»kfz-betrieb«-Auto-Check Subaru Solterra – elektrisch in die Kurve

Von Andreas Grimm 5 min Lesedauer

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Subaru-Fahrzeuge sind normalerweise dort unterwegs, wo die E-Mobilität wenig zu melden hat. Doch Ausnahmen von der Dekarbonisierung gibt es nicht. Also muss auch Subaru ran – und liefert mit dem Solterra ein SUV mit guter Straßenlage ab. Beim Thema E haben die Japaner aber noch Nachholbedarf.

Subaru hat sein erstes Elektroauto auf den Markt gebracht: den Solterra.(Bild:  Grimm – VCG)
Subaru hat sein erstes Elektroauto auf den Markt gebracht: den Solterra.
(Bild: Grimm – VCG)

Subaru ist ins Elektrozeitalter aufgebrochen. Mit dem Solterra haben die Japaner ein solides und geräumiges SUV auf den Markt gebracht, an dem es wenig zu meckern gäbe, wäre nicht die Grundidee seiner Existenz eben jene Elektrifizierung gewesen. In der Praxis merkt man, dass die Elektromobilität für das Fabrikat bislang keine Herzensangelegenheit ist.

Natürlich gilt zunächst einmal, dass Subaru für den Solterra nicht die alleinige Verantwortung trägt: Das Auto ist schließlich vom Toyota bZ4X abgeleitet, Elektroantrieb inklusive. Insofern müsste man – wohl auch – die Techniker der großen Japaner in Sachen Reichweiten-Schelte und Praktikabilität in die Pflicht nehmen. Allerdings: Wichtige Funktionen wie die Regelung des elektrischen Allradantriebs hat Subaru nach früheren Angaben selbst entwickelt. Während Toyota die Reichweite seines E-Modells mit gut 500 Kilometern angibt, sind es beim Subaru nur etwas mehr als 400 Kilometer – wohlgemerkt jeweils mit einer 71,4 kWh fassenden Batterie und nach WLTP. Die gefahrene Version „Platinum Plus“ kommt offiziell 416 Kilometer weit.

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Im Alltagseinsatz gilt wie für viele E-Autos: Die wirkliche Reichweite ist deutlich geringer. Wie groß die Realitätslücke ausfällt, hängt beim Solterra erheblich von den Fahrumständen und der Geschwindigkeit ab (und mit Sicherheit von der Außentemperatur – aber die blieb während der Probefahrten sommerlich). Im nicht normierten Testeinsatz ließ sich das Fahrzeug auf der Landstraße und im Stadtverkehr mit vorausschauendem Fahren und unter Einsatz der in vier Stufen regulierbaren Rekuperation tatsächlich auf einen Verbrauch von 18 bis 20 kWh bringen. Damit erschien zunächst eine Reichweite von rund 350 Kilometern durchaus realistisch. Das entspräche einer Reichweitenlücke von etwa einem Sechstel.

Dann allerdings folgte die Autobahnfahrt – und die Reichweite schmolz erschreckend dahin. Der Solterra hatte nur den Fahrer und wenig Gepäck an Bord, die Geschwindigkeit pendelte meist zwischen 120 und 130 km/h, die Autobahn war frei, der Akku wurde ohne ständige Brems- und Beschleunigungsmanöver wenig gefordert, die Klimaanlage bliebt wegen einer Nachtfahrt aus. Trotzdem: Nach drei Kilometern realer Fahrstrecke berechnete der Bordcomputer fünf Kilometer weniger Reichweite. Auf diese Weise wird der gut 110 Kilometer weite Ausflug von Würzburg nach Frankfurt und zurück zum Abenteuer. Unwillkürlich drängte sich die Schlagzeile vom Jahresanfang in den Sinn: Subaru Solterra – Loch im Tank? Immerhin: Mit wenigen Kilometern Restreichweite hing der Solterra nach dem Ausflug wieder am heimischen Stecker.

Hektik an der Ladesäule

Verbrauch ist die eine, das Nachladen die andere Seite der Elektro-Medaille. In diesem Punkt ist ebenfalls Luft nach oben. Natürlich muss man sich an den Ladeprozess eines jeden Herstellers erst einmal gewöhnen. Das gewohnte Spiel von Tankdeckel auf und Zapfhahn rein ist eben nicht. Beim Solterra wusste man allerdings nie so recht, ob das Fahrzeug jetzt lädt, und insbesondere nicht, warum es gerade nicht lädt. Zwar signalisiert eine kleine grüne Leuchte über der Ladebuchse den Stromfluss. Doch die ist so lichtschwach, dass man bei Sonneneinstrahlung nichts erkennt. Dann blinkt im Display ein Steckersymbol – was aber noch lange keinen Ladevorgang anzeigt. Drittens erfährt man vom Ladefortschritt und Akkuladestand erst, wenn man die Tür öffnet (und das auch nur kurz).

