.

Gutes Preis-Leistungsverhältnis

Bereits in der 340-PS-(250 KW)-Ausführung bzw. dem „Normalmodus“ des F-Type S (40-Plus-PS) sorgt die zweiflutige Abgasanlage für hochgezogene Mundwinkel der Besatzung und anerkennend bis ernste Blicke der Restbevölkerung. Doch wehe, der Fahrer betätigt den Wippschalter mit der kleinen schwarz-weiß karierten Flagge darauf bzw. den separaten Soundknopf: Dann öffnen ventilbetätigte Klappen im Auspuff und die „brave Mietze“ wird zur fauchenden und brüllenden Bestie.

In weniger als fünf Sekunden katapultiert sich das Sexappeal auf Rädern auf 100, wenn es denn soll. Erst bei über 270 Km/h hört der Rausch auf. Doch dafür bezahlt der F-Type-Eigner einen hohen Preis – und der heißt: Benzinrechnung. Normal bis vorsichtig bewegt sind 12 bis 13 Liter pro 100 Kilometer die Untergrenze in Sachen Verbrauch. Ist die Autobahn frei, steht beim Verbrauchsmittel schneller eine Zwei vorne dran, als man schauen kann – britische Zurückhaltung sieht anders aus.

Ein Grund hierfür: Das hohe Gewicht von über 1,7 Tonnen (gemessen: „Auto Motor Sport“). Dennoch fährt sich der Jaguar sportlich direkt, was zum einen an der sehr direkten Lenkung liegt, zum anderen an dem im Normalmodus zu straff ausgelegten einstellbaren Fahrwerk. Letzteres informiert gefühlt über jedes Sandkorn, das die serienmäßigen 19-Zoll-Räder soeben hinter bzw. unter sich gelassen haben. Auch die Achtgangautomatik von ZF passt da gut ins Bild. Wer’s richtig sportlich mag, kann bzw. sollte die Schaltbefehle bei schneller Fahrweise allerdings selbst ausführen. Dank Lenkrad-Paddel klappt das hervorragend.

Das alles verzeiht man dem schnellen Jag, kommt man auf den Preis zu sprechen. Bereits ab 74.000 Euro (F-Type) wird man Eigner einer dieser Roadster-Katzen. Nicht allzu viel Geld für sehr viel Roadster. Ob’s da ein Zufall ist, dass Porsche eine weitere Variante („GTS“) seines Boxster mit 330 PS für 73.400 Euro aufgelegt hat? Wohl kaum.

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