In diesem Jahr soll es losgehen: Interessierte Meister und analog Qualifizierte können sich zum staatlich geprüften Restaurator ausbilden lassen. Wie es zu dem neuen Berufsbild kam, verrät Andrea Zeus, ZDK-Referentin in der Abteilung Berufsbildung und „Miss Oldtimer“ beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe.
Andrea Zeus vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hat sich maßgeblich für das neue Berufsbild „Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk“ eingesetzt.
(Bild: Word Skills Germany)
Redaktion: Wann entstand die Idee, die bekannte Qualifikation auch für das Kfz-Handwerk einzuführen?
Andrea Zeus: Wenn man sich mit Oldtimern beschäftigt, kommt irgendwann das Thema Denkmalschutz auf den Tisch. „Das hat mit uns doch nichts zu tun!“, sagen viele. Genau das habe ich auch gedacht, stimmt aber nicht. Das Automobil ist über 130 Jahre alt und zählt damit zum Kulturgut, zum immateriellen Kulturgut, um genau zu sein (siehe Kasten, Anm. d. Red.). Der ZDK hat es sich zur Aufgabe gemacht, Fachkräfte für Old- und Youngtimer zu sichern. Im Rahmen des Projekts „Zusatzqualifikation für Old- und Youngtimer“ für Auszubildende führten wir unter anderem Gespräche mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Dabei kam das Thema „Restaurator“ auf, den es bereits in 15 Handwerken gibt. Ich habe die Chance ergriffen und das Kfz-Gewerbe ins Spiel gebracht. Zu der Zeit stand eine Neuordnung des Restaurators an, und wir hatten die Möglichkeit, als weiteres Gewerk aufgenommen zu werden. Das war 2014.
Von Generation zu Generation
Immaterielles Kulturerbe
Als immaterielles Kulturerbe („IKE“; englisch: intangible cultural heritage, „ICH“) bzw. immaterielles kulturelles Erbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitergegeben werden. Als Denkmalpflege bezeichnet man die geistigen, technischen, handwerklichen und künstlerischen Maßnahmen, die zur Bewahrung und Unterhaltung von Kulturdenkmalen erforderlich sind, vermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden. Denkmalschutz dagegen umfasst die rechtlichen Anordnungen, Verfügungen, Genehmigungen, Auflagen oder Untersagungen, die Denkmalpflege sicherstellen.
Was war überhaupt der Auslöser, die bekannte Qualifikation auch im Kfz-Handwerk einzuführen?
Da wir dem Fachkräftemangel entgegenwirken wollen, sind wir 2009 mit besagter Zusatzqualifikation für Auszubildende gestartet. Um einen neuen Beruf etablieren zu können, muss der Bedarf von mehr als 200 Auszubildenden pro Ausbildungsjahr nachgewiesen werden. Das ist uns im Lauf von sechs Jahren nicht gelungen. Gründe dafür gibt es mehrere. Ich habe kurz vor Beendigung des Pilotprojekts mit der TAK ein Seminar ausgearbeitet. Das Angebot richtet sich an ausgebildete Gesellen/innen. Dabei sind vor allem Fähigkeiten gefragt, die bei jungen Mechatronikern in der Ausbildung nicht mehr vermittelt werden. Das Seminar besteht aus sechs Modulen und endet mit einer Abschlussprüfung. Die Teilnehmer erhalten dann ein Zertifikat, das sie als „Servicespezialist für Old- und Youngtimer“ ausweist. Darüber hinaus lag die Möglichkeit, dem Kfz-Meister mit dem „Restaurator“ eine Fortbildung anzubieten, auf der Hand. Denn der Abschluss als Restaurator als höhere Berufsbildung im Handwerk erkennt das hohe Leistungsniveau dieses Berufs an und macht ihn damit zugleich attraktiver. Durch den Kontakt zum ZDH bin ich dann zur Arbeitsgruppe „Denkmalschutz“ eingeladen worden. Da habe ich sehr viel über Kulturgut gelernt. Letztlich hat das dazu geführt, dass das Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk und auch der ZKF mit dem Karosserie-und Fahrzeugbauerhandwerk in die Neuordnung eingebunden wurden.
Welche Hürden mussten Sie auf dem Weg dazu nehmen?
Es gab eigentlich keine echte Hürde. Nur ganz viel „Neuland“. Nicht jeder im ZDK verstand, dass es sich hierbei um ein sehr komplexes Thema handelt, das für uns durchaus interessant ist. Selbst wenn wir nicht übermäßig viele Restauratoren ausbilden, ist es doch in der Karriereleiter eine Möglichkeit, mit der akademischen Ebene auf Augenhöhe zu sein. Das könnte den ein oder anderen dazu bewegen, eine Ausbildung zu machen und diesen Karriereweg zu nehmen. Ich bin davon überzeugt gewesen, dass diese Fortbildung ein Angebot ist, um die Ausbildung im Kfz-Gewerbe noch mal attraktiver zu machen. Sehr komplex war der Umstand, dass hier 18 Handwerke an einer Fortbildungsverordnung gearbeitet haben. Man kann sich vorstellen, dass beispielsweise der Buchbinder nicht viel gemeinsam hat mit dem Kfzler. Es musste eine übergreifende Qualifikation erarbeitet werden, die für alle Handwerke gleichermaßen gilt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es eine ganz tolle, konstruktive Zusammenarbeit der 18 Handwerke war. Anschließend haben wir die spezifischen Qualifikationen inhaltlich in den einzelnen Handwerken separat erarbeitet. Insgesamt hat das circa zwei Jahre gedauert.
Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen, um sich als „Geprüfte/r Restaurator/in“ zu qualifizieren?
Die Fortbildung richtet sich in erster Linie an den Kfz-Meister. Mit der Qualifikation zum „Restaurator Master Professional“ erreichen Sie eine Stufe über dem Meister. Wer nicht Meister ist – aber im Bereich der Restaurierung durchaus Fertigkeiten und Kenntnisse hat –, kann ebenso zugelassen zu werden. Nämlich dann, wenn er durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft machen kann, dass er/sie die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.
Stand: 08.12.2025
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Was kann ein „Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk“ und was vielleicht nicht?
Er kann dann die Methoden zum Erhalt, zur Restaurierung und Konservierung von Kulturerbe anwenden. Das hat in dieser Form bisher noch niemand vermittelt. Weiterhin kann er die unternehmerischen Prozesse im Rahmen des Kulturerbe-Erhalts gestalten und steuern. Intensiviert werden Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten bei den Erhaltungs-, Restaurierungs- und Konservierungskonzepten. Wichtig ist immer der Aspekt des Kuturerbe-Erhalts. Worauf es ganz besonders ankommt, ist der Wissenstransfer, also alte Techniken und handwerkliche Fähigkeiten zu erhalten, zu pflegen und weiterzutragen. Nur so gelingt der Erhalt des Kulturerbes. Die Praxis sieht sicher manchmal anders aus. Kundenwünsche haben Priorität. Kunden wegschicken, weil ihre Wünsche nicht dem Kulturerbe-Erhalt entsprechen, das kann der Restaurator wahrscheinlich nicht. Am Ende des Tages muss auch er wirtschaftlich arbeiten.
Wann können sich die Ersten als „Geprüfte/r Restaurator/in“ qualifizieren lassen und wo?
Geplant ist, dass wir im kommenden Wintersemester mit der Fortbildung beginnen. Die Bildungsstätten, die diese Fortbildung anbieten, müssen entsprechend ausgerüstet sein und auch die Kapazitäten für die praktischen Seminarteile haben. Interesse haben bereits die Bildungszentren in Aurich, Hamburg und Stuttgart angemeldet. Die Fortbildung wird mindestens drei Jahre beanspruchen. Der Lernumfang beträgt mindestens 1.600 Stunden. Davon sind 800 Stunden Präsenz und 800 Stunden Selbstlernen. Also schon ganz schön umfangreich. Ich gehe davon aus, dass wir 2024/25 die ersten fertigen Restauratoren Master Professional im kraftfahrzeugtechnischen Handwerk haben werden.
Was kostet die Ausbildung zum/r „Geprüfte/r Restaurator/in“ im Kfz-Handwerk?
Diese Frage kann ich noch nicht beantworten. Die Bildungszentren, die die Fortbildung zum Restaurator anbieten werden, müssen eine entsprechende Kalkulation machen. Es gibt ein Stipendium für Restauratoren. Möglicherweise gelingt es, den Restaurator im kraftfahrzeugtechnischen Handwerk mit aufnehmen zu lassen. Das wird im Lauf des Jahres entschieden.
Mit wie vielen geprüften Restauratoren/innen rechnen Sie künftig pro Jahr?
Dazu müsste ich mal die Glaskugel bemühen. Im ersten Durchgang vielleicht zehn bis zwölf Restauratoren/innen pro Jahr. Das ist aber wirklich nur eine Einschätzung und auch ein bisschen ein Wunsch. Möglicherweise werden sich mehr dafür interessieren, vielleicht auch weniger. Die Fortbildung erfordert schließlich einen hohen Aufwand. Bei mir sind schon einige Anfragen dafür eingegangen. Interesse dafür besteht also.
Sind mit dem Konzept des/r geprüften Restaurator/in dann künftig sämtliche Nachwuchssorgen im gewerblichen Oldtimerbusiness vom Tisch? Wie sieht es mit einer oldtimertechnischen Aus-/Weiterbildung am anderen, unteren Ende des Handwerks aus?
Die Nachwuchssorgen sind damit natürlich nicht vom Tisch. Aber es ist ein Baustein. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Betrieb, dessen Inhaber selbst Restaurator ist, seine Mitarbeiter ganz gezielt schulen wird. Am unteren Ende werden wir weiterhin den „Servicespezialisten für Oldtimer und Youngtimer“ durch die TAK anbieten. Geplant sind auch Workshops, die wir aus den Ergebnissen der Oldtimerstudie herleiten. Das wird in Zusammenarbeit mit dem VDA, der Beratungsgesellschaft BBE und dem Lackhersteller Glasurit entstehen.