Die Elektromobilität allein wird nicht die Mobilität der Zukunft bestimmen. Dennoch müssen sich die Betriebe ihr stellen. Darin ist sich das Kfz-Gewerbe einig. Bei der Arbeitstagung mit den Landesverbänden sorgte die Positionierung dazu dennoch für Diskussionen.
Präsident Jürgen Karpinski (Mitte) führte durch die Arbeitstagung. Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Koblitz (r.) und Vzepräsident Wilhlem Hülsdonk unterstützten ihn.
(Bild: Pfaff/»kfz-betrieb«)
Sollte sich das Kfz-Gewerbe überhaupt zum Thema Elektromobilität positionieren? Und wenn ja, wie? Das diskutierten die Vertreter der Kfz-Landesverbände bei ihrer Arbeitstagung mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am Mittwoch in Bonn.
Am ersten Präsenztreffen dieses Gremiums seit Ausbruch der Corona-Pandemie nahmen fast alle Landesverbände teil. Unter dem Vorsitz von ZDK-Präsident Jürgen Karpinski stand der Austausch über Neuerungen und Positionen des Kfz-Gewerbes auf der Tagesordnung.
Über die vielfachen Herausforderungen und Probleme, mit denen insbesondere der Autohandel zu kämpfen hat, informierte zunächst ZDK-Referent Marcus Weller die Teilnehmer. Lieferengpässe, neue Mobilitätsdienstleistungen, neue Antriebe, Vorgaben durch die GVO und neue Vertriebssysteme halten den Handel in Atem. Vor allem die Pläne zu und Ankündigungen von neuen Verträgen und Vertriebsmodellen bereiten Sorge, wenn auch nicht überall.
Das ZDK-Leitbild und die strategischen Ziele, die der Vorstand als Marschroute für die Verbandsarbeit bis 2030 formuliert hat, stellte Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz vor.
Diskussion um Positionierung des ZDK
Die Frage, wie sich das Kfz-Gewerbe zum Thema Elektromobilität positionieren soll, löste eine rege Diskussion aus. Es sei die Kernaufgabe des Handels, die Produkte der Hersteller zu verkaufen. Deshalb sei es ungünstig, weiterhin Skepsis bezüglich der E-Mobilität zu äußern, so die Kritik. Schließlich hätten sich sowohl Verbraucher als auch Hersteller längst für die E-Mobilität entschieden.
Das sah der Präsident anders: Bei dem Thema gehe es auch um den großen Bestand von Millionen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. „Wenn nicht das Kfz-Gewerbe, wer sonst sollte dafür kämpfen?“, so Karpinski. Weil das Thema Elektromobilität ein wichtiges Branchenthema sei, müsse sich der ZDK außerdem auch dazu äußern, erklärte Koblitz.
Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die Elektromobilität auf dem Vormarsch ist und sich das Kfz-Gewerbe dieser mit geballter Kraft stellen müsse – unabhängig von den noch ungelösten Problemen.
ZDK-Geschäftsführer Werner Steber informierte die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter im Kfz-Verband über den aktuellen Stand bei der AÜK und bat die Landesverbände weiterhin um Unterstützung. Die erfolgte Akkreditierung sei keine Garantie für immer. Die Betriebe müssen die Vorgaben dauerhaft erfüllen, mahnte er.
Zugang zu sicherheitsrelevanten Daten
Von seinen Erfahrungen in Sachen AÜK-Akkreditierung hofft Steber nun bei der geplanten Akkreditierung nach dem SERMI-Schema zu profitieren. Aufgrund einer EU-Verordnung dürfen ab Juli 2021 nur angemeldete Werkstätten auf sicherheitsrelevante Daten zugreifen.
Der Zugang zu solchen sicherheits- und diebstahlrelevanten Reparatur- und Wartungsinformationen für Kfz-Betriebe wird künftig über die neue standardisierte Autorisierung nach dem SERMI-Verfahren erfolgen. „SERMA“ (Secure Repair and Maintenance Autorisation) soll das als akkreditierte Stelle gewährleisten. Diese autorisiere dann die Mitarbeiter der Kfz-Werkstätten zum Auslesen dieser Daten, die sich bei SERMA angemeldet haben. Steber hofft auf die Akkreditierungsurkunde bis Ende 2022.
eCar-Service soll Kfz-Betriebe auszeichnen
Der ZDK-Geschäftsführer warb ferner für das Projekt eCar-Service, dessen Zeichen Kfz-Werkstätten kennzeichne, die die entsprechenden Anforderungen des ZDK zur Elektromobilität erfüllten. Ziel sei, gemeinsam mit dem ZKF das Monopol auf die Kompetenz für E-Mobilität zu erhalten und sich gegen andere Unternehmen abzugrenzen.
Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk warnte davor, sich dieses Geschäft wegnehmen zu lassen. Mit Applaus reagierten die Teilnehmer auf die Nachricht, dass nach jahrelangem Kampf nun die Eichpflicht für AU-Prüfgeräte weggefallen ist.
Über die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt und die Aktivitäten der Initiative Autoberufe informierte Claudia Kefferpütz von der Abteilung Berufsbildung. Der Kampf um die Talente werde härter, entsprechend stärker müsse sich das Kfz-Gewerbe um seine Nachwuchskräfte bemühen. Aus diesem Grund habe sich die Initiative neu aufgestellt und konzentriere sich vor allem auf Leuchtturmprojekte, mit denen sie die Betriebe unterstützen könne.
Stand: 08.12.2025
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