Neuzulassungen im Juli: 15 Marken erzielen Zuwächse

Autor: Christoph Seyerlein

Nach den heftigen Einbußen vor allem im April und Mai präsentierte der deutsche Pkw-Markt im Juli deutliche Erholungsanzeichen. Allerdings konnte längst nicht jedes Fabrikat davon profitieren.

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Im Gesamtjahr liegt der deutsche Automarkt nun gut 30 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurück.
Im Gesamtjahr liegt der deutsche Automarkt nun gut 30 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurück.
(Bild: BMW)

Nach den teils heftigen Corona-Einbrüchen in den vergangenen Monaten zeigte der deutsche Automarkt im Juli deutliche Anzeichen der Erholung. Zwar schrumpften die Pkw-Neuzulassungen erneut, im Vergleich zu den erdrutschartigen Verlusten vor allem im April und Mai fiel das Minus aber spürbar geringer aus. 314.938 Pkw-Zulassungen bedeuteten laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Rückgang um 5,4 Prozent im Vergleich zum Juli 2019. Im Gesamtjahr liegt der deutsche Automarkt damit nun 30,1 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Merklich angezogen hat im zurückliegenden Monat das Privatkundengeschäft. Dessen Anteil an allen Neuzulassungen lag bei 41 Prozent (+7,1 %), während das Gewerbekunden-Segment im Vergleich zum Vorjahresmonat an Boden verlor (knapp 59 % Marktanteil, -12,5 %).

Insgesamt gelang es 15 Fabrikaten, ihr Ergebnis aus dem Juli 2019 zu übertreffen. Die größten Sprünge legten Subaru (+63,9 %), Jeep (+42,2 %) und Mini (+35,7 %) hin. Ebenfalls im Plus lagen Mitsubishi (+33,4 %), Renault (+29,9 %), Fiat (+27,1 %) Ssangyong (+26,4 %), Kia (+23 %), Nissan (+21 %), BMW (+17,4 %), Mercedes (+10,7 %), Skoda (+8,3 %), Lexus (+7,2 %), Porsche (+2,4 %) und Toyota (+1,3 %).

Die deutlichsten Einbußen mussten dagegen Tesla (-66,6 %), Smart (-51,6 %) und Opel (-45,2 %) hinnehmen. Beim Marktanteil landeten im Juli VW (19 %), Mercedes (10,9 %) und BMW (9 %) auf dem Treppchen.

Elektro-Modelle legen weiter kräftig zu

49 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge im Juli waren Benziner. Dennoch ging ihr Volumen im Vergleich zum Vorjahr um 20,3 Prozent zurück. Auch bei Diesel-Modellen gab es deutliche Einbußen (-18,6 %), ihr Marktanteil betrug 28,4 Prozent.

Dagegen legten elektrifizierte Fahrzeuge erneut stark zu. Für reine Elektroautos zählte das KBA 16.798 Neuzulassungen, ein Plus von 181,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ihr Marktanteil lag damit bei 5,3 Prozent. Mit 52.488 Hybriden kamen 143,5 Prozent mehr teilelektrische Fahrzeuge auf die Straße, darunter 19.119 Plug-in-Hybride (+484,7 %). Gemeinsam erzielten sie einen Marktanteil von 16,7 Prozent. Zudem gab es 933 Neuzulassungen von Erdgasfahrzeugen (+13,8 %) und 784 von flüssiggasbetriebenen Modellen (-0,3 %). Der durchschnittliche CO2-Ausstoß sank im Jahresvergleich laut KBA um 8,7 Prozent auf 144,5 Gramm pro Kilometer.

Stark gefragt waren den Zahlen zufolge im Juli Wohnmobile. Die Zulassungen in jenem Segment schnellten im Vergleich zum Vorjahr um 94,7 Prozent in die Höhe. Auch bei Kleinwagen (+9,5 %), SUVs (+3,1 %) und Oberklasse-Fahrzeugen (+2,7 %) gab es Zuwächse. Starke Rückgänge setzte es dagegen bei Mini-Vans (-49,5 %), Großraum-Vans (-39,8 %) und den Minis (-30,1 %).

Zu früh für Entwarnung

Das Geschäft mit Gebrauchtwagen entwickelte sich mit einem Zuwachs von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat weiter positiv. Jürgen Karpinski, Präsident des Verband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), erklärte in einer ersten Reaktion: „Diese Zahlen könnten noch höher liegen, wenn nicht einige Kfz-Zulassungsstellen immer noch im Krisenmodus arbeiten würden.“ Zuvor hatte sich der Autohandel zum wiederholten Male frustriert über die Situation bei vielen Zulassungsstellen gezeigt.

Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung EY, rechnet damit, dass sich die Situation in Deutschland in den kommenden Monaten weiter entspannen wird – zum einen, weil weiterhin solche Käufe getätigt würden, die aufgrund der Mehrwertsteuersenkung zunächst aufgeschoben worden waren, zum anderen aber auch aufgrund hoher Rabatte, die einige Hersteller nun werbewirksam angekündigt haben – und weil der Elektroboom anhalten wird.

Zudem habe sich die konjunkturelle Situation zuletzt zumindest auf den ersten Blick etwas entspannt, meint Fuß: „Der ganz große Einbruch auf dem Arbeitsmarkt ist dank Kurzarbeit bislang ausgeblieben. Die Kauflaune kehrt zurück, es ist in vielen Bereichen ein deutlicher Trend in Richtung Normalisierung zu sehen.“

Es sei aber zu früh für eine Entwarnung, mahnt Fuß: „Der aktuelle Anstieg der Infektionszahlen zeigt, dass die Pandemie längst nicht vorüber ist. Und niemand weiß, wie die Situation im Herbst und Winter sein wird. Auch die tatsächliche konjunkturelle Situation ist unklar: Die Gefahr zahlreicher Insolvenzen und entsprechend steigender Arbeitslosenzahlen ist nicht gebannt.“ Unter dem Strich rechnet Fuß im Gesamtjahr bestenfalls mit einem Rückgang der Neuzulassungen um 20 Prozent.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«