Wie die Isetta zu ihrem Armaturenbrett kam

Autor / Redakteur: Hans-Roland Zitka / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Mitte der 50er Jahre präsentierte ein junger Karosseriebauer für die BMW Isetta ein Armaturenbrett inklusive Radiofach und natürlich mit Vase – doch die Münchner lehnten die Konstruktion ab.

Josef Sonner baute die ersten Mess- und Einschweißlehren für den Käfer und erhielt für etliche weitere Erfindungen den Bayerischen Staatspreis von Ministerpräsident Franz Josef Strauß.
Josef Sonner baute die ersten Mess- und Einschweißlehren für den Käfer und erhielt für etliche weitere Erfindungen den Bayerischen Staatspreis von Ministerpräsident Franz Josef Strauß.
(Foto: Zitka)

„Kommst Du mit? Ich zeig Dir etwas, was Du noch nie gesehen hast!“ Ich fahre also mit. Sehe mich vor einem Kfz-Betrieb, wie sie vielerorts an Hauptstraßen so dastehen, ein dreigeschossiges Gebäude mit breit ausladendem Dach, mit Servicehalle, Karosseriebau, Motorinstandsetzung und Lackiererei. Daran angrenzend das Wohnhaus. Und davor – es ist bald Abend und dunkel – der Sonner Josef mit den Schlüsseln. Geboren 1928, Gesellenprüfung 1948 als Huf- und Wagenschmied, Spengler und Installateur mit Bestnote 1. Drei Jahre später besteht er die Gesellenprüfung zum Karosseriebauer.

Der nahe der Zugspitze im Alpenvorland geborene Naturbursche geht nach Frankfurt, gilt bald als Spezialist für den Gerippebau von Kastenwagen, für die Verlängerung von Fahrgestellen und für die Unfallinstandsetzung. Mit 27 Jahren kommt er 1955 zurück, bewirbt sich bei BMW und wird direkt nach dem Vorstellungsgespräch eingestellt: in die Versuchs- und Entwicklungsabteilung. Ein toller Sprung, aber ein Sprung in eiskaltes Wasser.

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Denn BMW hat nach dem Krieg durch den Verlust seines Pkw-Werkes Eisenach noch immer nicht richtig Fuß gefasst. Da werden Motorräder mit Ein- und Zweizylindermotoren gebaut, bald auch wieder Automobile, teure Sechs- und Achtzylinder-Limousinen. Dazwischen aber nichts. Oder doch: die BMW Isetta. Vorfahre des Smart, noch kürzer, noch kleiner. Und mit Fronteinstieg. Bis heute ist sie der Signalbegriff für „das Dach über‘m Kopf“. Auch Sonner stellt das Motorrad in den Schuppen und wird Isetta-Fahrer, es ist noch das allererste Modell mit kanzelartiger Glaskuppel. Und spätestens von da an wird das Leben des Josef Sonner richtig spannend.

Jeder Käfer hatte eine Vase

Jeder Käfer hatte ein Vase: Ja, so war es. Warum hatte die Isetta keine? Weil sie kein Armaturenbrett besaß. Das wäre mit der Fronttürkonstruktion nicht gut vereinbar, hieß es bei BMW. Da hatte man aber den jungen Karosseriebauer noch nicht richtig kennengelernt. Er hatte eine Lösung, legte seinen Vorgesetzten ein Isetta-Armaturenbrett vor und war gespannt, wie sie reagieren würde. Mit Einbaufach für ein Radiogerät und natürlich mit Vase – wie beim Käfer. Doch BMW lehnte ab. Die Isetta sollte preiswert und einfach bleiben.

Sonner aber war anderer Meinung. Er packte sein gutes Stück wieder ein und fackelte nicht lange. Denn Leute, die das fertige Muster des Armaturenbrettes in seiner Isetta entdeckten, waren begeistert und wollten so etwas auch haben, Preis egal. Da gründete Sonner 1956 mit nur 250 DM Startkapital und seiner Isetta in der Münchner Zentnerstraße eine eigene Werkstatt und fertigte Isetta-Armaturenbretter in Serie. Mit Vase natürlich.

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