ADAC-Auswertung Reichweitenangst ist mehr denn je irrational

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

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Jedes Auto kann wegen Energiemangels liegen bleiben – E-Autos wie Verbrenner. Doch tun sie es sehr selten. Laut einer ADAC-Auswertung würde ein Liegenbleiben mit einem E-Auto inzwischen sogar an Vorsatz grenzen.

Die Anzeige der verbleibenden Reichweite von E-Autos ist zuverlässig, die Warnung vor der Entladung kommt laut dem ADAC rechtzeitig.(Bild:  Rosenow – VCG)
Die Anzeige der verbleibenden Reichweite von E-Autos ist zuverlässig, die Warnung vor der Entladung kommt laut dem ADAC rechtzeitig.
(Bild: Rosenow – VCG)

Ein Elektroauto bis auf das letzte Watt leerzufahren, ohne es zu merken, ist aus Sicht des Autofahrerclubs ADAC unmöglich, insbesondere bei Fahrzeugen neuerer Generationen. Denn die Autos warnen den Fahrer meist frühzeitig vor einem leeren Stromspeicher. Zusätzlich haben die Akkus eine unsichtbare Reserve, wodurch das Elektromobil auch bei Ladestand Null noch einige Kilometer weiterfährt.

Ein unbemerktes Leerfahren verhindert in erster Linie eine schlüssige „Warndramaturgie“, die in den verschiedenen E-Modellen recht ähnlich ist. Zunächst wird mit einem optischen Signal darauf hingewiesen, dass die Akkuladung zur Neige geht. Fast alle Fahrzeuge zeigen einen eingeblendeten Text, bei manchen färbt sich zudem das Batteriesymbol orange. Der Zeitpunkt der ersten Warnung war allerdings unterschiedlich: Während im Kia schon bei 21 Prozent und rund 70 Restkilometern die erste Warnung aufploppt, reagierte die Überwachung im Volvo erst bei 7 Prozent.

Einig waren sich die Autos, bei weiter sinkendem Akkuladestand immer energischer zu warnen: Zu den optischen Anzeichen kommen bei allen Autos akustische Signale hinzu. Mit der Zeit – meist ab einem Ladezustand im unteren einstelligen Bereich – drosselt das Batteriemanagement die Leistung des Autos. Die Beschleunigung nimmt ab. Getestet hat der ADAC sechs Fahrzeugmodelle unterschiedlicher Hersteller: VW ID 3, Tesla Model Y, Kia EV 6, Volvo EX 40, BYD Seal und Nio EL 6.

Akkus mit unsichtbarer – und unbekannter – Reserve

Der ADAC hat untersucht, ab welchem Ladezustand verschiedene E-Autos den Fahrer warnen – und welche Reichweite noch möglich ist.(Bild:  ADAC)
Der ADAC hat untersucht, ab welchem Ladezustand verschiedene E-Autos den Fahrer warnen – und welche Reichweite noch möglich ist.
(Bild: ADAC)

Wichtig ist zudem die Erkenntnis, dass bei null Prozent Akkustand keiner der Testkandidaten einfach stehen blieb. Denn laut dem ADAC haben die Fahrzeuge eine Notlaufreserve, die das Auto noch rund 15 bis 20 Kilometer weit befördern kann – dann allerdings eher in Schleichfahrt. Gleichzeitig drängt der Mobilitätsclub darauf, sich auf diese Reserve nicht zu verlassen und sie nur im absoluten Notfall zu benutzen. Denn die Tests auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing fanden bei Idealbedingungen statt: gutes Wetter, ebene Straße, junge Fahrzeuge mit wenigen Kilometern auf dem Tacho. Bei älteren Akkus könnte die unbekannte Reserve deutlich geringer ausfallen.

„Die oft angeführte Reichweitenangst, mit einem Elektroauto plötzlich liegenzubleiben, ist eigentlich unbegründet“, bilanziert der ADAC. Möglich sei dies nur, wenn Warnungen konsequent ignoriert oder Ladestationen nicht entsprechend rechtzeitig angesteuert werden. Hinzu kommt, dass die Reichweiten der Autos immer weiter steigen, was ein ungewolltes Liegenbleiben noch unwahrscheinlicher macht. Aktuelle E-Modelle kommen im Schnitt auf 425 Kilometer Reichweite – fast das Dreifache des Wertes von 2014.

Im Ernstfall: Bitte nicht rollen!

Für den Fall der Fälle weist der ADAC jedoch darauf hin, dass ein liegengebliebenes E-Auto nicht gerollt werden darf. Denn der Motor erzeugt dabei Spannung, die die Elektronik im Fahrzeug beschädigen kann. „Wer mit einem Elektroauto liegenbleibt, benötigt eine mobile Lademöglichkeit oder den Abschleppservice“, heißt es von den Abschlepp-Spezialisten.

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