Neuzulassungen: Schwere Einschläge im Februar

Fast alle deutschen Marken im Minus

| Autor: Christoph Seyerlein

Der deutsche Automarkt lag im Februar zweistellig im Minus.
Der deutsche Automarkt lag im Februar zweistellig im Minus. (Bild: Seyerlein / »kfz-betrieb«)

Der deutsche Automarkt ist im Februar spürbar geschrumpft. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch mitteilte, wurden im vergangenen Monat 239.943 Pkw neu zugelassen – und damit 10,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem der Privatkundenmarkt war rückläufig (-16,1 %), aber auch im Flottengeschäft lief es schlecht (-7,8 %). Nach einem sehr starken Vorjahresmonat kam der Rückgang aber zumindest nicht komplett unerwartet. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) etwa spricht von einer „fortgesetzten Marktnormalisierung“ in den ersten Monaten des Jahres.

Die deutschen Fabrikate zählten im Februar fast ausnahmslos zu den Verlierern. Lediglich Porsche (+19,1 %) konnte im Vergleich zum Vorjahresmonat ein positives Ergebnis vermelden. Besonders heftig fielen die Rückgänge aus deutscher Sicht bei Smart (-81,2 %), Opel (-20,6 %) und Audi (-20,3 %) aus. Bei den Importeuren war die Bilanz dagegen gemischter: Starken Zugewinnen wie bei Volvo (+25,4 %) oder Seat (+23,4 %) standen teils heftige Einbußen wie bei Dacia (-36,3 %), Mazda (-34,9 %) oder Suzuki (-34,7 %) gegenüber. Den größten Marktanteil hatte im Februar VW mit 18,5 Prozent aller Neuzulassungen. Im Vergleich zum Vorjahr mussten aber auch die Wolfsburger einen spürbaren Absatzrückgang einstecken (-11,1 %).

Der schwachen Bilanz im Februar konnten auch die zuletzt boomenden SUVs nicht entfliehen: Sie verloren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,4 Prozent und fielen beim Marktanteil mit 20,6 Prozent hinter die Kompaktklasse (20,8 Prozent Marktanteil) zurück. Stärker gefragt als im Februar 2019 waren Wohnmobile (+50,2 %), Autos aus der Mittelklasse (+12,4 %) und Utilities (+2,7 %).

Mehr als die Hälfte der neu zugelassenen Pkw im Februar waren Benziner (52,1 %), ihr Marktanteil sank damit im Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings um 7,6 Prozentpunkte. Auch beim Diesel waren Rückgänge zu verzeichnen: Mit 31,6 Prozent fiel der Marktanteil verglichen mit dem Februar 2019 um einen Prozentpunkt.

Elektrifizierte Modelle gewinnen weiter an Bedeutung

Anders sah es bei elektrifizierten Autos aus: Mit 8.154 batteriebetriebenen Fahrzeugen kamen 75,8 Prozent mehr jener Modelle neu auf die Straße als vor Jahresfrist. Noch stärker legten die Hybride zu: 30.000 Neuzulassungen bedeuteten ein Plus von 98,1 Prozent. Besonders Plug-in-Hybride (8.354 Neuzulassungen) legten ein enormes Wachstum von 279,4 Prozent hin. Insgesamt erreichten Hybride im Februar damit einen Marktanteil von 12,5 Prozent. Ebenfalls stärker nachgefragt als vor einem Jahr waren Erdgasfahrzeuge (+183,3 %). Ihr Marktanteil betrug 0,3 Prozent.

Rückläufig war durch die Zuwächse bei den alternativen Antrieben im Februar der durchschnittliche CO2-Ausstoß neu zugelassener Autos: Er lag bei 149,6 Gramm pro Kilometer (-4,8 % im Vergleich zum Februar 2018).

Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young, weist in einer Analyse allerdings daraufhin, dass die positive Bilanz bei den elektrifizierten Fahrzeugen differenziert betrachtet werden sollte. „Die Hersteller drücken mit aller Macht Elektroautos und Plug-in-Hybride in den Markt – denn es drohen Strafzahlungen und Imageverluste, wenn die CO2-Emissionen nicht stark gesenkt werden. Wir werden daher auch in den kommenden Monaten hohe Wachstumsraten sehen“, erklärt Fuß. Für das zweite Halbjahr erwartet er sogar noch größere Sprünge bei den E-Modellen. Dann sollten weitere neue Fahrzeuge wie etwa der VW ID 3 erhältlich sein und für weitere Schübe sorgen.

Für die insgesamt schwache Bilanz des deutschen Automarktes im Februar sieht Fuß verschiedene Gründe. Beispielsweise hatten Sondereffekte im Vorjahresmonat für vergleichsweise hohe Neuzulassungszahlen gesorgt. Die Auswirkungen durch das Coronavirus sind derzeit noch schwer abzuschätzen, positiv ist die Entwicklung für die Autobranche aber in keinem Fall. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in den kommenden Monaten auch zweistellige Rückgänge bei den Neuzulassungen sehen werden. Die Lage könnte sich bei einem raschen Abflauen der Epidemie in der zweiten Jahreshälfte allerdings rasch wieder normalisieren. Vorläufig wird sich die Autoindustrie aber auf kräftigen Gegenwind einstellen müssen“, so Fuß.

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