Automobilindustrie „Nur VW und Volvo stehen wirklich zum Elektroantrieb“

Redakteur: Peter Königsreuther

Transport & Environment wollte es wissen: Wie ambitioniert sind die Automobilhersteller in Sachen Umstieg auf Elektromotor? Die Ergebnisse fallen teils ernüchternd aus.

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A6-E-Tron-Studie von Audi.
A6-E-Tron-Studie von Audi.
(Bild: Audi)

Nur Volkswagen und Volvo sind nach den Erkenntnissen von Transport & Environment (T&E) dazu bereit, auf Elektroantrieb umzustellen, um in Übereinstimmung mit dem europäischen Ziel der Klimaneutralität zu agieren. BMW, Daimler, Stellantis oder Ford hätten demnach kein wirkliches Konzept, wie sie den Umstieg schaffen könnten. Viele andere tummeln sich im selben Indexbereich. Und Toyota sieht den Elektroumstieg anscheinend überhaupt nicht ein.

„Transport and Environment“ ist die Dachorganisation einiger nichtstaatlicher europäischer Interessenvertretungen aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich – zum Vergrößern bitte klicken.
„Transport and Environment“ ist die Dachorganisation einiger nichtstaatlicher europäischer Interessenvertretungen aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich – zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: Transport & Environment)

Doch weil die EU-Zielvorgaben so niedrig seien, könnten zumindest die Münchener und die Stuttgarter die Zielwerte recht einfach erreichen, ohne ihre Produktionsstrategie wesentlich umstellen zu müssen, merkt T&E an. Beide hielten zu sehr an Plug-in-Hybriden fest, die aber mehr Schadstoffe von sich geben, als in den Hochglanzprospekten verkündet wird, wie T&E meint.

Selbst wenn die freiwilligen Zusagen eingehalten würden, würden die Absatzzahlen der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) in Europa wohl mindestens 10 Prozentpunkte niedriger sein als sie es im Jahre 2030 sein sollten, um im Einklang mit dem Green Deal der EU zu stehen, sagt T&E weiter.

Wir erinnern uns: bis 2050 soll alles klimaneutral sein. Den Hauptgrund dafür lieferten die schwachen EU-Zielvorgaben. Die Autohersteller schießen sich derzeit auf eine Reduzierung der Emissionen bis 2030 von 65 bis 70 Prozent ein – immerhin das Doppelte der EU-Vorgaben!

Deutschland als Mekka der E-Mobilität?

T&E ist der Meinung, dass die EU die Industrie lenken sollte und nicht umgekehrt. Und die Autohersteller seien eindeutig in der Lage, auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Es fehle jedoch an Anreiz, um elektrotechnisch die Pferdestärken zu entfesseln. Wenn die Informationen stimmen, so könnten von den Fließbändern der drei großen deutschen Autobauer bis 2030 leicht die Hälfte der Fahrzeuge Stromer sein. Deshalb, so die Meinung von T&E, muss die Kommission die Messlatte über diese Quote hinaus anheben.

Die Daten lassen den Schluss zu, dass die Elektrofahrzeugproduktion in den nächsten 8 Jahren die der Verbrenner übersteigt. Deutschland wird dabei im Zentrum der Lieferkette der Elektrofahrzeuge stehen. Immerhin 37 Prozent aller E-Fahrzeuge in Europa werden dann voraussichtlich in Deutschland hergestellt. So könne man den Rückgang der Absatzzahlen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ausgleichen.

Ein oft gehörtes Argument gegen die Ziele ist auch, dass der Umstieg auf die Elektromobilität deutsche Arbeitsplätze kosten würde. T&E glaubt aber, dass man einfach die sich dahinter verbergenden Chancen übersieht. Die Produktion von Elektroautos werde viel schneller zunehmen als man heute vermutet. Die Rückgänge bei der Produktion von Verbrennern würden das wie schon erwähnt aufwiegen. Deutschland habe die klare Chance, zur Drehscheibe für die Elektromobilität in Europa zu avancieren. Allerdings müsse sich das Land jetzt schnell bewegen – egal, ob die EU-Vorgaben das fordern oder nicht, mahnt T&E abschließend.

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