VW: 16 Prozent auf alles – außer Elektroautos

Autor: Christoph Seyerlein

Nachdem sich die Hoffnung auf eine staatliche Autokaufprämie nicht erfüllte, will Volkswagen den nach wie vor äußerst schleppenden Verkauf von Neuwagen in Deutschland selbst ankurbeln. Mittel der Wahl ist eine „geschenkte“ Mehrwertsteuer für alle Modelle außer E-Autos.

Firmen zum Thema

(Bild: Voets Automobilholding)

Die Hoffnung auf eine staatliche Kaufprämie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor war bei Volkswagen stark ausgeprägt. Erfüllt hat sie sich bekanntermaßen nicht. Allein auf den von der Bundesregierung angekündigten um drei Prozentpunkte niedrigeren Mehrwertsteuersatz will sich der Hersteller nun offenbar nicht verlassen, wenn es darum geht, den Absatz wieder anzukurbeln. Deshalb wollen die Wolfsburger ab sofort Privatkunden, die bis zum 30. September 2020 einen VW-Neuwagen kaufen, 16 Prozent Mehrwertsteuer zu schenken. Ausgenommen von der Aktion sind die Elektromodelle ID 3 und E-Up.

Volle 16 Prozent Nachlass werden beim Kunden allerdings nicht ankommen, da sich das Angebot auf den Mehrwertsteueranteil der jeweiligen Bruttokaufpreise der Modelle bezieht. Netto entspricht das dann letztlich einem Rabatt von 13,79 Prozent.

VW-Deutschlandchef Holger B. Santel bezeichnete das staatliche Konjunkturpaket als hilfreich, „um die Menschen in der Krise zu unterstützen und die Verbraucherstimmung positiv zu beeinflussen“. Drei Prozent Mehrwertsteuersenkung und die Förderung der Elektromobilität seien „gute Hebel“, den Konsum und die Nachfrage anzuregen und damit die Wirtschaft in Gang zu bringen. „Wir wollen aber mehr für unsere Kunden tun“, betonte Santel mit Blick auf Volkswagens heutige Ankündigung.

Das Angebot ist mit der bereits laufenden „VW für euch“-Aktion kombinierbar, mit der der Hersteller Kunden den Autoneukauf mit speziellen Leasing- und Finanzierungskonditionen und einem „Rundum-Sorglos-Paket“ schmackhaft machen will.

Handel lechzt nach Verkäufen

Bei den VW-Händlern ist aktuell jede Aktion, die den Verkauf von Fahrzeugen ankurbeln könnte, besonders willkommen. „Es muss sich dringend etwas tun“, sagte ein VW-Partner im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Die Zahlen seien infolge der Corona-Pandemie immer noch sehr schwach. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren die Neuzulassungen der Marke in Deutschland im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 51,5 Prozent rückläufig. Noch schlimmer hatte es im April (-63,9 %) ausgesehen. Im Gesamtjahr hat VW nach fünf Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum 34,7 Prozent an Neuzulassungen eingebüßt.

Ende April hatte der Wolfsburger Autobauer zudem mit einer Preiserhöhung von durchschnittlich zwei Prozent auf fast die gesamte Modellpalette für Aufsehen gesorgt. Im Handel kam jene Maßnahme, die VW vor allem mit dem „üblichen Inflationsausgleich“ begründete, nicht gut an.

Die nun angekündigte „geschenkte“ Mehrwertsteuer bewertete der VW-Händler als „werbetechnisch gut“. „Aber inwieweit das Leute wirklich bewegt, Autos zu kaufen – da bin ich skeptisch“, merkte er an. Er fürchte, dass auch das „nicht der Impuls sein wird, den wir brauchen.“ Seiner Meinung nach könnten beispielsweise Konsumgutscheine mit einem festen Ablaufdatum Verbraucher eher zum Konsum bewegen als alle bislang getroffenen Hilfsmaßnahmen.

(ID:46664621)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur