Audi-Museum-Sonderausstellung Luftkraft

Von Steffen Dominsky 2 min Lesedauer

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Nach „Windschnittig“ folgt „Form vollendet“: Die neue Sonderausstellung im Audi Museum Mobile dokumentiert die Aerodynamik im Automobilbau von 1945 bis heute. Zu sehen gibt es neben diversen Fahrzeugen mit vier Ringen im Kühlergrill auch etliche Modelle anderer Marken: von Citroën bis Saab.

Das Rovomobil aus der DDR wurde in den Siebzigerjahren in Halle entwickelt und gebaut. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,237 und kleiner Stirnfläche zählt er zu den strömungsgünstigsten Pkw.(Bild:  Dominsky – VCG)
Das Rovomobil aus der DDR wurde in den Siebzigerjahren in Halle entwickelt und gebaut. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,237 und kleiner Stirnfläche zählt er zu den strömungsgünstigsten Pkw.
(Bild: Dominsky – VCG)

Preisfrage: Woran erkannt man ein gutes Automobilmuseum? Genau, daran, dass es auch mal über den eigenen Marken-Tellerrand hinausschaut. Das tut aktuell das Museum Mobile in Ingolstadt, sprich das Audi-Museum. Nach der erfolgreichen Sonderschau „Windschnittig“ folgt mit „Form vollendet“ ein weiteres Kapitel in Sachen Aerodynamik. Jener Begriff, der sich aus den beiden altgriechischen Worten „ἀήρ“ (aer = Luft) und „δύναµις“ (dynamis = Kraft) zusammensetzt und als Teil der Fluiddynamik (Strömungslehre) das Verhalten von Körpern in Luft beschreibt. Genau diesem trugen auch schon unsere Urgroßväter im Automobilbau Rechnung. So entstanden in den Dreißigerjahren diverse Versuchs-, aber auch Serienmodelle, die das Ziel hatten, dem Wind einen möglichst geringen Widerstand entgegenzusetzen.

Nach 1945 erfuhr die Strömungslehre im Automobilbau zunächst geringe Aufmerksamkeit: Die Automobilindustrie in Europa musste zuallererst selbst wieder in Gang kommen. In dieser Zeit verwendete man zunächst Vorkriegsentwicklungen weiter und optimierte sie. Erst mit steigenden Treibstoffkosten während der Ölpreiskrise 1973 setzte ein Umdenken ein und lenkte die Aufmerksamkeit der Automobilentwickler mehr und mehr darauf, den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Eine Stellschraube dafür ist der Luftwiderstand beim Auto. Audi setzte 1982 mit dem Audi 100 ein Ausrufezeichen: Sein cW-Wert von 0,30 markierte einst den Weltrekord für eine Serienlimousine – ein Wert, der lange als Maßstab galt.

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Nicht nur Audis zu sehen

In der neuen Sonderausstellung sind neben Modellen wie eben diesem cW-Weltmeister Audi 100 und dem Ro 80 aus dem Hause auch zahlreiche Modelle fremder Marken zu sehen. Beispielsweise ein Porsche 356, ein Lamborghini Countach oder eine Ducati Paso 950. Außerdem auch Studien und Rennfahrzeuge der Audi-Geschichte wie etwa der Audi 90 IMSA GTO von 1989, der Le-Mans-Rennwagen Audi R18 e-tron quattro von 2012, die Studie „Audi Skorpion“ von 2013. Und die Audi-80-cW-Studie von 1984. Mit ihr wollten die Entwickler erneut die Grenzen des Machbaren ausloten: Auf Basis eines Audi 80 war es ihr Ziel, einen cW-Wert von unter 0,2 zu erreichen – was schließlich auch gelang.

Ebenfalls ein Meilenstein in der Aerodynamik ist der Audi A2. Bei seinem Debüt auf der IAA 1999 polarisierten das auf optimale Windschlüpfrigkeit ausgerichtete Design und die damals ungewohnten Proportionen. Das Basismodell mit Audi-Space-Frame-Karosserie in Aluminium bringt es auf einen cW-Wert von 0,28. Die Audi-Ingenieure drehten durch sehr viele Einzelmaßnahmen weiter an der Aerodynamik-Schraube und schafften es beim Audi A2 1.2 TDI auf diese Weise, den cW-Wert noch weiter zu senken. Der Audi A2 1.2 TDI gilt als weltweit erstes viertüriges Dreiliter-Auto. Er hat einen cW-Wert von 0,25 und kommt auf einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 2,99 Liter je 100 Kilometer.

Kurator Stefan Felber erzählt von seinem „Lieblingsexponat“ in der Ausstellung: „Für mich hat der DKW F9 eine besondere Bedeutung – er ist das Bindeglied der beiden Ausstellungsteile ‚Windschnittig‘ und ‚Form vollendet‘. Zudem steht dieses strömungsgünstige und auf den ersten Blick eher unscheinbare Automobil für den Neubeginn der Auto Union im Westen und der IFA im Osten Deutschlands.“ Die neue Sonderausstellung ist noch bis zum 2. März 2025 im Audi Museum Mobile in Ingolstadt zu sehen. Tickets gibt es ab 5 Euro.

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