Und wenn er notgedrungen doch mal in einem anderen Auto gefahren ist, dann hat er das gleich wieder bereut. Wie damals, als der Porsche in der Werkstatt war und Newmark mit seinem Leihwagen prompt in einen Unfall verwickelt wurde, der ihn fast das Leben gekostet hätte. „Wenn das kein Zeichen war“, sagt der Sonnyboy im Seniorenalter und fühlt sich durch solche Ereignisse in der Liebe seines Lebens bestätigt. Er ist mittlerweile ein paar mal umgezogen, hat eine neue Freundin und auch sonst so manches verändert in seinem bewegten Leben – aber in der Garage steht deshalb noch immer das gleiche Auto wie vor fast 50 Jahren.
In dieser Zeit ist der Porsche für Newmark fast so etwas wie ein Familienmitglied geworden. Er hat ihm einen Namen gegeben und nennt ihn deshalb zärtlich „Blue“. Er hat sich um ein Schwesterchen gekümmert und ihm mittlerweile ein rotes 356er Cabrio zur Seite gestellt. Und er plant sogar schon eine Geburtstagsparty: „Im Oktober wird er 50, dann miete ich ein Museum und wir feiern die ganze Nacht“, schwärmt der stolze Oldtimer-Besitzer.
Daraus wäre beinahe nichts geworden. Denn vor ein paar Wochen war „Blue“ plötzlich verschwunden und Newmark wähnte den Wagen schon in einem Container nach China, Russland oder die Emirate. Schließlich haben sich in den letzten Jahren bei ihm die Kaufangebote gestapelt. Zwar ist Newmark auch bei horrenden Summen immer standhaft geblieben. Aber er hätte sich durchaus vorstellen können, dass einer der Sammler sein „Nein“ nicht akzeptieren und sich den Wagen dann eben gegen den Willen des Besitzers in die Sammlung holen wollte. Deshalb hatte er eigentlich auch nicht viel Hoffnung, als er in allerlei Internetforen eine digitale Verfolgungsjagd ausrief und Porsche-Fahrer in aller Welt nach dem Schmuckstück fahnden ließ.
Umso größer war seine Freude, als sich ein paar Tage später eine Nachbarin nur ein paar hundert Meter unterhalb seines Hauses meldete, weil sie Blue in einem Gestrüpp am Rande ihres Gartens entdeckt hatte. „Ein paar Jugendliche sind in meine Garage eingebrochen, konnten ihn aber nicht kurzschließen“, erinnert sich Newmark und trotz der sonnigen Temperaturen auf der Strandpromenade läuft ein Schauer über seinen Rücken. „Deshalb haben sie ihn den Hang runter geschoben und wollten ihn anrollen lassen.“ Weil auch das nicht klappte, hätten ihn die Kids im nächsten Gebüsch versteckt und sich aus dem Staub gemacht, erzählt Newmark mit kaum unterdrücktem Zorn in der Stimme.
Doch im Grunde ist auch das noch einmal gut gegangen. „Denn der Lack hat dabei nicht mal einen Kratzer bekommen und die zerrissenen Kabel sind längst wieder geflickt,“ sagt er versöhnlich, streichelt den Porsche mit liebevollen Blicken, lässt sich in den kleinen Sessel fallen, greift in das filigrane Lenkrad, wirft den Boxer an und startet auf den Pacific Coast Highway. Aber nicht mit Vollgas, sondern ganz, ganz sanft und sachte. Denn ein bisschen muss Blue noch durchhalten: Bis zur Million fehlen nur noch ein paar tausend Meilen.
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