Stern Profis Nein sagen als Geschäftsmodell

Von Jakob Schreiner 5 min Lesedauer

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Wer etwas anderes als einen Mercedes-Benz fährt, hat bei den Stern Profis aus Bickenbach schlechte Karten. Doch diese radikale Spezialisierung zahlt sich aus: Der Betrieb ist am Anschlag, die Nachfolge geregelt und die Ausstattung sucht ihresgleichen. Wie konsequente Fokussierung zum Erfolg und zum dritten Platz beim Deutschen Werkstattpreis 2025 führt.

Sauber, strukturiert, professionell: Der Blick in die Werkstatt zeigt sofort, warum die Stern Profis zu den bestausgerüsteten Betrieben dieser Tour zählen.(Bild:  Schreiner – VCG)
Sauber, strukturiert, professionell: Der Blick in die Werkstatt zeigt sofort, warum die Stern Profis zu den bestausgerüsteten Betrieben dieser Tour zählen.
(Bild: Schreiner – VCG)

Wer etwas anderes als einen Mercedes-Benz fährt, der vor dem Jahr 2003 gebaut wurde, hat bei den Stern Profis schlechte Karten. Den etwas anderes kommt bei der freien Werkstatt aus dem hessischen Bickenbach nicht auf die Bühne. Diese Linie wird konsequent gefahren. Selbst wenn ein Kunde des Hauses, der sein Zweitfahrzeug eines anderen Hersteller zum Ölwechsel bringen will, heißt es: Machen wir nicht. „Wenn wir alles machen, dann sind wir genauso wie jede andere Werkstatt", erklärt Geschäftsführer Salvatore Greco seinen doch recht radikalen Ansatz. „Aber wir sind speziell.“

Speziell Mercedes-Benz eben. Und wer so einen fährt (der auch nicht zu alt ist), bekommt mit den Stern Profis echte Markenexperten und ein Serviceniveau, dass sich vor keinem Vertragspartner verstecken muss. „Wir sind sogar besser – besser ausgestattet, kürzere Wege, schnellere und flexiblere Prozesse, und dann auch noch günstiger. Das zeichnet uns aus", erklärt Salvatore Greco selbstbewusst. Es gebe nur einen Unterschied zum Vertragspartner: „Reine Garantiearbeiten können wir nicht durchführen – ansonsten bekommt der Kunde bei uns alles.“, sagt er. Nur eben in einer freien Werkstatt.

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Und wer die betritt, könnte meinen, er stehe in einer Mercedes-Benz-Niederlassung im Miniformat. Das ist kein Zufall: Die Optik orientiert sich bewusst am Stuttgarter Vorbild, und sogar Teile der Innenausstattung und Büromöbel stammen tatsächlich aus einer Mercedes-Benz-Niederlassung, die schließen musste. „Mir war es wichtig, dass der Kunde reinkommt und sich direkt sagt: Boah, ich fühl mich wohl", erklärt Greco die durchdachte Gestaltung.

Vier Hebebühnen in Premiumqualität, hochwertige und topmoderne Werkstattausrüstung, schicke Werkstattmöbel, Fußbodenheizung in der kompletten Werkstatt, die sowohl heizt als auch kühlt, optimale Beleuchtung – hier wurde nichts dem Zufall überlassen. „Ich wollte auch nicht zu niedrig bauen", erklärt Greco die großzügige Raumhöhe. Sauberkeit und Organisation sind dabei absolut vorbildlich: Jeder Arbeitsplatz blitzt, jedes Werkzeug hat seinen Platz, die gesamte Werkstatt sieht aus wie geleckt. „Wenn ein Monteur einen Schraubendreher braucht und der ist kaputt, dann ist morgen der Neue da. Das ist ein No-Go, dass ein Monteur irgendwas braucht und es nicht schnell bekommt“, fasst Creco seine Philosophie zusammen. Die Jury des Deutschen Werkstattpreises war sich schon während ihres Besuchs sicher und urteilt: „Eine der bestausgerüsteten Werkstätten unserer Tour.“

Auch softwareseitig ist der Betrieb auf Augenhöhe: zwei Original-Mercedes-Benz-Diagnosesysteme und alle irgendwie verfügbaren Programme – wie zum Beispiel das System „Adana" für Nachrüstungen: Fahrgestellnummer eingeben, gewünschte Ausstattung auswählen – „und dann kriegst du komplett über unseren Stundenverrechnungssatz ein Angebot raus. Geht rucki-zucki", schwärmt Greco. Von Standheizungen über Anhängerkupplungen bis zu Einparkhilfen, von Telefon- und Audiosystemen bis zu Rückfahrkameras – die Nachrüstpalette ist komplett. „Wir sind einer der wenigen Werkstätten in Deutschland, die den vollen Zugriff auf dieses Programm haben", betont Greco stolz.

