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VW muss Auslieferung des Golf 8 stoppen

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Die Wolfsburger haben es schon wieder nicht hingekriegt: Erneut wird der Golf 8 wegen Software-Problemen zum Sorgenkind. Vorerst geht kein Neuwagen zu den Kunden, viele neuwertige Modelle müssen in die Werkstätten.

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VW kann vorerst den Golf 8 nicht weiter ausliefern. Der E-Call funktioniert unter umständen nicht.
VW kann vorerst den Golf 8 nicht weiter ausliefern. Der E-Call funktioniert unter umständen nicht.
(Bild: VW)

Volkswagen muss sich auf einen Rückruf des gerade gestarteten Golf 8 einstellen und hat einen Auslieferungsstopp für das neue Modell verhängt. Grund sind Schwierigkeiten mit der Software für den elektronischen Notrufassistenten E-Call. Als erstes hatte der „Spiegel“ über die Probleme berichtet. Die aktuellen Probleme verschärfen die Situation beim Golf, dessen Anlauf bereits missraten war. Störungen an Software und Elektrik hatten die Auslieferungen Ende 2019 massiv beeinträchtigt. Vertriebschef Jürgen Stackmann hatte eingestehen müssen: „Wir haben es nicht hinbekommen.“

Nach Angaben aus Konzernkreisen vom Freitag müssen nun womöglich mindestens 30.000 Exemplare des wichtigsten VW-Produkts in die Werkstatt. Die Golf-Produktion gehe vorerst weiter – aber alle Neuwagen würden erst einmal auf Lager genommen.

VW bestätigte den Lieferstopp am Nachmittag. Man habe „im Rahmen von internen Untersuchungen festgestellt, dass es bei einzelnen Fahrzeugen des Modells Golf 8 zu einer nicht verlässlichen Datenübertragung am Steuergerät kommen kann“. Daher lasse sich die Funktion des Notrufassistenten nicht voll gewährleisten. Eine Entscheidung des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zu einem Rückruf und einer Abhilfemaßnahme per Softwareupdate stehe in den nächsten Tagen an.

Die Störung an der sogenannten Online-Connectivity-Unit führt laut „Spiegel“ dazu, dass der E-Call-Assistent, mit dem der Fahrer Notrufe absetzen kann, teilweise nicht richtig funktioniert. Der Fehler ist doppelt heikel, da der E-Call in der EU seit April 2018 für neue Modelle zwingend vorgeschrieben ist. Der Fehler ist nach VW-Angaben bei Routine-Überprüfungen in der VW-Qualitätssicherung aufgefallen.

Der Hersteller arbeite nun unter Hochdruck an der Lösung des Problems, zitiert der „Spiegel“ aus einer internen Mitteilung. Voraussichtlich ab Kalenderwoche 25, also zwischen dem 15. und 21. Juni, werde das notwendige Update verfügbar sein.

Der Rückruf dürfte die Stimmung bei Volkswagen verschlechtern. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte erst vor einigen Wochen seinen Ärger über nicht abreißende Probleme beim neuen Golf 8 ausgedrückt. Nach Osterlohs Einschätzung könnten die Probleme beim Golf neue Risiken für Jobs heraufbeschwören. "Wer so mit dem Golf spielt, spielt auch mit den Arbeitsplätzen der Beschäftigten", hatte er gesagt.

Sorgen dürfte Osterloh auch bereiten, dass Volkswagen bereits beim ID 3, der zentralen Neuheit dieses Jahres, mit Software-Problemen kämpft. Noch immer ist der offizielle Marktstart des Modells nicht klar. Vor einiger Zeit war über eine Verschiebung spekuliert worden.

Offiziell erklärte Volkswagen mehrmals, man sei beim ID.3 im Plan und werde im Sommer so weit sein. Beobachter berichteten allerdings auch von vielen eigentlich fertigen Autos, die zwischengelagert und erst später mit dem kompletten Software-Umfang bespielt werden sollen. VW erklärte dazu, die zuerst installierte Version der Software solle beim ID 3 nachträglich in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden.

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