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Techno Classica: Einen Gang runterschalten

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Über Jahre hinweg kannte die weltgrößte Oldtimermesse nur eine Marschrichtung: nach oben. Doch in diesem Jahr gingen die Besucherzahlen erstmals spürbar zurück. Eine OIdie-Müdigkeit herrscht hierzulande jedoch nicht.

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Erstmals seit Langem verzeichnete die größte Oldtimermesse der Welt 2017 einen Besucherrückgang.
Erstmals seit Langem verzeichnete die größte Oldtimermesse der Welt 2017 einen Besucherrückgang.
(Bild: Dominsky / »kfz-betrieb«)

Bekanntlich ist ja nicht das Hochkommen schwer, sondern vielmehr das Obenbleiben. Diese Tatsache bekam mit dem Schließen der Tore bzw. dem Auszählen der verkauften Eintrittskarten am vergangenen Sonntag auch die S.I.H.A zu spüren, der Veranstalter der Techno Classica, der weltgrößten Oldtimerschau. Zwar darf sich die älteste Klassiker-Veranstaltung hierzulande nach wie vor – und vermutlich auch viele Jahre weiterhin – die Nummer 1 nennen, doch erstmals ging es in Sachen Besucherzahlen in diesem Jahr deutlich zurück.

Während die Essener Großveranstaltung 2016 mit 201.000 Besuchern erstmals die 200.000-Marke knackte, folgten in diesem Jahr nur 185.000 Jünger dem Ruf ins bekannte Oldie-Mekka nach Essen. Das ist sogar weniger als der über die letzten Jahre kontinuierliche Zuspruch von rund 190.000 Teilnehmern. Über die Ursachen für die Trendwende kann man trefflich spekulieren. Eine Ursache dürfte – das Prinzip freie Marktwirtschaft lässt grüßen – schlicht und ergreifend der gestiegene Wettbewerb sein. Denn das Angebot an entsprechenden Klassik-Events ist über die Jahre hinweg gewachsen.

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Lange Zeit zählte der automobile Oldie-Kalender in Deutschland drei Großveranstaltungen; neben Essen und Stuttgart gehört dazu Bremen („Classic Motorshow“). Die „Klassikwelt Bodensee“ hingegen richtet sich mit ihrem Angebot, das auch Luft- und Schifffahrt umfasst, nicht ausschließlich an automobile Fans und lässt sich somit nur bedingt hinzurechnen. So kam erstmals 2015 mit der „Motorworld“ in Berlin eine weitere Fachmesse für automobiles Kulturgut hinzu.

Und nicht nur, dass die Nummer 2 der Oldie-Messen, die Retro Classics Stuttgart, Jahr für Jahr wächst (2017 rund 90.000 Besucher): Die Schwaben haben begonnen, ihre Oldie-Offerte deutlich auszubauen. So eröffnete im vergangenen Dezember in Nürnberg erstmals die „Retro Classics Bavaria“ ihre Pforten und last but not least ergänzt ab diesem Jahr im November auch noch die „Retro Classics Cologne“ in Köln das Angebot.

Hier rund 25.000, da rund 25.000: Nicht jeder Besucher, der nach Berlin oder Nürnberg reiste bzw. nach Köln reisen wird, wird auch der Techno Classica bzw. der Retro Classics in Stuttgart einen Besuch abstatten. Von daher ist es völlig nachvollziehbar, dass für die etablierten Messen die Bäume in Sachen Besucherzahlen kaum in den Himmel wachsen dürften. Inwieweit also gerade das Modell der Stuttgarter Messemacher aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Hinzu kommt, so angenehm die Sache mit den kürzeren Distanzen für die Besucher auch ist: Die Aussteller stöhnen immer öfter vor dem Hintergrund, nur eine oder zwei Messe-Präsenzen abbilden zu können. Auf mehreren Hochzeiten zu tanzen ist vielen schlicht und ergreifend nicht möglich.

2018 droht der organisatorische Supergau

Und es sind nicht nur die „Kleinen“, die mit der Messevielfalt ihre liebe Mühe haben. Deutlich machen dies allen voran die Automobilhersteller. Das Gros hat sich fest auf der Techno Classica etabliert. Selbst eine Messe Stuttgart schafft es bislang „nur“, die lokalen Vertreter wie Porsche und Mercedes-Benz sowie BMW in überschaubarem Umfang anzulocken.

Ein echter organisatorischer Supergau droht im kommenden Jahr hingegen vielen Ausstellern. Denn selbst die, die Willens und in der Lage sind, auf beiden großen Oldie-Messen mit Präsenz zu glänzen, müssen sich 2018 nach dem Motto „entweder – oder“ entscheiden; denn, wie 2012 schon einmal, finden Techno Classica und Retro Classics wieder zeitgleich statt. Obwohl sich beide Veranstalter geschworen hatten, diesen Supergau für sämtliche Beteiligten nicht noch ein weiteres Mal zu wiederholen, sind beide Messen vom 21. bzw. 22. bis 25. März 2018 geplant. Schuld an dieser Misere ist wohl der Essener Veranstalter bzw. die Messegesellschaft. Statt traditionell im April wird die 2018-Auflage der Techno Classica nun im März stattfinden. Wie sich das die Besucherzahlen auswirken wird? Man muss wohl kein Prophet sein, um das zu erahnen. Schade.

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