»kfz-betrieb« Auto-Check: Smart Forfour Electric-Drive – Pendeln unter Strom

Autor / Redakteur: Holger Schweitzer / Dr. Holger Schweitzer

Als Stadtflitzer ist der Smart längst etabliert. Nun will er in der ersten Elektro-Variante von seinen Qualitäten im urbanen Einsatz überzeugen.

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Noch ist nicht jeder Fahrer bereit für den Smart Electric-Drive
Noch ist nicht jeder Fahrer bereit für den Smart Electric-Drive
(Bild: Schweitzer)

Die Smart-Electric-Drive-Reihe läutet für die Daimler-Kleinwagenmarke den Anfang vom Ende des Verbrennungsmotors ein: Ab 2020 sollen in Europa und Nordamerika nur noch Smart-Modelle mit Elektroantrieb verkauft werden.

Aktuell können bereits alle bisherigen Smart-Modelle, also Forfour, Fortwo und Cabrio, mit Elektroantrieb bestellt werden. Der Redaktion »kfz-betrieb« stand eine fünftürige Variante mit schwarz-grüner Metallic-Lackierung zur Verfügung, um sich im Test als alltagstauglicher Begleiter zu beweisen.

Wie sich ein E-Auto fährt, ist schnell beschrieben, aber wie alltagstauglich ist es als Begleiter für einen Fahrer, der nicht darauf vorbereitet ist?

Laden mit oder ohne Wallbox

Wie sich ein E-Auto fährt, ist schnell beschrieben, aber wie alltagstauglich ist es als Begleiter für einen Fahrer, der nicht darauf vorbereitet ist? Als Hausbesitzer verfüge ich zwar über eine Garage. Diese ist jedoch ohne Stromanschluss – und eigentlich gibt es weder eine Zufahrt zum schmucken Reihenmittelhaus, noch hat selbiges eine Außensteckdose. Die nächste öffentliche Stromtankstelle ist zwar „nur“ vier Kilometer entfernt; die Frage, ob ich den „Schnellladestopp“ nach Arbeitsschluss an der Ladesäule im bedingt komfortablen Gewerbegebiet einlegen sollte, war aber schnell beantwortet: Abendessen im Kreis der eigenen Familie war eindeutig attraktiver – auch wenn dies bedeutete, die Ladezeit der 17,8 kWh starken Batterie fast zu verdoppeln. Zusätzlich musste ich das Stromkabel aus der Küche durch das Fenster auf den Gehweg vor dem Haus verlegen.

Die kompakten Abmessungen des E-Smart - er ist 3,5 Meter lang und 1,7 Meter breit - sorgten dafür, dass auch Nachbarn mit Kinderwagen den Gehweg weiter nutzen konnten. Auch ansonsten sorgte der schwarz-grüne Wochenendbegleiter eher für Neugierde. Tatsächlich bedauerten die meisten meiner Nachbarn, dass unsere Garagen keinen Stromanschluss haben, denn grundsätzliches Interesse an der neuen Technologie bestünde, so sagten sie zumindest, durchaus.

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Aber zurück zum Ladevorgang: Um 22 Uhr beschloss ich, den Stecker zu ziehen und das Küchenfenster zu schließen – es wurde im Haus einfach zu kalt. Zu diesem Zeitpunkt war der Akku immerhin nach vier Stunden Ladezeit zu etwa 40 Prozent betankt und lag bei 80 Prozent. Schneller geht es mit einer Wallbox: Die Ladezeit von 20 auf 100 Prozent dauert laut Hersteller an einer Smart-Wallbox mit einer Leistung bis 22 kW etwa 3,5 Stunden.

