Neues Getriebe: Kugeln statt Zahnräder

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

ZF: Die Automatik erobert den Rennsport

Einen ganz anderen Markt spricht Getriebespezialist ZF mit der neuesten Version seines Automatikgetriebes 8 HP an: den Rennsport. Das mag überraschen, galten doch Wandlerautomaten bislang als wenig sportlich, sodass sie für die Rundstrecke früher durch Handschalter und später durch sequenziell schaltende automatisierte Boxen ersetzt wurden.

Doch seit der Saison 2014 hat das 8 HP im BMW-M235i-Racing-Cup seine Eignung bewiesen. Nun präsentiert ZF die nächste Baustufe – das Rennsportgetriebe 8 P 45 R. Es ist dynamischer und leichter und damit besser für Motorsporteinsätze geeignet. Das 8 P 45 R feierte Ende Oktober im Rahmen des 10. Laufs zur Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring (VLN) ein Debüt.

Basierte das bisherige Automatgetriebe auf einer Konstruktion aus der Großserie, so sieht ZF nun gute Chancen für ein reinrassiges Rennsport-Planetengetriebe. Die Zielsetzung der Neukonstruktion – Übersetzungen, Schaltpunkte und Schaltgeschwindigkeiten – sollen die Anforderungen im Rennsport erfüllen; ebenso legte ZF Wert auf ein geringeres Gewicht. Durch den Verzicht auf den Wandler sowie weitere Maßnahmen sparten die Konstrukteure etwa 15 Prozent ein. Auch die interne Verlustleistung wurde reduziert.

Neue Übersetzungsstufung und kein Wandler mehr

Die Konstrukteure haben das grundsätzliche Aufbau- sowie Montageschema – bestehend aus vier Planetenradsätzen und fünf Schaltelementen – des 8 HP beibehalten. Neu ist unter anderem, dass das Getriebe keinen Wandler mehr besitzt. Der Anfahrvorgang wird über interne Schaltkupplungen realisiert. Ein Schwingungstilger am Getriebeeingang verhindert Schädigungen durch die Motordrehunförmigkeiten.

Die Gangabstufungen hat ZF feiner ausgelegt und die Drehzahlsprünge damit verringert. Das bisherige, lang übersetzte 8 HP ist im Rennbetrieb meist nur bis zum sechsten Gang genutzt worden. In der neuen Kraftübertragung sind alle acht Schaltstufen sinnvoll auf den Einsatzbereich verteilt.

Dirk Adorf, Chefinstruktor des BMW-Motorsport-Juniorprogramms, ist von der Weiterentwicklung überzeugt: „Ich bin selbst Kfz-Techniker und hätte es niemals für möglich gehalten, dass man ein Automatikgetriebe ohne Drehmomentwandler bauen kann, das dermaßen schnelle Schaltvorgänge ermöglicht und mit dem man gleichzeitig noch so problemlos anfahren kann. Die Kupplungen sind unglaublich fein abgestimmt. Ich bin mir sicher, dass dieses System ein Vorbild für andere Getriebe im Rennsport und sogar für die Serienentwicklung sein wird.“

ZF plant, die Kraftübertragung ab dem zweiten Quartal 2016 im Markt anzubieten. Zunächst wird das Getriebe 8 P 45 R exklusiv für den BMW M235i Racing verfügbar sein. Für die Zukunft ist aber auch ein Einsatz in den Sportwagen anderer Hersteller angedacht.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:43759723)