Fahrzeugentwicklung Opel OSV 40 – alles sicher, oder was?

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Vor genau 50 Jahren gibt der Hersteller einen visionären Ausblick auf die Sicherheitstechnik der Zukunft. Das Opel Safety Vehicle, eine seriennahe Studie auf Basis des Kadett C, übersteht einen Frontalaufprall mit 40 Meilen pro Stunde, also knapp 65 km/h und stellt wichtige Weichen für die weitere Entwicklung von Sicherheitsfeatures.

Auf den ersten Blick ein Opel C-Kadett bzw. ein Vauxhall Chevette? Nein, nichts dergleichen! Das hier ist ein OSV 40, ein Opel-Sicherheitsfahrzeug von 1970.(Bild:  Opel)
Auf den ersten Blick ein Opel C-Kadett bzw. ein Vauxhall Chevette? Nein, nichts dergleichen! Das hier ist ein OSV 40, ein Opel-Sicherheitsfahrzeug von 1970.
(Bild: Opel)

Vor 50 Jahren präsentiert die Rüsselsheimer Marke auf der internationalen ESV-Konferenz (International Technical Conference on the Enhanced Safety of Vehicles) in London ihre Vorstellung von einem sicheren Kompaktwagen. Auf Basis des im Jahr zuvor eingeführten Kadett C hatten die Ingenieure ihre Visionen zum Thema Sicherheit weiterentwickelt. Dabei war der – von den Technikern selbst gewählte – Name Programm: OSV steht für Opel Safety Vehicle und die Zahl 40 für die Frontalaufprall-Geschwindigkeit in Meilen pro Stunde (also knapp 65 km/h), auf die der OSV 40 ausgelegt ist. Trotz der erweiterten Sicherheitsausstattung sollte das Fahrzeuggewicht unter der 1.000-Kilogramm-Marke bleiben. Mit dem schließlich 960 Kilogramm leichten Experimentalfahrzeug zeigen die Entwickler von Opel, dass ein Optimum an passiver Sicherheit schon damals nicht nur mit großen und schweren, sondern auch bei kompakten Fahrzeugen realisierbar ist.

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Bei den folgenden Crashtests erfüllt der OSV 40 dann auch alle Zielvorgaben: Nach dem frontalen Aufprall mit 65 km/h gegen eine feststehende Barriere lassen sich noch alle vier Türen ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen öffnen. Der Vorderwagen nahm bei dieser Crashtest-Disziplin die Energie so gut auf, dass er sich durch die Kaltverformung um exakt einen halben Meter verkürzte. Beim frontalen 50 km/h-Crash gegen einen Mast kann der OSV 40 ebenso überzeugen wie beim Heckaufprall, dem seitlichen Einschlag in einen Pfahl und dem Überschlagstest bei 48 km/h.

Stoßfänger mit Schaum: Schutz vor Aufprallfolgen und Deformation

Um diese vorbildlichen Ergebnisse zu erreichen, ließen sich die Ingenieure einiges einfallen. Dazu bildete der Kadett C mit Einrichtungen wie einer stoßabsorbierenden Sicherheitslenkung, Knautschzonen an Front und Heck sowie der Sicherheitszelle des Fahrgastraumes die ideale Basis. Beim OSV 40 fallen im Vergleich zu den zeitgenössischen Blechstoßstangen vor allem die voluminösen Stoßfänger auf. Ihre absorbierenden Eigenschaften erhalten die speziellen Stoßfänger durch die Füllung mit Polyurethan (PU)-Schaum. An der Front kommen schaumgefüllte Längsträger zum Einsatz, die sich bei Aufprallgeschwindigkeiten von mehr als 8 Kilometer pro Stunde kontrolliert verformen. Bei frontalen Zusammenstößen unterhalb dieses Tempos fängt die Schaumstruktur so viel Energie ab, dass es zu keiner bleibenden Deformation kommt – damit war der Vorläufer der „selbstreparierenden“ Stoßfänger geschaffen.

Für höhere Sicherheitsreserven beim Seitenaufprall füllten die Ingenieure ebenso die Hohlräume der Schweller und Türen mit PU-Schaum aus. Verstärkte Dachholme und die Rückenlehnen der Vordersitze, die über eine Gurtkonstruktion im Dach verankert sind, erhöhen die Stabilität der Fahrgastzelle immens – die Verstellbarkeit der Sitze ist dadurch nicht beeinträchtigt. Zugleich kann der Sitz durch diese Konstruktion bei einem Aufprall mehr Energie absorbieren. Darüber hinaus wurde die Windschutzscheibe aus Verbundglas direkt mit der Karosserie verklebt – ebenfalls mit dem Ziel, die Karosseriesteifigkeit zu erhöhen.

Sicherheit mit Weitblick: Fahrgastzelle und Cockpit des OSV 40

Im Innenraum sind alle Oberflächen, mit denen die Insassen bei einem Unfall in Berührung kommen könnten, mithilfe von zwei Zentimeter dickem Polyurethan-Schaum aufgepolstert. Die Lenkung erhielt ein zusätzliches Schiebestück im unteren Lenksäulenbereich, um die Energie im Falle eines Aufpralls noch besser zu absorbieren. Auch im OSV-40-Cockpit steht die Sicherheit an erster Stelle. Das zentrale Warnsystem von Hella kontrolliert elf Funktionen und zeigt eventuelle Fehler durch das Aufleuchten der Warnlampen an. Vier zusätzliche Leuchten hinter der Heckscheibe signalisieren Notbremsungen und dienen als Warnblinkleuchten. Ihre hohe Positionierung macht sie für die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer besser sichtbar. Und in Fahrtrichtung kamen schon damals innovative Scheinwerfer mit Leuchtweitenregulierung zum Einsatz, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. Für optimale Sicht im und um den OSV 40 sorgt darüber hinaus auch der zweigeteilte Rückspiegel, dessen unterer Teil den toten Winkel auf ein Minimum reduziert.

Die Vordersitze wurden so verbreitert, dass sie eine durchgehende Abgrenzung zum Fond bilden. Die seitlichen Abstützungen in der Mitte verhindern bei einem Seitenaufprall das Zusammenstoßen von Fahrer und Beifahrer. Die minimalistisch ausgeführten Kopfstützen der Vordersitze gewährleisten dem Fahrer eine möglichst gute Sicht nach hinten. Für Übersicht und Sicherheit sorgt auch das aus Gurten konstruierte Rückhaltesystem für die Köpfe der Fondpassagiere. Bei einem Heckaufprall legen sich die Gurtbänder großflächig an die Köpfe der Passagiere und fangen diese weich auf. Darüber hinaus ist der OSV 40 auf allen vier Sitzplätzen mit Dreipunktgurten ausgestattet – vorne kamen sogar schon automatische Gurtstraffer zum Einsatz.

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