Neuzulassungen Minus im September macht den Förder-Knick sichtbar

Von Dr. Martin Achter 3 min Lesedauer

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Vor gut einem Monat hat der Staat gewerblichen Kunden den Hahn mit Fördergeldern zugedreht, wenn sie neue E-Autos zulassen wollen. Das macht sich wie erwartet an den Zulassungszahlen deutlich bemerkbar. Richtig ins Minus rutschte allerdings der Privatmarkt.

Im September machte sich bei den Pkw-Neuzulassungen der Vorzieheffekt durch das Förder-Aus für Unternehmen bei der Zulassung neuer E-Autos deutlich bemerkbar.(Bild:  Achter – VCG)
Im September machte sich bei den Pkw-Neuzulassungen der Vorzieheffekt durch das Förder-Aus für Unternehmen bei der Zulassung neuer E-Autos deutlich bemerkbar.
(Bild: Achter – VCG)

Nach dem Aus der E-Auto-Prämie für gewerbliche Kunden ist die Automobilbranche im September mit ihrem Geschäft nicht mehr von der Stelle gekommen. Die Pkw-Neuzulassungen gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat minimal auf 224.502 Neuzulassungen zurück (- 0,1 %), nachdem sie seit dem Frühjahr Monat für Monat deutlich über dem Vorjahresniveau gelegen hatten. Das geht aus der aktuellen Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) vom Donnerstag hervor. Damit verzeichnete der Pkw-Neuwagenmarkt in diesem Jahr erstmals einen Rückgang, wenngleich nur minimal.

Zwar legten die gewerblichen Zulassungen im September noch einmal zu, und zwar um 5,7 Prozent. Im August aber hatten die Pkw-Neuanmeldungen von Unternehmen noch mehr als 50 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Insgesamt sorgten gewerbliche Halter im September für über zwei Drittel der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland (66,9 % – inklusive Vermieter- und Eigenzulassungen).

Der Privatmarkt – schon länger das Sorgenkind der Branche – brach im September hingegen spürbar ein. Die Neuzulassungen durch private Käufer gingen im September um mehr als ein Zehntel zurück (- 10,3 %). Steigende Zinsen für Fahrzeugfinanzierungen und hohe Preise für Fahrzeuge dürften die Interessenten zunehmend vom Kauf abhalten.

„Es zeigt sich, was wir schon vor Monaten prognostiziert haben. Die Lieferrückstände der Hersteller sind zum großen Teil abgebaut und die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen ist – vor allem im privaten Sektor – gering“, kommentierte Thomas Peckruhn, ZDK-Vizepräsident und Sprecher des Fabrikatshandels in Deutschland, die September-Zahlen. „Insbesondere bei den Kleinwagen und der Kompaktklasse deuten Preisentwicklung und Verfügbarkeit auf eine zunehmend schwierigere Absatzsituation hin“, so Peckruhn weiter.

E-Mobilität verliert an Zugkraft

Das Förder-Aus für gewerbliche Kunden im September macht sich auch beim Blick auf das Volumen neu zugelassener E-Autos bemerkbar: Insgesamt 31.714 neue E-Autos rollten im September auf die Straße. Das waren 28,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Sie machten damit 14,1 Prozent der Neuzulassungen aus. Im August lag der Marktanteil von E-Autos bei 31,7 Prozent.

Bislang liegt der Pkw-Markt in diesem Jahr aber noch deutlich im Plus. Von Januar bis einschließlich September verzeichnete das KBA knapp 2,14 Millionen Neuzulassungen – 14,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Beim Blick auf die einzelnen Marken (Relevanzschwelle: 0,5 Prozent Marktanteil) konnten im September unter anderem Opel und Mini punkten. Auf die Rüsselsheimer entfielen 25,9 Prozent mehr Neuzulassungen als im Vorjahresmonat. Die BMW-Tochter notierte einen Anstieg von 12,5 Prozent. Auch die Premiumhersteller Mercedes-Benz, Audi und BMW lagen im einstelligen Bereich im Plus, ebenso VW.

Unter den Importmarken konnte Jeep mit einem Anstieg von 96,7 Prozent punkten. Auch Peugeot (57,7 Prozent) und Suzuki (50,6 Prozent) lagen deutlich im Plus.

Impulse bleiben im Restjahr aus

E-Mobilitätsexperte Constantin M. Gall von der Unternehmensberatung EY prognostiziert, dass sich der Zulassungsboom der vergangenen Monate bei E-Autos durch den Förderstopp im September jetzt bis zum Jahresende bemerkbar machen werde. Unternehmen hatten Fahrzeuganschaffungen bis August vorgezogen, um noch in den Genuss der Förderung zu kommen. „Diese Käufe fehlen nun natürlich – das werden wir auch in den kommenden Monaten an den Zulassungszahlen sehen“, sagte Gall.

Und zum Jahresende sei mit einer ähnlichen Sonderkonjunktur im Privatkundengeschäft zu rechnen, betonte Gall. In diesem Segment reduziert sich die staatliche Förderung zum Januar 2024 von 4.500 auf 3.000 Euro. Das könnte das Privatkundengeschäft mit E-Autos zum Jahresende zwar noch einmal befeuern, erklärte Gall. „Danach wird es allerdings zu einem bösen Erwachen kommen, wenn sich die Nachfrage nach Elektroautos auf einem niedrigeren Niveau einpendelt. Die Elektro-Neuzulassungen werden sich im kommenden Jahr voraussichtlich eher schwach entwickeln.“

Auch Reinhard Zirpel, Präsident des Importeursverbands VDIK, sieht trübe Wolken am Himmel, wenngleich die Zulassungszahlen im Gesamtjahr bisher noch im Plus sind: „Der Markt lebt weiterhin vor allem vom Abbau des hohen Auftragsbestands. Daher bereiten uns die anhaltend niedrigen Auftragseingänge zunehmend Sorgen. Auch die Elektrofahrzeuge wachsen insgesamt nicht mehr so dynamisch wie in den vergangenen Jahren und tragen damit weniger zur Markterholung bei.“

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Tatsächlich lassen auch Zahlen des Herstellerverbands VDA darauf schließen, dass sich die Pkw-Konjunktur abkühlt und die Auftragsbestände abschmelzen. So fertigten die Hersteller im September in Deutschland 340.500 Pkw und damit acht Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Von Januar bis September liegt die Produktion aktuell noch 22 Prozent über Vorjahresniveau, aber damit noch immer deutlich unter dem Stand vor der Coronakrise. 

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