Reichweite ist nicht alles – fast

Bei derartigen Ladezeiten und einer von Smart angegebenen Reichweite von 155 Kilometern verzichtete ich doch lieber auf größere Wochenendausflüge mit dem Elektro-Smart. Tatsächlich bewegte sich die Reichweite im Testbetrieb eher zwischen 100 und 120 Kilometern, je nach Routenwahl. Eine kurze Überlandfahrt von 22 Kilometern in einen Nachbarort beraubte die Batterie um 20 Prozent ihrer Kapazität. Auch auf Heizung und Klimaanlage verzichtete ich zugunsten einer höheren Reichweite.

Wohler fühlt er sich eindeutig im Stadtbetrieb: Hier liegt der Stromverbrauch niedriger. Pendler, die mit Kurzstrecken im urbanen Raum unterwegs sind (und über die entsprechende Ladeinfrastruktur verfügen) kommen hier voll auf ihre Kosten. Denn mit einer Dauerleistung von 41 kW und einem maximalen Drehmoment von 160 Nm macht der Elektroantrieb des Smart richtig Spaß. Lautlos und linear beschleunigt der kleine Daimler mit Einganggetriebe, sodass man nicht anders kann, als sich wie ein Kind im Autoscooter zu freuen. Die kleinen Abmessungen, kombiniert mit dem kleinen Wendekreis von 9,05 Metern unterstreichen den Go-Kart-Charakter des Stadtflitzers.

Wohlfühlfaktor

Apropos Wohlfühlen: Im Innenraum fühlt man sich dank der leicht frechen Designsprache und einem gut übersichtlichen Cockpit schnell wohl. Der Bordcomputer im Cockpit und das Display in der Mittelkonsole ergänzen sich gut. Die Bedienung fällt erfreulich übersichtlich und intuitiv aus.

Als gelungen kann man auch den Spagat zwischen der kompakten Größe des Smart und dem verfügbaren Innenraum bezeichnen. In der viertürigen Variante des Forfour finden zwei Kinder auf den hinteren Sitzen auf jeden Fall bequem Platz; für Erwachsene wird es je nach deren Größe zwar etwas enger, aber in Anbetracht der Dimensionen des Smart, durchaus akzeptabel. Das Kofferraumvolumen fällt naturgemäß mit 185 Litern nicht üppig aus; möchte man beide Ladekabel mit sich führen, schrumpft das Volumen zusätzlich um etwa ein Drittel. Allerdings können die Rücksitzlehnen umgelegt werden, wodurch das Ladevolumen auf stolze 975 Liter anwächst.

Klein, aber nicht mager

Auch wenn der Electric-Drive als kleiner Stadtflitzer konzipiert ist, ist er dabei nicht spartanisch ausgestattet: Serienmäßig sind beispielsweise der Seitenwindassistent und die Klimaanlage verbaut. Da die Klimaanlage auf den wertvollen Stromspeicher zurückgreift, sollte man sich gut überlegen wie wichtig einem ein ideal klimatisierter Innenraum ist – insbesondere, wenn man doch etwas weiter fahren möchte. Um es bei kalten Temperaturen wärmer zu haben, empfiehlt es sich sicherlich, die in unserem Testfahrzeug vorhandene, stromsparende Sitzheizung zu verwenden. Diese ist allerdings aufpreispflichtig, ebenso wie die Assistenzsysteme unseres Testfahrzeugs, bestehend aus Spurhalte- und Bremsassistent, Rückfahrkamera, Einparkhilfe und dem Navigationssystem.

Nicht nur eine Frage des Preises

Mit einem Grundpreis von 22.600 Euro ist der elektrische Forfour etwa 5.000 Euro teurer als der vergleichbare Benziner, wobei der staatliche Umweltbonus von 4.000 Euro für den Kauf eines Elektroautos den Unterschied deutlich schrumpfen lässt. Spaß macht der E-Smart, keine Frage – und durch die Umweltprämie sinkt auch die finanzielle Hemmschwelle.

Allerdings bleiben Reichweite und Ladezeit die Achillesverse des kleinen Stromers. Auch deshalb ist der Electric-Drive für Pendler wie mich ohne eigene Ladeinfrastruktur noch nur bedingt alltagstauglich – leider.

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