Unfallstudie der Versicherer Wenn es knallt, sind E-Autos sicherer – meistens

Von Doris S. Pfaff 2 min Lesedauer

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Elektroautos stellen bei Unfällen kein erhöhtes Risiko dar. Oftmals bieten sie Insassen sogar mehr Sicherheit als Verbrennerfahrzeuge. Aber es gibt auch Risiken. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Versicherer zur Unfallforschung.

Elektrofahrzeuge stellen bei Verkehrsunfällen für die Insassen kein höheres Risiko dar. Oftmals sind sie sogar sicherer. Jedoch sorgen die fehlenden Motorgeräusche für mehr Unfälle mit Fußgängern.(Bild:  Harald Almonat)
Elektrofahrzeuge stellen bei Verkehrsunfällen für die Insassen kein höheres Risiko dar. Oftmals sind sie sogar sicherer. Jedoch sorgen die fehlenden Motorgeräusche für mehr Unfälle mit Fußgängern.
(Bild: Harald Almonat)

Elektroautos schneiden im direkten Vergleich mit Verbrennern in puncto Sicherheit bei Unfällen nicht schlechter ab. Im Gegenteil: Für Insassen bieten sie oftmals mehr Schutz. Nicht jedoch bei Unfällen mit Fußgängern.

Die deutschen Versicherer bewerten Elektroautos auf Basis einer aktuellen Studie ihrer Unfallforschung (UDV) insgesamt als sichere Alternative zum Verbrenner. Grundlage ihrer Einschätzung ist eine Auswertung von knapp 500 schweren Unfällen aus der Unfalldatenbank der Versicherer, bei der E-Pkw systematisch mit baugleichen Verbrennern verschiedener Klassen verglichen wurden. Ergänzt wurde die Analyse durch Literaturrecherchen und eine Befragung von Nutzenden.

E-Autos sind zu leise: Mehr Unfälle mit Fußgängern

Im Ergebnis sehen die Versicherer keine erhöhte Schadenhäufigkeit bei E-Autos. Gleichzeitig identifiziert die UDV charakteristische Unterschiede im Unfallgeschehen. So ereignen sich Fußgängerunfälle mit E-Pkw überdurchschnittlich häufig bei niedrigen Geschwindigkeiten – etwa beim Anfahren, Rückwärtsfahren oder Abbiegen bei schlechten Lichtverhältnissen. Als Ursache gilt eine eingeschränkte Wahrnehmbarkeit bei Fußgängern, soll heißen, E-Autos sind nicht laut genug. Die vorgeschriebenen künstlichen Fahrgeräusche unter 20 km/h werden laut Studie teils als zu leise oder nicht eindeutig zuordenbar eingeschätzt.

Zudem verweisen die Versicherer auf Hinweise aus der Datenauswertung, wonach Fehlbedienungen beim Anfahren häufiger auftreten könnten. Betroffen sind insbesondere Fahrzeuge mit One-Pedal-Drive: Beim Anfahren verwechseln Fahrer häufiger die Pedalfunktion, d.h. dass durch das Senken des Fußes das Fahrzeug beschleunigt und beim Fuß heben abbremst. Höheres Alter scheint die Problematik zu verstärken: In der Analyse war knapp jeder zweite auf diese Weise Verunfallte älter als 75 Jahre. Die UDV sieht hier weiteren Forschungsbedarf.

Mehr Schutz bei den Insassen – und weniger riskante Fahrstile

Vorteile zeigen sich beim Insassenschutz: Vor allem kleinere E-Modelle schneiden besser ab als vergleichbare Verbrenner, was unter anderem auf moderne Sicherheitstechnik und das höhere Fahrzeuggewicht zurückgeführt wird. Gleichzeitig kann das Mehrgewicht den Partnerschutz verschlechtern, da Unfallgegner durch das höhere Gewicht der E-Autos stärker belastet werden.

Interessant ist ein weiteres Ergebnis der Analyse: Fahrer von E-Autos sind im Durchschnitt weniger riskant unterwegs als Fahrer von Verbrennern. In den untersuchten Fällen verloren sie seltener die Kontrolle über den Wagen und hatten weniger Alkohol- und Drogenunfälle.

Für das Kfz-Gewerbe leiten die Versicherer sich unterm Strich aus der Studie konkrete Handlungsfelder ab: höhere Bedeutung von Assistenzsystemen zur Kollisionsvermeidung im Nahbereich, Prüfung und Auslegung akustischer Warnsysteme sowie verstärkte Kundenaufklärung zur Bedienung elektrischer Antriebe. Zudem empfiehlt die UDV Weiterentwicklungen bei Außengeräuschen, klar erkennbare Signale zur Fahrbereitschaft und vertiefende Forschung.

Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland rund zwei Millionen E-Pkw zugelassen (etwa 4 Prozent). Bis 2040 könnte ihr Anteil laut Versicherern auf rund 60 Prozent steigen.

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