Markenhändler berichten: Nichts geht mehr

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Ein großer Toyota-Händler sagt während des Telefonats mit »kfz-betrieb«, „dass die politischen Maßnahmen ab Mitte März mit brachialer Gewalt eingeschlagen haben.“ Bei ihm war der Verkauf ab dem 19. März lahmgelegt. Seiner Meinung nach war es zwar richtig, die Gesundheit der Menschen in den Mittelpunkt aller Entscheidungen zu stellen. Jetzt müsste die Politik aber „die Ausgangssperren lösen, damit der Wirtschaftskreislauf wieder anlaufen kann.“

Ein ganz anderes Fass macht der Händler einer weiteren Importeursmarke auf: „Wir haben im Verkauf seit vergangener Woche zu 100 Prozent Kurzarbeit und der Importeur hat nichts Besseres zu tun, als uns alle für den Frühsommer geplanten Fahrzeuge auf den Hof zu stellen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Kreditlinien und Sicherheiten.“ Ferner sei der Verkauf nicht nur durch die geschlossenen Zulassungsstellen blockiert, sondern auch, weil viele gewerblichen Gebrauchtwagen-Aufkäufer ebenfalls geschlossen haben. „Auf unseren Höfen steht Kapital herum, das täglich an Wert verliert. Was in Sachen Leasingrückläufern passiert, steht zudem in den Sternen. Und alle Neugeschäfte scheitern, da kein Preis für den Gebrauchtwagen gemacht werden kann“, sagt der spürbar genervte Autohausmanager aus Süddeutschland während einer Video-Konferenz mit der Redaktion.

Corona macht auch vor Premium nicht halt: Ein Mercedes-Benz-Vertragspartner aus Ostdeutschland erwartet für April und Mai erhebliche Umsatzeinbußen, was dazu geführt hat, alle Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen. Ein Markenkollege aus Westdeutschland spricht bereits vom Abbau von Arbeitsplätzen.

Und auch im Norden Deutschlands gehen die Lichter langsam aus. „Im Januar und Februar hatten wir den besten Jahresstart aller Zeiten, aber ab Mitte März ist der Verkauf in allen Sparten um 80 Prozent zurückgegangen. Der Neuwagen-Auftragseingang liegt aktuell nur noch bei rund zehn Prozent. „Im Service haben wir eine indifferente Situation, die sich von Sparte und Standort unterscheidet. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass sich die Auslastung auf 30 bis 60 Prozent reduziert hat. Dies führte bereits dazu, dass wir zwei Betriebe vorübergehend geschlossen haben“, sagt der Geschäftsführer mehrerer Mercedes-Benz-Autohäuser.

Volkswagen: Situation für Hersteller und Händler herausfordernd

Kommen wir vom Stern zu den Marken des Volkswagen-Konzerns. Am Wolfsburger Krisenmanagement machte sich vergangene Woche im Userforum von »kfz-betrieb« Kritik breit. Nicht hilfreich war in dem Zusammenhang, dass sich die Führungskräfte teilweise gegenseitig widersprachen. VW-Deutschlandchef Holger Santel sagte, die Auftragseingänge seien ordentlich und man liefere auch Autos aus. Volkswagen-Chef Herbert Diess sprach wiederum davon, dass der Konzern aktuell „praktisch keine“ Fahrzeuge mehr loswerde. Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann wiederum erklärte, dass VW im digitalen Kundenkontakt Fortschritte mache. All das hinterlässt Fragezeichen.

Antworten darauf gibt es jetzt seitens der deutschen Handelspartner der Marken des Volkswagen-Konzerns: Für einen bayerischen VW/Audi Partner mit mehreren Standorten kommt es knüppeldick. Neben dem völligen Stillstand im Fahrzeugverkauf und einem Absturz des Servicegeschäfts, musste er zwei Betriebe wegen mit Corona infizierten Mitarbeitern komplett schließen. „Im März konnten wir den Cashflow noch relativ gut aufrechterhalten. Der April wird mangels Umsatzes zu deutlichen Rückgängen der Liquidität führen“, sagt der Geschäftsführer.

Die Servicesparte einer weiteren großen Autohausgruppe aus Süddeutschland leitet vor allem im Karosserie- und Lackgeschäft unter einem starken Auslastungsrückgang. In Sachen Verkauf geben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar per Telefon und digitaler Kommunikation alles, die aktuellen Zahlen liegen dennoch deutlich unter Plan. Trotzdem freut sich die dortige Geschäftsführung, dass sich Investitionen und Engagement in den Online-Handel in so einer schwierigen Zeit auszahlen. „Wir begreifen die Transformation unserer Branche, die durch die Corona-Krise sicherlich einen Schub und eine Beschleunigung erfahren wird, als Chance“, sagt der Geschäftsführer des Familienbetriebs.

Insgesamt sind die Rückmeldung aus dem VW/Audi-Netz aber alles andere als erfreulich: Da das Handelsgeschäft mit Einzelkunden inzwischen fast völlig zum Erliegen gekommen ist, erwarten alle von der Redaktion befragten Händler massive Verluste.

Ein ostdeutscher VW/Audi-Händler bringt die derzeitige Situation so auf den Punkt: „Normalerweise beschäftigen wir uns mit Werten von 0 auf 100. In den letzten zwei Wochen gingen alle Werte von 100 auf 0. Innerhalb weniger Tage haben wir nicht mehr über Aktionsgeschäfte, Zielerreichung, neue Händlerverträge, Margenverluste oder Elektromobilität und Fachkräftemangel gesprochen. Wir befinden uns ausschließlich im Krisenmanagement inklusive Stresstest für alle unsere Häuser. Müssen die Ausstellungsräume auch nach den Osterferien noch geschlossen bleiben, wären die Folgen katastrophal.“

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