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Metropol Automobile: Von null auf top in nur fünf Jahren

Autor: Jan Rosenow

Metropol Automobile in Nürnberg hat gerade einmal fünf Jahre nach der Gründung schon die Top Ten des Service Awards 2019 erreicht. Der Herausforderung, Autokäufer zu zufriedenen Servicekunden zu machen, stellt sich Inhaber Jochen Scharf mit guten Ideen.

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Metropol Automobile aus Nürnberg ist eigentlich ein Start-up. In wenigen Jahren hat sich der Kia-Betrieb, dank überzeugendem Service, etabliert und betreibt mittlerweile vier Standorte.
Metropol Automobile aus Nürnberg ist eigentlich ein Start-up. In wenigen Jahren hat sich der Kia-Betrieb, dank überzeugendem Service, etabliert und betreibt mittlerweile vier Standorte.
(Bild: Daniel Dostal)

Wir wissen nicht, ob Jochen Scharf den festen Plan hatte, innerhalb von fünf Jahren Deutschlands größter Kia-Händler zu werden. Der ebenso hemdsärmelige wie tatkräftige Unternehmer, der aus einer Autohändlerfamilie stammt, entschied sich erst vor wenigen Jahren, in den Markenhandel einzusteigen. Davor hatte er mit Fahrzeug-Im- und -Export sowie mit Eventgastronomie sein Geld verdient.

Zusammen mit seinem Bruder Dietmar, der zuvor als Serviceleiter in einem VW-Betrieb tätig war, gründete er 2013 Metropol Automobile und begann, den Nürnberger Kia-Markt aufzumischen. Heute ist Metropol mit vier Standorten der Platzhirsch in der Frankenmetropole und ihrem Umland und von den Absatzzahlen her Deutschlands größter Kia-Partner. Wow.

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Als Gründer, der sich weder an den Traditionen eines gewachsenen Familienbetriebs noch an einer vorhandenen Immobilie auszurichten hatte, konnte Jochen Scharf sein Unternehmenskonzept komplett selbst bestimmen. „Wir haben bei null angefangen“, erinnert sich der Unternehmer, „und uns überlegt, wie wir das Servicegeschäft aufziehen wollen. Dabei fragten wir uns auch: Brauchen wir überhaupt eine Werkstatt?“

Ein Verkaufshaus ohne Werkstatt – das wäre ein interessantes Konzept gewesen. Doch wahrscheinlich hatte Bruder Dietmar, der bodenständige Techniker, sehr gute Argumente, warum es ohne Serviceabteilung nicht gehen würde. Schließlich bietet Kia mit der Garantie von sieben Jahren beste Voraussetzungen, Neuwagenkunden lange an den Betrieb zu binden. Kein Wunder, dass Jochen Scharf das Kia-Angebot „saugut“ findet.

Auch mit Garantiearbeiten lässt sich Geld verdienen

Doch die Werkstatt musste am Anfang hartes Brot essen. Alle Kunden hatten Neuwagen, die Kia-Qualität ist gut: „Von den vier Arbeitsplätzen am Anfang sind zwei eingestaubt“, erinnert sich Jochen Scharf. Und die wenigen Kunden mit älteren Autos waren die Problemfälle der anderen Händler. Doch die Werkstattmannschaft hat die Herausforderungen der Anfangszeit gemeistert, und mit dem schnell wachsenden Verkauf vervielfachte sich auch die Kundenfrequenz. Die Zahlen beeindrucken: Seit 2016 wuchs der Ölabsatz um 50 Prozent, der Reifenverkauf verdoppelte sich und die Zahl der eingelagerten Radsätze verdreifachte sich sogar.

Auch heute noch bestimmt die Kia-Garantie das Servicebusiness entscheidend mit. „60 Prozent unserer Aufträge sind Garantiearbeiten. Aber auch damit kann man Geld verdienen,wenn man es richtig macht“, erklärt Serviceleiter Dietmar Scharf. Die neue Herausforderung lautet nun, auch die Gebrauchtwagenkäufer an den Betrieb zu binden, bei denen die Garantie keine Rolle mehr spielt.

Direktannahme schon lange per Tablet

Da Metropol fast ausschließlich Privatkäufer betreut, kommt der Kundenzufriedenheit eine entscheidende Rolle zu – und Jochen Scharf nutzt hier seine Erfahrungen aus dem Gastronomieunternehmen, das er auch heute noch betreibt. „Der Kunde ist unser Gast“, fasst er das Konzept griffig zusammen. „Sein Besuch ist uns eine Ehre und eine Verpflichtung, deshalb machen wir das Problem des Kunden zu unserem eigenen.“

Durch den hohen Beratungsaufwand, den die lange Kia-Garantie erfordert, kommt bei Metropol fast auf jeden operativ arbeitenden Monteur ein Serviceberater. Diesen Aufwand nimmt Scharf aber in Kauf, denn seiner Ansicht nach dient das der Kundenbindung. Auch die Direktannahme ist eine Selbstverständlichkeit, denn für Dietmar Scharf „bietet sie immer noch große Chancen“. Nach seiner Erfahrung wünschen vor allem Frauen eine Direktannahme, weil sie sich dort mit ihrem Anliegen ernst genommen fühlen.

Die Direktannahme läuft bei Metropol schon lange per Tablet. Anfangs nutzte der Serviceleiter dazu eine Anwendung seines DMS-Lieferanten Loco-Soft, heute gibt es eine Kia-eigene Lösung namens Myservice. Mit dem Tablet kann der Serviceberater auch Fotos und Videos anfertigen, um dem Kunden eventuelle Auftragserweiterungen zu erklären.

Service Award 2019: Veränderung bringt Vorsprung
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Das schnelle Wachstum sorgt mittlerweile für Kapazitätsprobleme. Der Hauptstandort in der Tennenloher Straße in Nürnberg war für 500 Einheiten geplant worden – heute handelt das Team dort das Dreifache. Und auch mit der schnellen technischen Weiterentwicklung bei seiner Marke muss das Unternehmen mithalten. Kia hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Anbieter von elektrifizierten Fahrzeugen gemausert – und das müssen die Werkstätten nun ebenfalls schaffen. Metropol ist natürlich Pilothändler für die Elektromobilität bei Kia, hat bereits einen speziellen Arbeitsplatz für E-Autos eingerichtet und einen Mechatroniker eingestellt, der vorher bei Tesla gearbeitet hat. Zusätzlich bekommen alle Werkstattmitarbeiter eine Hochvoltschulung.

Wahrscheinlich wird auch dieser Arbeitsplatz zuerst einstauben, weil der Servicebedarf bei Elektrofahrzeugen so gering ist. Doch dass er Investitionen nicht scheut und dann Vollgas gibt, damit sie sich schnell auszahlen, das hat Jochen Scharf mit seinem gesamten Unternehmen bereits bewiesen. Der Beleg dafür: Gleich bei der ersten Teilnahme schafft es Metropol Automobile in die Top Ten beim Service Award.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group