Presse: Post-Zusteller fürchten die Fahrt mit dem Streetscooter

Von Jakob Schreiner Autor Name

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Das kratzt am bisher makellosen Image der Post-Tochter Streetscooter: Laut einem Bericht der „Welt“ sind einige Zusteller mit ihrem E-Auto alles andere als zufrieden. Die Rede ist unter anderem von einem nicht ordnungsgemäßen und billigem Lieferauto, das nicht ausgereift sei.

Weil die Deutsche Post am Automarkt kein geeignetes Lieferfahrzeug mit Elektroantrieb gefunden hat, baut sie es kurzer Hand selber. Offenbar gibt es aber einige Probleme mit dem Streetscooter.(Bild:  Deutsche Post)
Weil die Deutsche Post am Automarkt kein geeignetes Lieferfahrzeug mit Elektroantrieb gefunden hat, baut sie es kurzer Hand selber. Offenbar gibt es aber einige Probleme mit dem Streetscooter.
(Bild: Deutsche Post)

Einige Mitarbeiter der Deutschen Post haben offenbar Angst davor, den Streetscooter zu nutzen. Aufgrund einer zu geringen Reichweite, diverser technischer Mängel, einiger Sicherheitsbedenken und einem unzureichendem Pannendienst, sprechen manche Mitarbeiter in einem Bericht der „Welt“ von einer „unglaublichen psychischen Belastung“ bei der Fahrt mit dem E-Lieferwagen. Die Recherchen sollen belegen, dass Fahrzeuge regelmäßig auf der Strecke liegen bleiben – teils komme es zu Ausfallquoten im zweistelligen Prozentbereich.

Für viel Frust bei den Zustellern sorge die zu geringe Reichweite des Fahrzeugs, wodurch die Fahrer „mehr auf den Ladestand der Batterie achten als auf ihre Arbeit als Zusteller“. Der Postkonzern gibt die Reichweite mit 100 Kilometern an – die zitierten Mitarbeiter sprechen aber von lediglich 70 Kilometern. Eine Situation, die sich besonders in den kalten Wintermonaten weiter verschärft. Dem Bericht nach müssen die Fahrer abwägen, ob sie die Batterie schonen, um die Route komplett abschließen zu können oder es lieber warm haben wollen. Oftmals verzichten sie aber auf den Einsatz der nachgerüsteten Sitzheizung und des kleinen Heizlüfters, um es doch noch zurück zum Zustellstützpunkt zu schaffen. Der Verzicht auf den Heizlüfter kann durch beschlagene Scheiben auch schnell zum Sicherheitsrisiko werden.

Streetscooter: Elektro-Offensive der Deutschen Post
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Apropos Sicherheit: Offenbar haben die Fahrer aufgrund der Leichtbauweise des Streetscooters auch Bedenken wegen der Crashsicherheit. Zudem soll in mehreren Fällen die Motorhaube während der Fahrt aufgesprungen sein. Einige Zusteller beschweren sich außerdem darüber, dass der Streetscooter auf freier Strecke einfach ausgegangen sei und nicht wieder in Betrieb genommen werden konnte.

Funktionierender Pannendienst? Fehlanzeige

In solchen Fällen sind die Zusteller auf externe Hilfe angewiesen. Diese sei aber rar – zu wenige Werkstätten sollen sich mit dem Fahrzeug auskennen und ein bundesweiter und effektiver Pannendienst existiere nicht. So müssen Spezialwerkstätten angefordert werden, die oft Stunden zum Einsatzort brauchen. Dadurch komme es vermehrt zu nicht zugestellten Postsendungen. Außerdem fehle es an manchen Zustellstützpunkten an Antriebsalternativen um die Ausfälle zu kompensieren, da die Post voll und ganz auf den Streetscooter setzt.

„Man hätte das Fahrzeug erst einmal ausreifen lassen und zu Ende entwickeln sollen, anstatt so zu tun, als sei es ein ordnungsgemäßes Auto“, sagt ein Betriebsrat aus Süddeutschland. Der Streetscooter sei ein billiges Lieferauto, das nicht fertig ausgereift sei.

Aus Sicht einiger Mitarbeiter reagiere der Konzern bislang nicht auf die von ihnen vorgetragenen Probleme. Im Gegenteil: Die Deutsche Post schiebt die Schuld den Fahrern in die Schuhe, verweise auf Bedienungsfehler und drohe mit arbeitsrechtlichen Schritten, wenn sie die Mängel öffentlich machen.

Entsprechend mager kommentiert das Unternehmen die Anfrage der „Welt“: „Wir haben überhaupt kein Winterproblem mit dem Streetscooter“, sagt ein Sprecher der Post aus Bonn. Es könne schon mal vorkommen, dass ein Auto nicht anspringe. Aber sonst seien keine Fälle bekannt.

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