Ein weiteres Problem war mehrfach, den Ladeprozess überhaupt zu starten. Die logische Abfolge von „Stecker rein“ und „Ladesäule freischalten“ war nicht immer von Erfolg gekrönt. Zwar ratterte die Steckerverriegelung, doch der Stromfluss sprang nicht an. Bis zum Schluss und über mehrere Testpersonen hinweg blieb unklar, welche Konstellationen den Ladeprozess blockieren bzw. in Gang setzen. Allerdings gab es auch Ladeversuche, die sofort funktionierten. Zumindest lässt sich festhalten: Der Ladeprozess funktioniert nicht intuitiv.

Zuletzt gibt es beim Laden nur ein „Befriedigend“ hinsichtlich der Ladedauer. Auf 150 kW ist der Solterra auf dem Papier ausgelegt. Damit sollten die Schnelllader etwas anfangen können. Leider war der Versuch am Ladepark trotzdem zeitraubender als erwartet. Weil es aber nur ein singulärer Eindruck war, soll er nicht zu hoch gehängt werden. Am 22-kW-Lader in der Nachbarschaft füllte sich der Akku jedenfalls problemlos.

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Im Kern schon ein Subaru

Das Zwischenfazit – elektrisch bedingt tauglich – soll aber nicht über eines hinwegtäuschen: Der Solterra ist ansonsten ein grundsolides Auto. Er liegt dank Allradantrieb (es ist schließlich ein Subaru!) gut auf der Straße und in der Kurve. Etwas hektisch wird es bei der scharfen Anfahrt in die Kurve höchstens, wenn man sich aus Stomspargründen zu sehr auf die Verzögerung durch die Rekuperation verlässt und dann doch noch mechanisch in die Eisen steigen muss. Wobei die Bremsen sofort und überzeugend ansprechen und das Fahrwerk (oder die Assistenten) das Auto in der Spur halten. Auch die Federung wirkt gut abgestimmt und komfortabel für längere Strecken.

Und dann punktet der Solterra noch mit seinem Platzangebot. Fahrer und Beifahrer sitzen sehr luftig mit viel Kopffreiheit. Auch auf den Rücksitzen ist für normal große Erwachsene genug Raum. Das Panorama-Glasdach in der Platinum-Plus-Ausstattung gibt bei Bedarf zudem den Blick frei auf die Weite der Umgebung. Der Kofferraum fasst 480 Liter. Mit umgeklappten Rücksitzen stehen 1.415 Liter Stauraum zur Verfügung. Insbesondere längeres Gepäck lässt sich dann gut in den Wagen schieben. Mit einer steileren Heckscheibe würde sich allerdings das Ladevolumen nochmals deutlich verbessern.

Überhaupt das Heck: Erstaunlicherweise hat Subaru keinen Wischer für die hintere Scheibe eingebaut, was bei dieser Größe und Neigung ungewöhnlich ist. Während der Testfahrten gab es damit keine Probleme. Aber bei längerer Nutzung, speziell in staubigem Gelände oder bei feinem Sprühregen könnte die Sicht nach hinten schon schlecht werden. Und dann die Spoiler. Während der Bürzel in der Mitte noch unauffällig daherkommt, verlängern zwei Elemente links und rechts die Dachreling. Der Anblick ist ein Stück weit gewöhnungsbedürftig, aber wenn es aerodynamisch hilft ...

Gewöhnungsbedürftig sind nicht zuletzt die Bedienbarkeit und Überschaubarkeit der Elemente im Cockpit. Uneinig waren sich die Testfahrerinnen und Testfahrer in der Redaktion, ob nun die Sicht aufs Kombiinstrument hinter dem Lenkrad gut ist oder nicht. Wesentlich dafür sind letztlich die individuellen Sitzgewohnheiten und die Lenkrad-Einstellungen, sodass hier ein abschließendes Urteil entfällt. Oben angeklungen ist schon die Kritik an der Ladesteuerung – aber auch manch anderer Punkt des Touchscreens ließ sich nicht intuitiv finden. Zumindest nicht für einen Subaru-Neuling. Erfreulich ist dagegen, dass die Bedienung der Klimaanlage noch über eigene Schalter in der Mittelkonsole erfolgt.

Fazit

Der Subaru Solterra ist ein solides Auto, das sich aber wegen einiger Schwächen im E-Bereich vermutlich im Konkurrenzkampf schwertun wird. Auch der Grundpreis von 61.990 Euro dürfte den E-Auto-Skeptikern in die Karten spielen. Welche Klientel will oder kann diese Summe zahlen – bzw. würde stattdessen nicht doch eher ein Modell mit mehr Glamour bevorzugen? Mit 0,1 Prozent Marktanteil ist Subaru nicht unbedingt ein Selbstläufer in Deutschland. Immerhin war die getestete Version schon ordentlich ausgestattet mit aktiven und passiven Fahrassistenzsystemen, Annehmlichkeiten (Panorama-Glasdach), Multifunktionssitzen vorn und Sitzheizung.

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