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Diese Charakteristika machten das Coupé massentauglicher als den vorausgegangenen Mittelmotorsportler 914. Gebaut wurde der neue 924 bei Audi/NSU in Neckarsulm mit preiswerten Großserienteilen aus dem VW-Konzernregal und einem Komfortangebot zum „Wohlfühlen, auch wenn man zu längeren Kolonnenfahrten verurteilt ist“, wie Porsche warb. Tatsächlich war der 924 das Ergebnis eines 1970 begonnenen Entwicklungsbündnisses zwischen Wolfsburg und Weissach, in dem nicht weniger als drei VW-Konzernchefs mitmischten.
Unter Kurt Lotz sollte der Entwicklungsauftrag EA 425 den VW-Porsche 914 beerben, Nachfolger Rudolf Leiding wollte das Sportcoupé plötzlich als Volkswagen verkaufen, erst Toni Schmücker entschied: Aus EA 425 wird kein VW. Für Porsche ein Glücksfall, brauchte die Marke doch dringend ein global verkäufliches Volumenmodell, das dem Frontmotorlayout des ebenfalls neuen 928-V8-Flaggschiffs folgte.
Bedingungslose Liebe wie der klassische Elfer erntete die erste Vierzylinder-Frontmotor-Baureihe mit Porsche-Logo trotz aller Vielseitigkeit nicht, aber doch begeisterten Applaus von Publikum und Presse. Nur in einem Punkt irrten alle Fachleute: Preise ab 24.000 Mark einschließlich herausnehmbaren Dachteils – immerhin 30 Prozent mehr als für den VW-Porsche verlangt wurde - könnten einer zügigen Verbreitung im Wege stehen. Weit gefehlt: Schon im Jahr 1977 eroberte der 924 den Titel „meistverkaufter Sportwagen der Welt“.
War der 92 kW/125 PS leistende 200-km/h-Renner doch immerhin 40 Prozent billiger als das gerade einmal 10 km/h schnellere 911 Coupé. Vor allem kostete der Vierzylinder weniger als die zeitgenössischen Alpine A310, Lancia Beta Montecarlo oder Nissan 260 Z. Besonders die US-Kundschaft freute sich über die Klappscheinwerfer-Racer mit prestigeträchtigem Porsche-Logo, die sie den vergleichsweise biederen Nissan Z und Toyota Celica vorzog.
924 Turbo – schneller als ein Ferrari 400 GT
Richtig kostspielig wurden erst spätere Spielarten des 924, allen voran der bereits erwähnte 924 Turbo. Fast 40.000 Mark verlangte Porsche für den auf 125 kW/170 PS erstarkten Leistungsträger, der sich äußerlich fast nur durch Luftschlitze in der Motorhaube, Heckspoiler und größere Räder differenzierte. Immerhin konnte Porsche so einen Leistungsvorsprung gewinnen gegenüber neuen Rivalen wie dem Wankelsportler Mazda RX-7. In 7,8 Sekunden spurtete der 924 Turbo auf Tempo 100 – und zeigte dabei sogar allen Zwölfzylinder-Ferrari 400 GT seine Auspuffmündung. „Fahren, wo es noch Spaß macht: Im Porsche“, kommentierte die Werbung.
Eine Meinung, die offenbar auch Rallye-Weltmeister Walter Röhrl teilte, jedenfalls starteten er und sein Co-Pilot Christian Geistdörfer 1981 mit dem 924 Carrera GTS erfolgreich in der Deutschen Rallyemeisterschaft. Aber nicht nur Profis konnten die bis zu 276 kW/375 PS starken und 290 km/h schnellen Racer bestellen. Gab es den Carrera GTS doch auch als entschärfte Straßenversion mit 180 kW/245 PS. Die immer noch genügten, um der Vmax-Ikone Lamborghini Countach beim Sprint auf Tempo 100 das Nachsehen zu geben.
Porsche 944 wird der große Bruder
Noch etwas Neues hatte Porsche 1981 zu vermelden: Der 924 bekam einen großen Bruder in Form des 944. Unter der bekannten Karosserie, nun mit gewaltigen Kotflügelverbreiterungen, arbeitete ein neuer 2,5-Liter-Vierzylinder, der durch eine Halbierung des V8 aus dem Porsche 928 entstanden war. Mit Leistungswerten zwischen 120 kW/163 PS und 184 kW/250 PS genügten die Porsche 944 – erstmals gab es Cabriolets – allen Ansprüchen der tempohungrigen 1980er Jahre. Auch der 924 erhielt 1986 in seiner finalen Version dieses echte Porsche-Triebwerk, äußerlich zu erkennen am Typenzusatz „S“. Mit der Weltwirtschaftskrise von 1987/88 erlebten Sportwagen weltweit einen vorübergehenden Niedergang, der auch Porsche heftig traf. Dennoch waren es die Gewinne aus dem Geschäft mit den Vierzylindern, mit denen sich Porsche in den 1990er Jahren aus dem Tief befreite. Unter dem Namen 968 überlebten die Transaxle-Coupés und Cabriolets bis 1995, dann begann mit dem Mittelmotor-Modell Boxster eine gänzlich neue Vierzylinder-Epoche.
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