Suchen

ZF setzt verstärkt auf Remanufacturing

| Autor: Jan Rosenow

Die industrielle Aufarbeitung von Teilen spart Kosten und schont die Umwelt. Für ZF ist Remanufacturing zudem seit Jahrzehnten ein wichtiges Geschäftsfeld, dessen Bedeutung jährlich wächst. Derzeit werden beispielsweise 1,25 Millionen Bremssättel pro Jahr aufgearbeitet.

Firma zum Thema

Remanufacturing bei ZF in Frydlant: Aufgearbeitete Ersatzteile weisen die gleiche Qualität auf wie Neuteile.
Remanufacturing bei ZF in Frydlant: Aufgearbeitete Ersatzteile weisen die gleiche Qualität auf wie Neuteile.
(Bild: Dominik Gigler)

Die Wiederverwendung ist die höchste Form des Recyclings. Für gebrauchte Automobilteile gilt dies aber nur eingeschränkt, denn sie können vorgeschädigt oder verschlissen sein und den Reparaturerfolg schnell wieder zunichte machen. Deshalb sollten Gebrauchtteile unbedingt aufgearbeitet werden – das heißt begutachtet und, wo nötig, mit neuen Einzelteilen repariert. Dieses sogenannte Remanufacturing ermöglicht immer noch eine deutliche Einsparung von Energie und Werkstoffen im Vergleich zu Neuteilen, stellt aber trotzdem eine vergleichbare Qualität sicher.

ZF hat schon im Jahr 1962 begonnen, Gebrauchtteile industriell aufzuarbeiten, und sein Remanufacturing-Programm in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. An 15 Standorten weltweit erneuert das Unternehmen inzwischen ein breites Spektrum an Fahrzeugkomponenten: Bremsen, Getriebe, Lenksysteme oder Drehmomentwandler. Ein Beispiel ist der tschechische ZF-Aftermarket-Standort Frýdlant: Seit seiner Gründung im Jahr 1999 wurden in dem Werk über vier Millionen Bremssättel aufgearbeitet. Gemeinsam mit dem Werk in Wrexham, Wales, sollen es allein in diesem Jahr 1.250.000 Stück sein.

Remanufacturing: Industrieller Prozess, keine Reparatur

Die Wiederverwendung beginnt in der Werkstatt, wo das Altteil aus dem Fahrzeug ausgebaut und über den Großhandel zurück an ZF geschickt wird. In der Fabrik wird die Komponente untersucht, bewertet, zerlegt und gereinigt. Dann sortieren die Mitarbeiter beschädigte Einzelkomponenten aus. Beim Zusammenbau ersetzen die ZF-Techniker defekte und fehlende Einzelteile durch Ersatzteile in Erstausrüster-Qualität, tauschen Verschleißteile aus und bringen gegebenenfalls die Software auf den neuesten Stand.

Dabei gibt es nur dann Abweichungen von der ursprünglichen Serienproduktqualität, wenn die aktuelle Technik weiter ist als zum Zeitpunkt der Erstausrüstung. In diesem Fall ist ein technisches Upgrade inklusive. Schließlich wird die Komponente wieder dem Ersatzteilmarkt zugeführt, und das mit neuer Garantie und zu einem niedrigeren Preis. 20 Prozent Einsparung im Vergleich zum Neuteil sind meistens drin.

Auszeichnungen für nachhaltige Produktion

„Wir nennen diesen Prozess Remanufacturing, um zu verdeutlichen, dass es sich hier um einen industriellen Standard handelt und nicht um eine Reparatur“, erläutert Erik Naumann, Leiter Manufacturing bei ZF Aftermarket. Weiter betont er: „Durch unser Remanufacturing-Programm können wir den Materialbedarf im Vergleich zur Herstellung eines Neuprodukts um bis zu 90 Prozent reduzieren. Gleichzeitig sparen wir so auch rund 90 Prozent an Energie ein.“

Bei manchen Teilen geht sogar noch mehr: ZF wurde schon mehrfach mit dem Cradle-to-Cradle Gold-Zertifikat ausgezeichnet, einer der wichtigsten Auszeichnungen für eine nachhaltige Produktion. Um die Zertifizierung gemäß den Kriterien des Cradle to Cradle Products Innovation Institute in Oakland (Kalifornien) zu erhalten, muss ein Hersteller rund 95 Prozent der Werkstoffe wiederverwenden. Beispielsweise erhielt der Standort Bielefeld das Zertifikat für die Aufarbeitung von Sachs-Kupplungsdruckplatten.

(ID:45995203)

Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group