Im Lehrberuf Industriemechaniker sah Andreas Röttgen für sich keine Zukunft. Sein Vater eröffnete kurzerhand eine Kfz-Werkstatt in der heimischen Garage, und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Und die wiederum sorgte für die Platzierung in den Top Ten des Deutschen Werkstattpreises.
Ein junges erfolgreiches Team erwartet die Kunden aller Fabrikate bei Kfz-Röttgen in Erftstadt.
(Bild: Wenz - VCG)
Schon im ersten Lehrjahr zum Industriemechaniker erfuhr Andreas Röttgen von seinem Ausbildungsbetrieb, dass er nach seiner Ausbildung auf keinen Fall übernommen werde. Für die Familie Röttgen – der Vater ist gelernter Tankwart und war damals schon in Rente – war die Perspektivlosigkeit des Sohns zunächst ein Schock, von dem sich der Vater allerdings schnell erholte und „einfach etwas versuchen wollte.“
Das war im Jahr 2004. Damals startete Vater Röttgen mit der Reparatur von Autos in der heimischen Garage. Sein Sohn Andreas entwickelte Flyer und sorgte dafür, dass die zunächst provisorische Werkstatt in Erftstadt bekannt wurde. Es dauerte nicht lang, bis die Familie Röttgen in Erftstadt Lechenich einen Betrieb mit vier Hebebühnen eröffnete. Andreas Röttgen setzte damals alles auf eine Karte und schmiss seine Ausbildung zum Industriemechaniker. Ein Schritt, von dem seine Eltern überhaupt nicht begeistert waren, der sich aber im Nachhinein als goldrichtig herausstellen sollte.
Die Werkstatt entwickelte sich gut – die Kunden nahmen das Angebot gerne an. Der Vater arbeitete als Meister in der Werkstatt, Andreas als „Geselle“ und seine Mutter kümmerte sich um die administrativen Aufgaben. Es dauerte fünf Jahre, biss der erste Geselle eingestellt werden konnte, danach folgte schnell der erste angestellte Meister. Andreas hatte inzwischen begonnen, die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker im eigenen Betrieb nachzumachen. Mit der Zeit zählte der Betrieb sechs Mitarbeiter, davon zwei Kfz-Meister.
Alles aus einer Hand anbieten
Andreas wollte mehr. Er wollte den Betrieb wachsen sehen – sein Vater eher nicht. Diesem war es wichtiger, seinem Sohn ein schuldenfreies Unternehmen übergeben zu können, was er dann auch tat. Andreas Röttgen hatte seine Wachstumspläne aber noch nicht aufgegeben und fand 2019/2020 das Grundstück mit Halle in der Siemensstraße in Erftstadt-Lechenich. Trotz Corona-Pandemie investierte er in den neuen Betrieb. „Wir haben bis dahin unsere Karosserie- und Lackarbeiten immer fremdvergeben“, berichtet Andreas Röttgen. Das war für ihn nicht befriedigend, er wollte alle Arbeiten „aus einer Hand“ anbieten.
Der Corona-Lockdown erwies sich für Kfz-Röttgen eher als hilfreich: „Wir galten mit dem Werkstattbetrieb als systemrelevant und durften deshalb weiter arbeiten. Gleichzeitig scheuten sich die Verbraucher in neue Autos zu investieren; der Bedarf an Reparatur- und Wartungsarbeiten stieg. Das hat uns extrem geholfen", führt Andreas Röttgen aus.
Fragt man Röttgen nach dem Leistungsportfolio seines Unternehmens, landet er schnell wieder bei seiner Vision „alles aus einer Hand“. Das betrifft nicht allein alle mechanischen Arbeiten am Fahrzeug, inklusive der Achsvermessung und FAS-Kalibrierung sowie die Karosserie- und Lackarbeiten. Röttgen wurde beispielsweise im Rahmen einer Oldtimerrestaurierung mit dem Thema Sitzbezüge konfrontiert. Er stellte sich dieser Herausforderung und sorgte dafür, dass der Kunde mit seiner Gesamtleistung sehr zufrieden war. Das sprach sich schnell herum, was dazu führte, dass der Erftstädter Unternehmer in seinen Betrieb nicht nur weitere Restaurierungsaufträge bekam, sondern dass die Dienstleistung Sattlerarbeiten immer häufiger nachgefragt wurde. Röttgen integrierte eine eigene Sattlerei mit dem entsprechenden Fachpersonal in seinen Betrieb. Gerade hat er den dritten Sattler eingestellt.
Der nächste Schritt war das Caravangeschäft. Bei Kfz-Röttgen bekommt der Wohnmobilkunde nicht nur Reparaturen und Wartungen, sondern er kann sich sein Fahrzeug hier auch nachrüsten lassen, beispielsweise mit Solaranlagen und Hubbühnen.
Bis heute hängen vier Fachbetriebszeichen in der Reparaturannahme von Kfz-Röttgen: Fahrzeugbau, Fahrzeuglackierung, E-Mobilität und Karosserie. Auch die Motoren- und Getriebeinstandsetzung wird inzwischen selbst gemacht. „Zudem wollen wir hier demnächst auch Steuergeräte selbst reparieren“, ergänzt der Unternehmer. Bisher würden Steuergeräte eingeschickt, wenn man in der Werkstatt irgendwelche Fehler feststelle. „Dann steht das Auto in der Regel eine Woche hier, bis wir das Steuergerät repariert zurück erhalten. Das versuchen wir gerade in Eigenregie zu aufzubauen. Damit wollen wir die Wartezeit für den Kunden reduzieren und blockieren uns mit diesen Fahrzeugen die Stellplätze nicht so lang.“
Stand: 08.12.2025
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Sein Unternehmen würde tatsächlich so gut wie alle Aufträge annehmen. Wichtig sei, mit dem Kunden offen und ehrlich umzugehen. Das würde auch beinhalten, dem Kunden zu sagen, dass der Auftrag eventuell etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte, wenn man sich mit dem Problem des Kunden noch nicht so gut auskenne. Er sage in solchen Fällen: „Wenn wir es nicht hinbekommen, muss der Kunde auch nichts bezahlen. Wir wollen dazulernen. Das zeichnet uns gegenüber unserem Wettbewerb in der Region aus“, führt Röttgen aus.
Wer weggeschickt wird, kommt nicht wieder
Kfz-Röttgen würde keinen Kunden so schnell wegschicken. Die Erfahrung zeige, dass der Kunde nicht mehr wiederkommt, wenn er eine Dienstleistung in einem anderen Betrieb zu seiner Zufriedenheit erhalte. Deshalb setze man alles daran, dass der Kunde in der Werkstatt bleibe, fügt Röttgen an. Man verdiene damit nicht immer Geld. „Manchmal haben wir auch Nullnummern, aber wir lernen daraus“, sagt Röttgen.
In allen Geschäftsbereichen hat Röttgen das gleiche Problem: fehlendes Fachpersonal. „Im Bereich Karosserie bekomme ich derzeit überhaupt keine Mitarbeiter, nach dem dritten Sattler musste ich lange suchen. Auch in den anderen Bereichen wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden“, beschreibt Röttgen die Situation. Derzeit arbeiten drei Meister, drei Azubis und sieben Gesellen in seiner Werkstatt. Im Unfallreparaturgeschäft arbeitet Röttgen derzeit mit keiner Versicherung und keinem Flottenbetreiber zusammen. „Wir sind im Karosseriebereich unterbesetzt und könnten diese zusätzlichen Aufträge gar nicht stemmen", resümiert Röttgen.
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