Pkw-Markt wächst stark trotz geringerer Eigenzulassungen

Flottenmarkt und Vermieter ziehen den Absatz

| Autor: Andreas Grimm

(Foto: Grimm / »kfz-betrieb«)

Die überraschend hohe Zahl an Neuzulassungen im Juli von knapp 333.000 Einheiten ist auf mehrere Faktoren, jedoch nicht auf gestiegene Eigenzulassungen der Hersteller und Händler zurückzuführen. Wie aus einer ersten Analyse der KBA-Daten durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, hat vor allem das Firmenkundengeschäft zu der starken Entwicklung beigetragen.

Den Angaben zufolge ließen Gewerbetreibende und Flottenmanager im Juli knapp 90.000 Neuwagen zu, das waren 11.600 mehr als im Vorjahresmonat (+14,9 %). Allerdings könnte diese starke Entwicklung eine vorgezogene Reaktion auf die anstehende Umstellung auf den Prüfzyklus WLTP 2 sein. Nach den schlechten Erfahrungen mit Lieferschwierigkeiten nach Inkrafttreten der ersten WLTP-Stufe „haben offenbar viele Fuhrparkverantwortliche beschlossen, Fahrzeuganschaffungen vorzuziehen, um erneuten Lieferschwierigkeiten aus dem Weg zu gehen“, vermuten die Marktbeobachter.

Dagegen entwickelt sich der Privatmarkt weitgehend stabil, wenn auch arm an Impulsen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichneten die Zulassungsämter nochmals 2,6 Prozent mehr Privatzulassungen. Insgesamt kamen über diese Käufergruppe 120.750 Neuwagen auf die Straßen. In diesem Segment wird es in den kommenden Wochen angesichts der eingetrübten allgemeinen Wirtschaftslage interessant werden, inwiefern sich die Privatkunden von der schlechteren Stimmung beeindrucken lassen. Die Unternehmensberatung EY etwa rechnet ab September mit deutlich sinkenden Zulassungszahlen.

Stark gesunken sind im Juli zunächst allerdings die Eigenzulassungen des Handels. Die Kfz-Betriebe brachten im Juli noch 55.505 Neuwagen auf den Markt, 10,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Allerdings ist auch hier wieder der WLTP-Verzerrungseffekt des Vorjahres zu beachten. Im Vorjahresmonat hatte der Handel beträchtliche Bestände an zugelassenen Fahrzeugen aufgebaut, die nach dem Stichtag 1. September nicht mehr zulassungsfähig gewesen wären. Bei den Herstellern und Importeuren ist ein entsprechender Effekt nicht zu beobachten, sie steigerten ihre Zulassungen sogar leicht.

Stark tätig wurden als letzte Gruppe die Autovermieter. Sie holten sich gut 40.000 Einheiten in ihre Flotten. Das waren satte 19,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch diese Entwicklung könnte in der Sorge vor WLTP-2-Problemen begründet sein.

Transportermarkt legt stark zu

Die Furcht vor einem WLTP-2-Desaster, auch wenn viele Herstellervertreter davon nicht ausgehen, dürfte auch die Entwicklung im Transportermarkt beeinflusst haben, der um 11,9 Prozent zulegte. In dieser Sonderbetrachtung, für die Dataforce den Absatz von leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities auswertet, zeigt sich ein noch leicht überdurchschnittlicher Anstieg der Neuzulassungen bei den gewerblichen Nutzern (+12,3 %) und ein extremes Plus bei den Autovermietern (+58 %). Diese beiden Abnehmergruppen sind besonders darauf angewiesen, dass die bestellten, oft geleasten Fahrzeuge auch tatsächlich ausgeliefert werden.

Dagegen kletterten die Neuzulassungen von privat nur leicht (+3 %). Auch die Händler stellten sich nur unwesentlich mehr Transporter-Modelle auf die Höfe (+1,3 %). Einzig die Hersteller drückten kräftig Eigenzulassungen in den Markt (+11,1 %).

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