Restwert bildet sich am „regionalen Markt“

Autor / Redakteur: autorecht@aktuell.de / Gerd Steiler

Zur Ermitllung des Restwerts eines Unfallfahrzeugs kann sich der Sachverständige am Kaufpreis des „regionalen Marktes“ orientieren. Dabei ist die Einholung von drei Angeboten als Bewertungsgrundlage ausreichend.

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Das Landgericht (LG) Wiesbaden hat mit seinem aktuellen Urteil vom 15. April 2010 (AZ: 8 S 1/10) erneut bestätigt, dass der Restwert für ein unfallbeschädigtes Auto anhand von Angeboten auf dem „allgemeinen regionalen Markt“ zu ermitteln ist.

Nach Ansicht der Richter ist ein Sachverständiger nicht dazu verpflichtet, für den gegenerischen Haftpflichtversicherer eine kostentechnisch optimale Verwertungsmöglichkeit für das Fahrzeug unter Einschluss von Onlinebörsen zu ermitteln. Vielmehr sei es ausreichend, dass der Sachverständige ermittelt, welcher Kaufpreis für das unfallbeschädigte Fahrzeug am regionalen Markt zu erzielen ist. Dabei steht dem Sachverständigen laut Urteilsspruch ein gewisser „Beurteilungsspielraum“ zu. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick darauf, ob er Angebote beispielsweise aus Onlinebörsen für seriös oder völlig überzogen hält.

Auszug aus der Urteilsbegründung

Maßgebend für die Pflichten des Sachverständigen bei Erstellung des Gutachtens ist dem Urteil zufolge der Inhalt des Vertrags zwischen dem Geschädigten und dem Sachverständigen (BGH, VersR 2009, S. 413 ff.). Bei der Erstellung seines Gutachtens sei der Sachverständige jedoch nicht verpflichtet, die optimale Verwertungsmöglichkeit für das Fahrzeug unter Einschluss der Onlinebörsen zu ermitteln.

Das Gericht begründet dies damit, dass der Umfang des Sachverständigen-Gutachtens allein durch den Gutachtenauftrag und nicht durch das Interesse des gegenerischen Haftpflichtversicherers an einer möglichst kostensparenden Schadensabrechnung bestimmt wird (BGH, a.a.O.). Der Sachverständige dürfe eshalb bei der Schätzung des Restwertes denjenigen Kaufpreis zugrunde legen, der für das Unfallfahrzeug auf dem „allgemeinen regionalen Markt“ zu erzielen war. Hierbei genügt laut Gericht die Einholung von drei Angeboten als Schätzgrundlage (BGH, a.a.O.).

Im vorliegenden Fall habe die Klägerin nicht nachweisen können, dass das Sachverständigen-Gutachten der Beklagten keine ausreichende Schätzgrundlage biete. Nachdem es dem beauftragten Sachverständigen nicht gelungen sei, entsprechende Angebote auf dem regionalen Markt einzuholen, sei nicht bewiesen, dass die durch den Geschäftsführer der Beklagten vorgenommene Abfrage auf dem regionalen Markt unzureichend beziehungsweise unzutreffend war. Überdies konnte das Gericht nicht feststellen, dass der Sachverständige seinen Beurteilungsspielraum „ermessensfehlerhaft“ überschritten habe.

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