Pkw-Markt Sondereffekt lässt Neuzulassungen im Juli steigen

Von Andreas Wehner 2 min Lesedauer

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Der deutsche Automarkt ist im vergangenen Monat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 11 Prozent gewachsen. Der Juli 2024 war jedoch schwach. Im bisherigen Jahresverlauf steht ein Minus in der KBA-Neuzulassungsbilanz.

(Bild:  Stellantis)
(Bild: Stellantis)

Der deutsche Automarkt ist im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich gewachsen. 265.000 Pkw-Neuzulassungen entsprachen einem Plus von 11,1 Prozent, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) hervorgeht.

„Das starke Plus im Juli ergibt sich aus einem Sondereffekt und ist keine Trendwende“, kommentiert Constantin M. Gall, Mobilitätsexperte beim Beratungsunternehmen EY, die Zahlen. Seit Anfang Juli 2024 sind in der EU für neu zugelassene Fahrzeuge einige zusätzliche Assistenzsysteme vorgeschrieben, zudem trat zu diesem Zeitpunkt eine neue Cybersecurity-Richtlinie in Kraft. Viele Hersteller schoben vor dem Stichtag Fahrzeuge in den Markt, die den neuen Vorschriften nicht mehr entsprachen. Diese vorgezogenen Neuzulassungen führten im Juni 2024 zu einem überdurchschnittlich hohen Absatzniveau – und zu einem schwachen Folgemonat, in dem die vorgezogenen Neuzulassungen fehlten.

„Es wäre naiv, bei diesen Rahmenbedingungen auf eine baldige Erholung des Neuwagenmarktes zu hoffen. Stattdessen sollte sich die Industrie auf eine längere Durststrecke einstellen“, sagt Gall mit Blick auf das restliche Jahr. Er erwartet für den Pkw-Markt ein Jahresergebnis auf Vorjahresniveau. Von Januar bis Juli liegen die Pkw-Neuzulassungen mit 1,67 Millionen Einheiten um 2,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

E-Autos legen zu

Bei den Antriebsformen zeigte sich im Juli ein ähnliches Bild wie im bisherigen Jahresverlauf: Reine Verbrenner verloren deutlich an Boden, Elektroautos, Plug-in-Hybride und Hybride (ohne Stecker) gewinnen hinzu. Allerdings rechnet das KBA Mildhybride zu letzteren – und nicht zu den Verbrennern.

Die Neuzulassungen von Elektroautos stiegen um 58 Prozent – das stärkste Plus seit August 2023, als noch die Umweltprämie für Schub sorgte. Der Marktanteil kletterte von 12,9 auf 18,4 Prozent. „Wir führen den Anstieg auf das deutlich größere Fahrzeugangebot in den Einstiegssegmenten zurück. Innerhalb der letzten Monate haben etliche Marken neue Modelle vorgestellt, die technisch ausgereift und vor allem für breite Kunden- und Nutzergruppen bezahlbar sind“, sagte Imelda Labbé, Präsidentin des Importeursverbands VDIK.

Experte: Zuwachsraten „mit Vorsicht zu genießen“

EY-Experte Gall warnt vor Euphorie: „Die aktuellen hohen Zuwachsraten bei Elektroautos sind mit Vorsicht zu genießen. Gegenüber dem sehr schwachen Vorjahr sehen wir zwar starke Zuwachsraten, aber im Mehrjahresvergleich haben wir eine deutlich geringere Wachstumsdynamik beziehungsweise gar kein Wachstum“, konstatiert Gall. Der Markt stehe heute da, wo er schon 2023 stand – damals allerdings noch mit staatlicher Förderung durch die Umweltprämie.

Der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, sieht noch Potenzial, das es mithilfe besserer Rahmenbedingungen auszuschöpfen gelte. Als Beispiele nannte er in einer Pressemitteilung Maßnahmen wie die spürbare Senkung der Stromsteuer, einen bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie verbraucherfreundliche Zahlungs- und Preismodelle beim öffentlichen Laden.

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