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VW baut Abteilung für digitalen Direktvertrieb auf

Autor: Christoph Seyerlein

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann hat am Mittwoch deutlicher als bislang angekündigt, dass der Hersteller online direkt Autos verkaufen will. Das eigene Ökosystem werde „auch eine Abteilung für Autovertrieb“ bekommen.

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VW will das „größte automobile Ökosystem der Welt“ erschaffen.
VW will das „größte automobile Ökosystem der Welt“ erschaffen.
(Bild: Volkswagen)

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann hat im Rahmen einer Telefonkonferenz am Mittwoch deutlicher denn je herausgestellt, dass der Hersteller die neuen Händlerverträge auch als Türöffner für den Online-Direktvertrieb nutzen wird. „Wir werden uns als Hersteller die Möglichkeit vorbehalten, Autos direkt zu vertreiben – aber immer in Absprache mit unseren Handelspartnern“, sagte Stackmann. In seinem digitalen Ökosystem – das Stackmann gerne auch als digitales Kaufhaus bezeichnet – wird VW in absehbarer Zeit auch Fahrzeuge anbieten – oder wie es der Vertriebsvorstand formulierte: „Unser digitales Kaufhaus wird auch eine Abteilung für Autovertrieb haben.“

Zwar sei der Verkauf von Autos und Kleinstfahrzeugen erst in Ausbaustufe zwei des Ökosystems geplant. In Ausbaustufe eins werden zunächst Dienstleistungen wie Over-the-air-Updates, Charging-Dienste oder Park-Angebote über die Plattform gesteuert. Doch in jener Deutlichkeit hatte Stackmann selbst bislang noch nicht vom digitalen Direktvertrieb gesprochen.

Die Möglichkeit, mit Kunden direkt in Kontakt zu treten, sei eine „entscheidende Veränderung“ für die Marke, die „entscheidende Vorteile für die Kunden“ mit sich bringe, zeigte sich Stackmann überzeugt. „Es wird möglich sein, einen Kunden ganz individuell zu betreuen, rund um die Uhr“, so der Vertriebsvorstand. Auch spezielle Kundenbindungs- oder Rabattprogramme könnten ihren Platz in der Plattform finden.

„Wir werden Teil der täglichen Lebenswelten unserer Kunden sein“, sagte der Manager. Über das eigene Ökosystem könne man Kunden nicht mehr nur über das Auto erreichen, sondern mit „digitalen Mehrwertdiensten“ beispielsweise auch auf ihren Smartphones. Damit will der Hersteller zusätzliche Umsätze „in Milliardenhöhe“ generieren, sagte Stackmann. Zuvor müsse man aber die entsprechenden Strukturen schaffen. „Wir haben ein klares Ziel und einen klaren Plan für unsere Digitalisierungsoffensive“, so der Vertriebsvorstand.

VW übernimmt Wireless-Car

Bereits im August hatte Konzernchef Herbert Diess angekündigt, bis 2025 mit 3,5 Milliarden Euro die eigene digitale Kompetenz zu stärken. Jüngste Errungenschaft dabei ist die Übernahme des Telematik-Spezialisten Wireless-Car von Volvo, die Volkswagen am Mittwoch publik machte. Für rund 110 Millionen Euro hat der Autobauer 75,1 Prozent der Anteile an dem Unternehmen aufgekauft – noch unter Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen. Vorerst wolle man mit Volvo zusammenarbeiten, aber auch eine Komplettübernahme sei nicht ausgeschlossen.

Wireless-Car soll VW dabei helfen, die eigene Fahrzeugflotte zu vernetzen. Erstes vollvernetztes Auto der Marke wird 2020 der erste Ableger der elektrischen I.D.-Familie, der „Neo“, sein. Das Unternehmen bietet eine eigene technische Plattform und entwickelt digitale Dienstleistungen. Hierzu zählen beispielsweise Concierge- und Abrechnungsdienste (z.B. Maut) ebenso wie Sicherheits- und Notfalldienste (z.B. Ferndiagnose, Pannenservices). Derzeit sind weltweit rund 3,5 Millionen Fahrzeuge verschiedener Hersteller über diese Plattform vernetzt.

Für Volkswagen ist Wireless-Car der dritte zentrale Partner für den Aufbau des „größten automobilen Ökosystems der Welt“, wie es der Hersteller selbst anpeilt. Zuvor hatten die Wolfsburger bereits Partnerschaften mit Microsoft und Diconium geschlossen. Stackmann sagte dazu: „Wir haben erkannt, dass wir unsere Software-Kompetenz mit externen Partnern ergänzen müssen.“ Ähnlich hatte sich zuletzt bereits VW-COO Ralf Brandstätter geäußert. Nun habe man drei große Technologiepartner für seine Digitalplattform an Bord – und das weniger als sechs Monate nach Ankündigung der Digitalisierungsoffensive. Für Jürgen Stackmann ein Grund, stolz zu sein: „Wir haben geliefert und das mit hohem Tempo. Nun geht es an die Umsetzung. Volkswagen wird zu New Volkswagen.“

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«