„Wir können alles – außer teuer“

Die richtige Idee

12.05.2009 | Redakteur: Steffen Dominsky

Es mangelte an allem, damals in der DDR. Das bekam auch Großvater Glaubitz bereits nach wenigen Jahren real existierenden Sozialismus’ zu spüren. Denn der Fahrzeugschlosser hatte einen Wunsch: einen eigenen Wagen. Mitte der fünfziger Jahre für einen Arbeiter im Westen ein schwieriges Unterfangen, im Osten ein Ding der Unmöglichkeit. Aber Glaubitz verzagte nicht und besann sich seiner Fähigkeiten: Ideenreichtum und handwerkliches Geschick. Mithilfe eines alten Wanderer-Fahrgestells, jeder Menge Buchenholz und Karosserieblech baute er seinen Traum auf vier Rädern kurzerhand selbst.

40 Jahre später: Andreas Ullmann, der Enkel von Herbert Glaubitz, befindet sich in einer ähnlichen Situation. Der Kfz-Meister steht im elterlichen Mitsubishi-Autohaus vor einem Problem. Gegen Ende der neunziger Jahre explodiert die Menge an Elektronikkomponenten in modernen Fahrzeugen geradezu. Die Crux: Meist sind diese Bauteile, allen voran Steuergeräte, im Falle eines Defekts nur als teures Neuteil zu bekommen – eine zeitwertgerechte Reparatur kann Ullmann seinen Kunden damit nicht bieten. Und vielen Händlerkollegen geht es nicht anders.

Daniel Düsentrieb

Elektronikfan Ullmann – 1998 Europameister und 2004 Vize-Europameister der Mitsubishi-Servicetechniker – hat eine Idee und besinnt sich seiner (Elektronik-)Fähigkeiten. Warum Steuergeräte nicht einfach öffnen und lediglich defekte Komponenten ersetzen? Das Ganze angeboten als Dienstleistung zu einem Preis, der deutlich unter dem eines Neuteils des Fahrzeugherstellers bzw. Tauschteils der Zulieferindustrie liegt. Das müsste doch funktionieren, dachte Ullmann. Und das tut es!

Seit der ersten Steuergerätereparatur vor zehn Jahren ist aus dem Elektronik-Faible des Firmeninhabers mittlerweile ein respektables Unternehmen erwachsen. Rund 30 Mitarbeiter zählt die Glaubitz Autodienst GmbH & Co. KG – ohne Autohaus, Tendenz steigend. Das Serviceangebot des sächsischen Familienunternehmens umfasst mittlerweile eine Vielzahl von Fahrzeug-Elektrik- bzw. Elektronikkomponenten. „Es gibt nichts, was wir nicht instand setzen können“, sagt René Schwob, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik und zuständig für Kundenberatung und Einkauf. „Einzig die Verfügbarkeit von Ersatzteilen setzt uns manchmal Grenzen“, schildert der erfahrene Elektronikexperte die Situation. In der Praxis lassen sich rund 80 Prozent aller Steuergeräte reparieren.

Von Alfa bis Zastava

Glaubitz Autodienst setzt sie alle instand: Motor-, Getriebe-, Pumpen- und ABS-Steuergeräte, Zündschaltgeräte und -verteiler, Drosselklappenteile, Leerlaufsteller, GDI-Einspritzdüsen und Instrumenteneinsätze. Mit einer Ausnahme: Airbagsteuergeräte. Der Grund ist die mögliche Haftungsfrage bei Unfällen.

„In welchen Fahrzeugen die Bauteile verbaut sind, spielt keine Rolle. Vor Kurzem hatten wir ein Steuergerät für einen Lamborghini-Bootsmotor zur Überholung. Für uns kein Problem“, erzählt Firmenchef Andreas Ullmann. „Das nötige Elektronikwissen ist stets das gleiche.“ Und darüber verfügen die Mitarbeiter von Glaubitz. Dafür sorgt unter anderem die ortsansässige Hochschule für Elektrotechnik. Dank ihr kann Ullmann neben erfahrenen Kfz-Leuten auch die erforderlichen „Halbleiterexperten“ für sein Unternehmen rekrutieren.

