Diesel-Affäre bei Volkswagen Noch mehr Abgas-Rückrufe von Audi, Porsche, Seat, Skoda

Von Niko Ganzer 3 min Lesedauer

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Im September hat das Kraftfahrt-Bundesamt diverse VW-Rückrufe bekanntgegeben, die Folge eines EuGH-Urteils von 2022 sind. Seitdem sind zahlreiche weitere Ankündigungen zu anderen Konzernmarken erfolgt – ein Überblick.

Auch der A4 ist von der jüngsten Erweiterung von Abgas-Rückrufen bei Volkswagen betroffen. (Foto:  Audi)
Auch der A4 ist von der jüngsten Erweiterung von Abgas-Rückrufen bei Volkswagen betroffen.
(Foto: Audi)

Seit das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im vergangenen September eine weitere durch die Diesel-Abgasaffäre verursachte Rückruf-Runde bei VW angekündigt hat, sind von der Behörde weitere Aktionen für die anderen Konzernmarken veröffentlicht worden. „Die AGR-Reduktion über Umgebungstemperatur entspricht nicht der VO (EG) Nr. 715/2007 und den EuGH-Urteilen von Juli 2022 (so genanntes Thermofenster zwischen 15°C und 33°C)“, liest sich die immer gleich lautende Beanstandung aus Flensburg. Sie liegt inzwischen auch für folgende Marken und Baureihen vor:

  • Audi-Rückruf „23LZ“ für über 700.000 A4, A5, A6 und Q5 der Baujahre 2009 bis 2017, davon rund 110.000 in Deutschland
  • Audi-Rückruf „23DW“ für über 260.000 A4, A5, A6, A7, A8, Q5 und Q7 der Baujahre 2010 bis 2017, davon rund 51.000 in Deutschland
  • Seat-Rückruf „23X0“ (ehemals „23CP“) für 5.280 Ibiza (6J) mit EU5 Dieselmotorisierung der Modelljahre 2011 bis 2015 in Deutschland
  • Seat-Rückruf „23Y0“ für 10.285 Exeo (3R) mit EU5 Dieselmotorisierung der Modelljahre 2009 bis 2012 in Deutschland

„Die aktuelle Rechtsprechung verschärft die ursprünglich genehmigten Temperaturgrenzen, so dass die Fahrzeuge auf einen diesen neuen Anforderungen entsprechenden Stand gebracht werden müssen. Aufgrund technischen Fortschritts ist es heute möglich, diese neuen Anforderungen zu erfüllen“, erklärte hierzu ein Sprecher der Seat Deutschland GmbH und kündigte ein etwa halbstündiges Update der Motorsteuerungssoftware an.

Audi-Rückruf für Bald-Youngtimer

Neben diesen Rückrufen gab es vom KBA aber seit September noch zahlreiche weitere Bekanntmachungen wegen zu hoher Schadstoffemissionen von Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern, für den Audi-Aktionscode „23BK“ sogar zwei Mal. Für weltweit über 475.000 Exemplare des A4, A6, A8 und Q7 wird ein Software-Update am Motorsteuergerät angekündigt, zur „Entfernung unzulässiger Abschalteinrichtungen und der unzulässigen Reduzierung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems“.

In Deutschland gilt dies für fast 200.000 Einheiten. Bei etwa zwei Dritteln davon kann es bei Bedarf auch noch einen nicht näher beschriebenen mechanischen Eingriff geben (in Online-Foren ist von Saugrohrkontrolle und -tausch die Rede). Bemerkenswert an dem Rückruf ist die Tatsache, dass er Fahrzeuge der Baujahre 2005 bis 2010 einschließt, also nicht (nur) Modelle mit dem Skandalmotor EA189. Ob damit nun jene Selbstzünder abgearbeitet werden, in denen laut einem Gutachten über die „Audi-Akustikfunktion“ ebenfalls eine unzulässige Abschalteinrichtung arbeitet, ist der KBA-Publikation nicht zu entnehmen. Audi selbst erteilt keine über die Behördeninformationen hinausgehenden Informationen.

Weitere Rückrufe auch bei Skoda und Porsche

Auch zu den Konzernmarken Skoda und Porsche gibt es neue Ankündigungen von Abgas-Rückrufen. Der Aktionscode „23FG“ gilt hierzulande für 3.583 Skoda Fabia und Roomster 1.2 TDI der Baujahre 2008 bis 2015. „Fahrzeuge enthalten unzulässige Abschalteinrichtung im Emissionskontrollsystem“, heißt es hierzu kurz und knapp in der Behördendatenbank.

Die Rückrufnummern, betroffene Baureihen und Fehlermeldungen bei Porsche lauten wie folgt:

  • „ARC0“ für weltweit 244 Panamera der Baujahre 2016 und 2017: „Konformitätsabweichung bezüglich AES/BES-Dokumentation, nicht hinreichende Langzeitemissionsstabilität, Nachprüfaktion“
  • „ARC1“ für 726 Cayenne der Baujahre 2014 bis 2017: „Entfernung der unzulässigen Abschalteinrichtung 3,0L V6 TDI Euro 6, Nachprüfaktion“
  • „ARC2“ für 135 Cayenne der Baujahre 2016 und 2017: „Entfernung der unzulässigen Abschalteinrichtung, Nachprüfaktion“
  • „ARC3" für 642 Macan: „Konformitätsabweichung CO2-Emissionswerte, Nachprüfaktion“
  • „ARB9“ für 521 Cayenne der Baujahre 2012 bis 2017: „Entfernung unzulässiger Abschalteinrichtungen und der unzulässigen Reduzierung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems, Nachprüfaktion“

Die Abhilfemaßnahme ist immer wie folgt angegeben: „Der Softwarestand des Motorsteuergeräts wird überprüft und – sofern erforderlich – auf den korrekten Softwarestand aktualisiert“. In Deutschland steht dies in Summe für 552 Sportwagen an.

Alle hier genannten Rückrufe werden ausnahmslos behördlich überwacht – dies gilt übrigens auch für die VW-Rückrufe, was im September noch offen war. Eine Teilnahme ist für die Fahrzeughalter somit Pflicht. Zu allen Fabrikaten nennt das KBA Rufnummern, an die sich Kunden mit Fragen zu den Maßnahmen wenden können. Sie lauten 0800 – 2834 737 8423 (Audi), 0800 – 3560 911 (Porsche), 06150 – 1818 999 (Seat), 0800 – 44 24 244 (Skoda) und 0800 – 8655 792 436 (VW).

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