Löhr-Gruppe: Zehn Prozent mehr Effizienz

Autor / Redakteur: Prof. Anita Friedel-Beitz / Julia Mauritz

Hans-Jürgen Persy, Vorstandsvorsitzender der Löhr-Gruppe, hält nichts davon, Kosten über Personalabbau zu senken: „Das kann jeder. Das Gegenteil –eine nachhaltige und erfolgreiche Unternehmensführung – ist die große Kunst!“

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Die Automobilhandelsgruppe kann sich glücklich schätzen, denn sie erntet heute die Früchte aus der 2003 gegründeten „Löhr & Becker Akademie.“ In den dort regelmäßig stattfindenden Strategietreffen und Workshops geht es um knallharte Fakten und zukunftsfähige Konzepte.

Am 1. November startete ein umfassendes Maßnahmenpaket, das sogenannte „Projekt 10“. Es soll dazu beitragen, im Jahr 2010 die Effizienz um zehn Prozent zu steigern. Erreicht werden soll dies mit einem Mix aus Leistungssteigerung und durchdachter Kostensenkung. Dafür will die Löhr-Gruppe alle Register ziehen und dennoch nicht auf ihre Unternehmenskultur verzichten.

Die Gruppe setzt auf Transparenz, Offenheit und intensive Kommunikation. Aufgrund der schlanken Personalorganisation – die 26 Autohäuser werden von 15 Geschäftsführern geführt – sind die Hierarchien flach und auch die kleineren Betriebe innerhalb des Firmennetzes profitieren von den Ressourcen und Synergien der großen Betriebe. Für die operative Umsetzung des Projekts 10 ist jeder Geschäftsführer selbst verantwortlich.

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Persy will 2010 das Thema Restwerte stärker fokussieren: „Restwerte verhalten sich mittlerweile wie Aktien an der Börse. Aktuell kann es nur darum gehen, in einem modifizierten Zusammenspiel von Hersteller und Handel auf die schwierige Herausforderung zu reagieren und diese gemeinsam zu meistern. Das erfordert ein natürliches Zusammenspiel wie bei Bizeps und Trizeps. Wenn einer der beiden Muskeln ausfällt, schränkt das die Funktionalität nicht nur ästhetisch ein“. Mit Blick auf die Konzernbilanz hat die Löhr-Gruppe diesbezüglich bereits vorgesorgt. Und das nicht nur im Abwrackjahr 2009.

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Persys Erwartungen für das kommende Jahr? „In Bezug auf Investitionen wird sich so mancher im Schützengraben verschanzen. Wir werden unsere vereinbarten Projekte plangemäß fertig stellen, unser Markenportfolios schützen und zunächst keine neuen Investitionsvorhaben annehmen. Und wir werden die berühmte Glaskugel 2010 immer wieder mal in die Spülmaschine legen.“

Der Weg zur Aktiengesellschaft

Die Löhr-Gruppe gehört zu den Top fünf der VW-Händlergruppen. Doch das wissen nur die Brancheninsider. Publik machte dies das Unternehmen nie. Denn ein wichtiger Baustein der Firmenphilosophie in der mittlerweile 117-jährigen Geschichte war vornehme Zurückhaltung und Understatement.

Leise und strategisch bereitete Karl-Otto Löhr, Enkel des Firmengründers, die Nachfolge und somit Fortführung der Unternehmensgruppe vor, nachdem klar war, dass keines seiner Kinder das Unternehmen führen wird.

2002 wandelte er die Löhr & Becker GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft um und wechselt in seinem 60. Lebensjahr selbst in den Aufsichtsrat. Dieser wird unterstützt von einem Wirtschaftsprüfer und einem Rechtsanwalt. Eine gelungene Mischung also aus Sach- und Fachkompetenz.

Zum Vorstandssprecher bestellte Löhr den Ingolstädter Diplom-Betriebswirt Hans-Jürgen Persy. Er ist seit Anfang der Neunziger im Unternehmen und kennt die Löhr-Gruppe in- und auswendig. Anfang der Neunziger trat er als Assistent der Geschäftsleitung in das Unternehmen ein, war ab 1995 Geschäftsführer des Audi-Zentrums Koblenz und drei weiterer Löhr-Betriebe. Im Jahr 2000 übernahm er zudem die Geschäftsführung des Audi-Zentrums in Trier, bevor er 2002 zum Vorstandsvorsitzenden der Löhr-Gruppe ernannt wurde.

„Wir verstehen uns nicht als die Marketingpäpste des Automobilhandels, die wegen jeder neuen Palme im Showroom eine Pressemeldung rausgeben“, erklärt Persy das leise Auftreten der erfolgreichen und kapitalstarken Unternehmensgruppe. Dabei hat die Löhr-Gruppe in vielerlei Hinsicht automobile Handelsgeschichte geschrieben.

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