Auch die Digitalisierung kommt nicht zu kurz: Der Fahrzeugschein wird eingescannt, die Kunden können elektronisch unterschreiben. Parallel läuft die Kommunikation über WhatsApp-Gruppen: Der Monteur fotografiert defekte Teile, die Bilder landen sofort in der Gruppe und werden direkt dokumentiert. Seit einem Jahr sind die Stern Profis zudem Brabus-Kompetenzzentrum. Wenn Brabus-Kunden in der Region Probleme haben, landen sie hier. Die Spezialisierung öffnet Türen zu anspruchsvoller und betuchter Kundschaft.

Einkaufsvorteile durch Fokussierung

Die Spezialisierung bietet weitere Vorteile: „Man kann sich 100 Filter hinlegen, weil man weiß, die kommen weg", erklärt Salvatore Greco. Großeinkauf mit Mengenrabatt funktioniere nur so. Verbaut werden ausschließlich Mercedes-Benz-Originalteile, die der Betrieb zum Großteil von einem Hauptlieferanten bezieht, dort für ordentlich Umsatz sorgt und dann an den Jahresenden wieder von Jahresboni profitiert.

Wie eingangs erwähnt, lehnt das Team auch ältere Fahrzeuge konsequent ab. Die Grenze liegt bei Baujahr 2003/2004. „Ersatzteilbeschaffung wird zum Problem, Fahrzeuge stehen rum, der Kunde ist unzufrieden. Das macht keinen Sinn", erklärt Greco. Karosserie und Lack werden an Partner zwei Kilometer weiter vergeben, bei Windschutzscheiben kommt ein Spezialist. „Die sollen das machen, wir besorgen die Scheibe über Mercedes-Benz."

Das Netzwerk funktioniert in beiden Richtungen: Werkstätten aus der Region schicken ihre Mercedes-Benz-Problemfälle. Greco: „Bevor der Monteur zwei Tage mit zerlegtem Auto dasteht, bringen sie es zu uns." Das B2B-Geschäft läuft nebenbei, ist aber ein wichtiger Baustein.

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Digitale Reichweite als Kundenmagnet

Neben der radikalen Spezialisierung ist auch das Social-Media-Engagement des Betriebs außergewöhnlich. Dreimal wöchentlich entstehen gemeinsam mit eigenem Content Creator kurze Videos für die einschlägigen Social-Media-Plattformen. Die Clips zeigen Mercedes-Benz-Reparaturen kompakt und ohne langes Erklären – dank Untertiteln oftmals international verständlich. Es geht um defekte Motorlager beim GLS, undichte Stoßdämpfer beim C63 AMG, kaputte Zündspulen beim SL600. „Wenn ein Kunde oder eine Werkstatt ein entsprechendes Problem hat und sich an das Video erinnert, dann guckst du dir das kurz an und wirst auf die richtige Fährte für das Problem geführt", erklärt Greco das Konzept. Die Videos funktionieren doppelt: als Kundenansprache und als Fachkommunikation für andere Werkstätten, die ihre Mercedes-Benz-Problemfälle vorbeischicken.

Der Erfolg ist messbar: „Über die Homepage haben wir täglich etwa 20 Anfragen“, sagt er. Kunden aus der Schweiz, Luxemburg und ganz Deutschland melden sich. Und noch einen Effekt haben die Social-Media-Aktivitäten der Stern Profis: Sie bringen lukrative Kooperationen mit Werkstattausrüstern und Werkzeugherstellern.

Vom Elchtest zum Familienbetrieb

Die Geschichte der Stern Profis beginnt klassisch: Greco machte seine Ausbildung – wie könnte es anders sein – bei Mercedes-Benz, war zur Zeit des berüchtigten Elchtests der ersten A-Klasse als Servicetechniker für den Hersteller unterwegs. Nach über 80 Lehrgängen wagte er vor zwölf Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit – fast zehn Jahre in einer kleinen Halle auf dem heutigen Grundstück und im Prinzip als „One-Man-Show".

Der Wendepunkt kam 2022: „Ich habe mich mit meinen Söhnen zusammengesetzt und sie gefragt: Wollen wir das hier weiter machen?“, erinnert sie Greco. Beide Söhne zögerten keine Sekunde. Ein Jahr später war die GmbH gegründet, im Mai 2023 der Neubau fertig. 700.000 Euro Investition in zehn Monaten Bauzeit. „Ich komme nicht aus einer Millionärsfamilie", sagt Greco bescheiden, „aber ich wollte das Beste daraus machen – das ist mir ganz gut gelungen.“ Sohn Antonino führt bereits als Geschäftsführer das Unternehmen, der jüngere Sohn macht gerade noch seine Ausbildung. Die Nachfolge ist also geregelt. Und auch für weiteres Wachstum ist man gerüstet: Das nebenstehende Grundstück wurde bereits gekauft, theoretisch könnte eine zweite Halle entstehen. „Aber wir müssen nicht. Wir stehen gut da – das ist der Unterschied.“, sagt Greco.

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