Scheinwerferkontrolle Prüfer meiden das Digital-SEP

Autor: Steffen Dominsky

Etliche Werkstätten besitzen ein Digital-SEP. Um das machen HU-Prüfer bei der Scheinwerferkontrolle jedoch meist einen großen Bogen und nutzen, wo vorhanden, stattdessen das gute alte Analog-SEP. Doch geht das überhaupt?

Keine Seltenheit: Rechts das Digital-SEP samt kalibriertem HU-Scheinwerferprüfplatz, doch der Prüfingenieur greift lieber zum guten alten und nicht kalibrierten Analog-SEP.
Keine Seltenheit: Rechts das Digital-SEP samt kalibriertem HU-Scheinwerferprüfplatz, doch der Prüfingenieur greift lieber zum guten alten und nicht kalibrierten Analog-SEP.
(Bild: Dominsky/»kfz-betrieb«)

Haben auch Sie Angst vor Spinnen? Ja? Und wussten Sie, dass die Angst vor diesen und bestimmten Reptilien offenbar angeboren ist? Zu diesem Ergebnis kamen vor wenigen Jahren Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut in Leipzig. Als sie sechs Monate alten Babys Fotos von Schlangen und Spinnen zeigten, reagierten die prompt mit Stresssymptomen. Genau solche entwickelt offenbar auch so mancher HU-Prüfer, wenn er in Prüfstützpunkten, also Werkstätten, ein digitales Scheinwerferprüf- und -einstellgerät (SEP) vorfindet. Schnell kommt da bei ihm die Frage auf „Wie funktioniert das Ding eigentlich?“ und die Befürchtung „Das dauert ja ewig mit dem Teil!“. Um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, greift er dann zum klassischen Analog-SEP – so vorhanden. Schließlich verfügen zahlreiche Werkstätten über zwei SEP: ein digitales und ein analoges.

„Für viele Tausend Euro haben wir ein modernes Digital-SEP angeschafft, aber unser HU-Prüfer lässt es links liegen!“, hört man oft in den Betrieben, wenn man danach fragt. Das wirft kein gutes Licht auf die Herren in den grünen, blauen und roten Kitteln. Ein deutscher Ingenieur, der moderne Messtechnik verschmäht? Andererseits ist diese ablehnende Haltung nur zu menschlich: Etwas Neues erfordert meist, dass man sich mit ihm (ausführlich) auseinandersetzt. Und das muss man wollen und die Zeit dafür haben. Gerade letztere haben die von Werkstatt zu Werkstatt sprintenden Fahrzeugprüfer meist nicht. Und anders als bei analogen SEP gilt bei den digitalen Brüdern eben nicht: „Kennst Du eines, kennst Du alle!“

Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group