Nicht im Nebel herumstochern
Immer kürzere Modellwechsel und eine immer größere Typenvielfalt erschweren bei modernen Fahrzeugen eine Zuordnung im Reparaturfall. Die Aussteller des „Expertenmeeting Karosserie und Lack“ zeigten, wie sie die Werkstätten mit ihren Softwareprodukten dabei unterstützen.
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„Ich brauche Fakten, Fakten, Fakten“. Fast jeder kennt den markanten Satz von Helmut Markwort aus dem TV-Werbespot des Nachrichtenmagazins Fokus. An der Aussage des Mannes ist was dran – Werbung hin oder her. Denn was für Nachrichtenleute gilt, trifft auch auf Karosseriewerkstätten zu. Sie benötigen Fakten, sprich Detailinformationen.
Die Zeiten, in denen die Werkstatt lediglich wissen musste, ob es sich bei dem Golf um ein C-Modell mit schwarzer Stoßstange, oder um ein GL-Modell mit einer zusätzlichen Chromleiste handelt, sind vorbei. Bereits seit Längerem ist auch im Automobilbau Individualität Trumpf.
Der Neuwagenkäufer hat heute die Möglichkeit, sich sein ganz persönliches Auto mit zahlreichen Änderungen gegenüber der Basisausführung bauen zu lassen. Das heißt, nahezu kein Fahrzeug einer Modellreihe gleicht heute dem anderen. Manchmal seitenlange Ausstattungscode-Listen aktueller Fahrzeuge verdeutlichen dies.
Das bringt für die Betriebe zahlreiche Schwierigkeiten mit sich. Denn wie soll die Werkstatt das passende Ersatzteil beschaffen oder eine genaue Schadenkalkulation erstellen, wenn sie nicht weiß, welches Modell sie vor sich hat oder über welche Ausstattung das Fahrzeug verfügt? Einige der bekannten Softwareanbieter hatten im Rahmen des Expertenmeetings Karosserie die passenden Antworten dabei.
Probleme in der Praxis
Audatex bietet Karosserie-Instandsetzern ihre VIN-Abfrage-Software an. Mithilfe des Programms und der VIN (Vehicle Indentification Number) – zu Deutsch: Fahrgestellnummer – kann der Betrieb schnell und einfach in Erfahrung bringen, welche Ausstattungsmerkmale der Wagen besitzt. Das heißt, er kann erkennen, um welche Grundausführung (Motor, Getriebe, Bremsanlage usw.) es sich handelt und vor allem welche Extras verbaut sind. Nur so kann laut Audatex eine exakte Unfallschadenkalkulation durchgeführt werden. Rund 70 Prozent aller Pkw lassen sich auf diese Weise bereits „entschlüsseln“.
Das System Audata von Audatex erleichtert Karosseriewerkstätten gleichfalls die Kalkulation von Kostenvoranschlägen. Das Programm enthält eine umfangreiche Sammlung von Ersatzteilpreisen und AW der meisten Automobile. Ebenso sind darin zahlreiche Reparaturtipps enthalten, die bei den immer komplexeren Fahrzeugen eine echte Hilfe sein können.
Das Audanet dient als Schnittstelle zwischen Werkstätten, Versicherungen und Gutachtern. Es vereinfacht den oft langwierigen Datenaustausch zwischen den Beteiligten eines Unfallschadens. Das sorgt für eine rasche Abwicklung und hilft den Karosseriebetrieben Zeit zu sparen, denn das Versenden zahlreicher Faxe und vielfaches „Hinterhertelefonieren“ entfallen.
Eine kleine aber feine Erfindung ist die „Glaserstory“. Das ist eine Internetplattform, auf der Betriebe einen Fahrzeug-Glasschaden mit der Versicherung rasch und unkompliziert online abwickeln können.
Praktische Ideen
Telefonieren und faxen beziehungsweise langes Warten auf eine Freigabe gehören damit der Vergangenheit an. Das System funktioniert bereits mit vielen der großen Versicherer wie Allianz, Gerling, Huk und Victoria.
Das Ingenieurbüro KSR bietet gerade für Firmen im Karosseriebereich unterschiedlichste Softwareprogramme an. Mit dem APS (Auto Planing System) bietet KSR ein Auftragsplanungsinstrument, mit dem Werkstätten nicht nur einen elektronischen Terminplaner erhalten, sondern darüber hinaus ihre Leihwagen einplanen und entsprechende Leihverträge ausstellen können. Besonderes Merkmal des Programms ist ein einfacher Aufbau und eine leichte Bedienung.
Das macht es gerade für kleinere Werkstätten interessant. Auf zahlreiche, manchmal verwirrende Extrafunktionen, die nur selten gebraucht werden oder nur für größere Autohäuser von Bedeutung sind, hat das Unternehmen bewusst verzichtet.
Ein interessantes Werkzeug für Karosseriebetriebe ist die VCS-Software (Vehicle Calculation System). Diese bietet vielfache Funktionen für die Auftragsverwaltung wie Rechnungslegung, Kostenvoranschlagsübermittlung an den Kunden zum Beispiel via E-Mail oder eine Bilddatenbank zur Verwaltung von Schadenfotos. Außerdem wichtig: Mithilfe des VCS kann der Betrieb eine Kosten-Nachkalkulation durchführen. Denn mit dem Programm kann er im Nachhinein überprüfen, wie hoch der tatsächliche Ertrag war.
Im Detail
Versteckte Kosten wie Fahrzeugreinigung oder Leihwagen, die bei einem Gutachten meist mit hineingerechnet werden, macht das Programm sichtbar. Zudem lässt sich zum Beispiel auch die Postion „Lackierung“ exakt berechnen, da die Zeiten für einzelne Stationen wie „vor, in und nach der Kabine“ angezeigt werden können. So lassen sich Fehler in der Arbeitszeitkalkulation aufdecken und korrigieren.
Und da auch die Zeit an einem PC Arbeitszeit ist, bietet KSR eine ASA-Netzwerkanbindung für ihre Softwareprogramme an. Damit können elektronische Daten wie Vermessungsprotokolle einfach überspielt und einem Auftrag zugeordnet werden. Das spart zusätzlich Zeit und Geld.
Das Unternehmen DAT offeriert Karosseriebetrieben ebenfalls ein VIN-Abfrage-System. Es liefert die Ausrüstungs- und Ausstattunsdaten für VW-, Audi-, Mercedes- und Smart-Fahrzeuge – weitere Marken wie Seat, Ford und Opel folgen. Die Datanet genannte Plattform ermöglicht dem Betrieb, Reparaturkostenkalkulationen und Schadenbilder direkt an die zuständige Kfz-Versicherung elektronisch zu versenden und so Zeit und Kosten für konventionelle Methoden wie Telefon und Fax zu sparen.
Auch Karosseriewerkstätten dürften sich für die Möglichkeit interessieren, eine DAT-Schnittstellenfunktion in ihrem Betrieb einzurichten. Damit können sie die bekannten Datensammlungen wie zum Beispiel aus Silver-DAT-II problemlos in bestehende DMS-Programme (Dealer-Management-System) einspielen und integrieren. Der umgekehrte Weg ist ebenso möglich. Das spart das wiederholte Eingeben von Daten und erleichtert den Zugriff auf relevante Daten.
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