Studie: Autohändler verdienen zu wenig

Probleme oft in den Unternehmen selbst begründet

01.09.2010 | Redakteur: aw

Mehr als 90 Prozent aller Autohändler in Deutschland verdienen zu wenig. Die unzureichende Umsatzrendite der Firmen berge ein großes Risikopotenzial, heißt es in einer Studie von Dekra Consulting. „Für die Schaffung von Unternehmenswert ist eine Rendite von 2,2 Prozent Voraussetzung. Diese Stellgröße wird jedoch vielfach unterschritten“, erläutert Dekra-Consulting-Geschäftsführer Christian Polzer.

Eine nachhaltige Ertragssicherung finde damit bei der Mehrheit der Betriebe nicht statt. Die Spannweite zwischen renditestarken Unternehmen und Sanierungsfällen nehme immer weiter zu.

Obwohl die Umweltprämie einen Absatzschub bei Neuwagen ausgelöst habe, sei die Renditesituation im Handel nicht nachhaltig besser geworden. „Die strukturellen Probleme in der Branche sind nach wie vor vorhanden“, so Polzer. Das Rabattniveau im Neuwagengeschäft sei zu hoch. Der Neuwagenboom habe oft zu einer Vernachlässigung des Gebrauchtwagengeschäfts geführt. Des Weiteren wurden wichtige strukturelle Restrukturierungsmaßnahmen ausgesetzt. Die Insolvenzquote verharrte trotz Finanzmarktstabilisierungsgesetz auf einem sehr hohen Niveau.

Auch große Unternehmen in Schieflage

Neu gegenüber den letzten Jahren ist laut Dekra, dass nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen Probleme bekommen, sondern vermehrt auch große und traditionsreiche Unternehmen in Schieflage geraten. „Die eingesetzte Konsolidierung wird sich weiter fortsetzen“, heißt es dazu in der Studie.

Die Kapitalbindung im Kfz-Handel habe durch die höhere Lagerhaltung und die deutlich gestiegene Zahl der Standtage im Gebrauchtwagensektor zugenommen, stellten die Autoren fest. Die Eigenkapitalquote liege stabil bei niedrigen elf Prozent. Die Abhängigkeit von externen Finanzmitteln sei im Branchenvergleich extrem hoch.

Die Finanzkrise habe zudem die Aufnahme auch von gut besicherten Krediten deutlich erschwert. In der Folge falle es Banken in der Abwägung zwischen Sanierungsbegleitung und Insolvenz schwerer, Sanierungen zu begleiten und das notwendige Kapital zur Verfügung zu stellen, so die Studie.

Top-Performer mit guten Leistungen in schwierigen Zeiten

Die Dekra geht davon aus, dass sich die Marktsituation im Automobilhandel in den kommenden Jahren nicht merklich bessern wird. Dennoch wird es nach Einschätzung von Christian Polzer auch in Zukunft so genannte Top-Performer geben, die selbst in schwierigen Zeiten sehr gute Leistungen erzielen und neue Chancen konsequent nutzen.

Eine klare Handelsstrategie, gute Führung und weitsichtige Personalentwicklung, systematisches Kostenmanagement sowie exzellente Prozesse zeichnen diese Unternehmen aus. Diese vier Erfolgsfaktoren seien jedoch flächendeckend nur mangelhaft umgesetzt, so Christian Polzer. Allerdings gelinge es einer Gruppe von Autohändlern, auch unter schwierigen Umfeldbedingungen angemessene Renditen zu erzielen. „Dies bedeutet, dass die Ursachen für Erfolg oder Misserfolg zu großen Teilen in den Unternehmen begründet und somit von den Unternehmen selbst beeinflussbar sind“, schlussfolgert der Berater. Unternehmer und Geschäftsführer seien gefordert, Chancen und Renditepotenziale zu erkennen und zu nutzen.

Für die Studie „Erfolgreiche Sanierung und Restrukturierung im Automobilhandel“ wertete die Dekra Consulting die Daten von 152 Unternehmen aus, die saniert oder restrukturiert werden. Sie kostet 149,00 Euro und kann angefordert werden unter: www.dekra.de/studie2010

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