»kfz-betrieb«-Autocheck: Honda HR-V – ganz großer Jazz

Mit Saugmotor durchzugsschwach, aber immerhin sparsam

| Autor: Jan Rosenow

Die Chromspange in der Front ist das Kennzeichen des modellgepflegten Honda HR-V.
Die Chromspange in der Front ist das Kennzeichen des modellgepflegten Honda HR-V. (Bild: Julia Mauritz/»kfz-betrieb«)

Zum Modelljahr 2019 hat Honda seinen Kompakt-SUV HR-V dezent überarbeitet. Ganz neu ist die Modellversion Sport mit aufgeladenem 1,5-Liter-Ottomotor und 134 kW/182 PS, die sich auch optisch von den Grundmodellen abhebt. Diese wiederum haben sich durch die Modellpflege kaum verändert. Von außen ist die 2019er-Generation durch etwas Chromschmuck und minimal verändertem Design an der Front erkennbar, innen wirkt sich vor allem die deutlich verbesserte Geräuschdämpfung positiv aus.

Honda hat in allen Bereichen des Fahrzeugs mehr Dämmmaterial integriert, etwa an der Stirnwand, in den Radhäusern, der Kofferraumstruktur sowie den Türen, und verwendet zudem ein aktives Lärmunterdrückungssystem, das durch Gegenschall aus den Lautsprechern unerwünschte Frequenzen neutralisiert.

Das war auch nötig, denn mit dem neben dem neuen Turbo einzigen lieferbaren Motor, einem hochdrehenden Saugbenziner mit 1,5 Litern Hubraum und 96 kW/130 PS, fiel der HR-V bislang mit einem zu hohen Lärmpegel auf. Der Motor ist zwar geblieben, aber die Testfahrten zeigten die Wirksamkeit der Geräuschdämmung: Bis in den mittleren Drehzahlbereich hinein ist die Maschine kaum zu hören.

Trotzdem prägt das Vierzylinderaggregat sehr stark das Fahrgefühl in dem japanischen Kompakt-SUV. Es gehört zur selten gewordenen Bauart der frei saugenden Ottomotoren und gibt deshalb nur ein relativ geringes Drehmoment ab (maximal 155 Newtonmeter). Wer kräftig beschleunigen will, der muss also drehen, und das geht immerhin bis knapp 7.000 min-1.

Nervenzehrende Überholvorgänge wegen langer Übersetzung

Heute sind allerdings die meisten Fahrer gewöhnt, möglichst schnell in den höchsten Gang zu schalten und mit niedrigen Drehzahlen dahinzurollen. Wer aber mit dem HR-V in der sechsten Stufe bei etwa 100 Stundenkilometern auf Pedal drückt, der darf sich auf einen langen und nervenzehrenden Überholvorgang gefasst machen.

Ganz up-to-date ist der Direkteinspritzer aber beim Verbrauch: Selbst bei zügiger Fahrt auf der Autobahn gibt sich der Wagen mit durchschnittlich 6,5 Litern Benzin auf 100 Kilometern zufrieden – für einen SUV ein Super-Wert. Auf der Landstraße sind problemlos 5,5 Liter zu erreichen. Interessant ist der Vergleich mit dem identisch motorisierten Honda Jazz 1.5. Der Microvan ist bedeutend leichter und strömungsgünstiger als der HR-V, aber trotzdem nicht sparsamer, weil er viel kürzer übersetzt ist als der SUV.

Gleiches Raumkonzept wie im Jazz, aber mehr Platz

Stichwort Jazz: Mit dem Kleinwagen teilt sich der HR-V nicht nur das schlecht bedienbare Touchscreen-Infotainmentsystem Honda Connect, sondern auch das Sitzkonzept namens Magic Seats. Die Sitzflächen der Hintersitze lassen sich hochklappen und geben ein zweites Gepäckfach von erheblicher Größe frei.

Dafür wandert der Tank unter die Vordersitze. Anders als im Jazz stört er im hochbauenden HR-V dort deutlich weniger: Die Sitzposition passt, die Vordersitze lassen sich weit genug nach hinten schieben, und der Tankinhalt ist mit 50 Litern absolut ausreichend (Jazz: 40 Liter).

City-Notbremsassistent soll Unfälle vermeiden

Deutlich umfangreicher als im kleinen Bruder fällt die Ausstattung mit Fahrerassistenzsystemen aus. Der serienmäßige City-Notbremsassistent (CTBA) soll Unfälle bei niedrigen Geschwindigkeiten vermeiden beziehungsweise deren Folgen minimieren. Mithilfe eines Lasersensors überwacht das System die Fahrbahn und leitet automatisch eine Bremsung ein, wenn eine Kollision droht. CTBA funktioniert bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 32 Stundenkilometern. Ab der mittleren Ausstattungslinie (Elegance) an Bord sind weitere Assistenzsysteme an Bord, die eine Kombination aus Kamera- und Radartechnologie nutzen:

  • das Kollisionswarnsystem (Forward Collision Warning),
  • die Verkehrszeichenerkennung (Traffic Sign Recognition),
  • die Intelligente Geschwindigkeitsregelung (Intelligent Speed Limiter),
  • den Spurhalteassistenten (Lane Departure Warning) und
  • den Fernlichtassistenten (High-Beam Support System).

Fazit: Mit seiner Karosserieform tritt der HR-V im boomenden SUV-Segment an, ohne sich aber die traditionellen Nachteile dieser Fahrzeuggattung einzuhandeln. Denn er ist weder schwerer noch verbraucht er mehr Kraftstoff als ein normales Kompaktklasseauto. Auch der Grundpreis sieht mit 21.590 Euro richtig attraktiv aus, wobei es dafür nur die schmal ausgestattete Einsteigervariante namens Comfort gibt. Wer von den genannten Fahrerassistenzsystemen profitieren will, muss mindestens die Variante Elegance für 24.790 Euro wählen. Mit seinem genialen Raumkonzept empfiehlt sich der HR-V als kompetentes Familien-SUV, das im Vergleich zum Jazz etwas mehr Platz und deutlich bessere Langstreckeneigenschaften bietet.

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