Die Kunden von Glaubitz – rund 10.000 aus dem In- und Ausland – sind zu gleichen Teilen Freie Werkstätten und Markenbetriebe. Sie profitieren von den günstigen Preisen (siehe Tabelle oben) und einer kurzen Reparaturdauer – in der Regel ein bis drei Werktage. Aber nicht nur davon.

Oftmals ist ein benötigtes Elektronikersatzteil nicht einmal für Geld und gute Worte zu bekommen. Nämlich dann, wenn der Fahrzeughersteller bzw. der Zulieferer die Produktion eingestellt hat oder die Marke schlichtweg nicht mehr am deutschen Markt vertreten ist – Beispiel Rover, Proton,etc. Hier kann das Glaubitz-Team oftmals rasch und unkompliziert weiterhelfen. Entsprechend gut ist auch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Fahrzeugherstellern und Vertriebsorganisationen.

Doch warum geht ein Steuergerät überhaupt kaputt? „Zu 50 Prozent ist es elektronischer Verschleiß, die andere Hälfte hat ihre Ursache in äußeren Einflüssen. Feuchtigkeit, Vibrationen und häufig Kurzschlüsse durch die Verkabelung. Deshalb ist es für uns wichtig, eine möglichst exakte Fehlerbeschreibung von der Werkstatt zu bekommen“, bemerkt René Schwob. „Wir unterstützen die Werkstatt unsererseits, indem wir ihr bei offensichtlichen ‚Fremdursachen‘ Tipps für eine erfolgreiche Instandsetzung des Fahrzeugs geben. Denn eine defekte Zündspule zerstört auch das reparierte Zündsteuergerät augenblicklich – die Arbeit wäre umsonst gewesen. Damit ist weder dem Kunden noch uns geholfen“.

Lukrativ für alle

Dass sich das Geschäft mit der zeitwertgerechten Elektronikreparartur rechnet, zeigen die stetig wachsenden Auftragszahlen bei Glaubitz. Der Grund hierfür ist nicht nur der wachsende Elektronikanteil im Fahrzeug. Auch die Modellzyklen und damit die Entwicklungszeiten für Bauteile werden immer kürzer. Die Folge: Die Qualität von Steuergeräten ist in den letzten Jahren gesunken, sie fallen oftmals schneller aus.

Hat die Werkstatt ein defektes Bauteil, ruft sie bei Glaubitz an und erteilt einen Auftrag. Zusätzlich können sich Kunden auf der Internetseite www.ecu.de über Einzelheiten und aktuelle Angebote informieren. Bei gängigen Teilen und Fehlersymptomen können die Elektronikexperten häufig bereits am Telefon die maximalen Reparaturkosten nennen. Ist sich der Auftraggeber nicht sicher, ob ein Defekt vorliegt, kann er ein Bauteil auch zur Prüfung einschicken. Kostenpunkt: 50 Euro. Bei dem Stundensatz eines Servicetechnikers rechnet sich dieser Betrag selbst bei einer Verdachtsprüfung sehr schnell.

Stichwort Service: Kann das Glaubitz-Team das Bauteil im Falle eines Defekts nicht instand setzen, bekommt der Kunde sogar den Fünfziger zurück. Und technische Anfragen werden dank „normaler“ Telefonnummer stets kompetent und für den Anrufer kostengünstig beantwortet. Bei erfolgter Reparatur gibt das Unternehmen eine Gewährleistung von 12 bis 24 Monaten. „Doch diese müssen unsere Kunden so gut wie nie in Anspruch nehmen“, bemerkt Chef Andreas Ullmann mit einem Lächeln im Gesicht – die Sachsen wissen, was sie können. Weitere Informationen zu Angeboten von Glaubitz finden Sie unter der www.ecu.de.

Steffen Dominsky

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