Onlinemarktplätze Mobile.de bestätigt Pläne für möglichen Börsengang

Von Dr. Martin Achter 3 min Lesedauer

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Spekuliert wurde schon länger darüber, jetzt ist es offiziell: Deutschlands größter Online-Fahrzeugmarkt plant einen Börsengang. Dafür bringt er sich auch personell in Stellung – heftig kritisierte Laufzeitverträge für Teile der Händler im vergangenen Jahr waren wohl schon ein Vorbote.

Mit dem möglichen Börsengang von Mobile.de wird es jetzt offenbar konkreter. Die Plattform stellt sich auch personell darauf ein.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Mit dem möglichen Börsengang von Mobile.de wird es jetzt offenbar konkreter. Die Plattform stellt sich auch personell darauf ein.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Deutschlands größte Online-Autobörse und ihre Eigner aus der Welt der Finanzinvestoren haben die Pläne für einen möglichen Börsengang der Plattform bestätigt. Sie prüften derzeit „strategische Optionen zur Unterstützung des weiteren Wachstumskurses des Unternehmens“, teilte Mobile.de am Donnerstag in Berlin mit. „Ein Börsengang ist eine der Optionen, die in diesem Zusammenhang in Betracht gezogen werden.“

Für einen solchen möglichen Börsengang bringt sich die Plattform jetzt wohl auch personell in Stellung. Mit Dirk Schmelzer bekommt der Online-Marktplatz der Mitteilung zufolge zum 1. März einen neuen Finanzchef (Chief Financial Officer, CFO).

Dirk Schmelzer, bisher Finanzvorstand beim ehemaligen Autoscout-24-Mutterkonzern Scout 24 in München und Berlin, wird ab März neuer Finanzchef von Mobile.de. Scout 24 ist an der Börse notiert.(Bild:  Konstantin Gastmann)
Dirk Schmelzer, bisher Finanzvorstand beim ehemaligen Autoscout-24-Mutterkonzern Scout 24 in München und Berlin, wird ab März neuer Finanzchef von Mobile.de. Scout 24 ist an der Börse notiert.
(Bild: Konstantin Gastmann)

Schmelzer kommt von der börsennotierten Scout-24-Gruppe mit Sitz in München und Berlin, zu der bis vor einigen Jahren auch Mobile-Wettbewerber Autoscout 24 gehörte. Dort war Schmelzer seit 2019 als Finanzvorstand tätig.

Scout 24 verkaufte Autoscout 24 aber 2019/2020 an den Finanzinvestor Hellman & Friedman. Auch über einen Börsengang von Autoscout 24 berichteten Unternehmensinsider und Medien in den vergangenen Jahren immer wieder.

Die aktuelle Finanzchefin von Mobile, Katja Thieme, wechselt nach Angaben des Unternehmens in die Rolle der stellvertretenden Finanzchefin. In dieser Funktion werde sie weiterhin die Bereiche Finanzplanung und Analyse, Rechnungswesen sowie das operative Finanzwesen verantworten.

Spekulationen und Medienberichte über einen möglichen Börsengang von Mobile gibt es schon seit mindestens einem Jahr. Mobile.de ist seit 2024 in den Händen der Finanzinvestoren Permira, Blackstone, General Atlantic und TCV (über eine Tochtergesellschaft). Damals wurde das Unternehmen zusammen mit seinem norwegischen Mutterkonzern Adevinta von den Privat-Equity-Gesellschaften übernommen. Adevinta hatte Mobile 2020 zusammen mit dem Schwesterportal Kleinanzeigen vom US-Konzern Ebay übernommen, der dann Großaktionär von Adevinta wurde.

Finanzinvestoren kaufen immer wieder Unternehmen mit dem Ziel, deren Wert durch gezielte Umstrukturierungen und Effizienzsteigerungen zu erhöhen. Dies beinhaltet häufig die Analyse operativer Schwächen, Personalmaßnahmen und die Optimierung von Geschäftsmodellen. Nach einer solchen Umstrukturierung bringen die Investoren die Unternehmen wieder auf den Markt, oft in Form eines Börsengangs. Auf diese Weise fahren sie Gewinne ein.

Dominante Marktstellung für Investoren interessant

Mobile dürfte für Investoren aufgrund seiner Preispolitik, seiner hohen Renditen und seiner Marktdominanz interessant sein. Das Unternehmen erhöht bekanntermaßen seit vielen Jahren im meist jährlichen Turnus die Preise für Fahrzeuginserate von Händlern auf der Plattform. Die Preiserhöhungen liegen in der Spitze zwischen 20 und 25 Prozent. Die Renditen des Unternehmens liegen früheren Mitteilungen von Adevinta zufolge oft im höheren zweistelligen Prozentbereich.

Als ein Vorbote des Börsengangs von Mobile war vor diesem Hintergrund wohl ein Manöver mit Händlerverträgen zu sehen, das die Plattform in den letzten Monaten des vergangenen Jahres umsetzte. Mobile ging auf größere Händlerkunden zu, um sie zum Umstieg in Laufzeitverträge von zwei Jahren Dauer zu bewegen. Sich nicht auf die Verträge einzulassen, hätte nach Darstellung von Händlern erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich gebracht. Viele Händler haben die Verträge wohl unterzeichnet.

Dass die Plattform dies durchsetzen wollte und teils offenbar auch konnte, dürfte als Signal in Richtung von Investoren zu verstehen sein: Mobile kann wichtige Kunden längerfristig binden, auch wenn die Inseratspreise stetig steigen und dies die Händler als Kunden verärgert. Gerade um die Beziehung zu größeren Händlern muss sich Mobile aber bemühen, denn diese werden künftig auf verschiedene Weise verstärkt in die Lage kommen, ihre Anzeigenbudgets auch anderweitig zu investieren. Ein Beispiel dafür sind die Fahrzeuganzeigen auf Google, die in Deutschland bisher nur einem Teil der Händlerschaft zur Verfügung stehen.

Immer wieder werfen Händler Mobile vor, dass die Plattform ihre dominante Marktstellung ausnutzt. Wohl über kaum eine andere Fahrzeugbörse erreichen Händler Kunden aktuell so breitflächig wie über Mobile. Allerdings muss auch Mobile seine Plattformtechnologie erneuern, um seine Marktstellung dauerhaft zu sichern.

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