100 Jahre Fachinformationen

Autor / Redakteur: Gerd Steiler / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Weltkriege und Wirtschaftskrisen hat die Fachzeitschrift in ihrer Geschichte überstanden. Mit Informationen für die Branche findet sie trotz aller Umwälzungen ihren Platz bei den Entscheidern in Autohaus und Werkstatt.

1891 gründet der Kaufmann Carl Gustav Vogel (1868 – 1945) den Vogel Verlag im thüringischen Pößneck. Erste Verlagspublikation ist das „Internationale Briefmarken-Offertenblatt“. Doch Mit dem „Auto-Markt“ ruft er die erste deutschsprachige Fachzeitschrift für die Kfz-Branche ins Leben – den Vorläufer des heutigen »kfz–betrieb«.

Seine Premiere feiert der „Auto-Markt“ auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Berlin im Oktober 1911. Bereits die Erstausgabe erscheint in einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Verantwortlich für die Herausgabe des „Auto-Markt“ zeichnet Arthur Gustav Vogel. Er ist der älteste Sohn des Gründers des Vogel Verlags, des Kaufmanns Carl Gustav Vogel, und erkennt damit schon früh und weitblickend das Informationsbedürfnis in der Wirtschaft.

Maßgeblich befördert wird die Entwicklung des Blattes vom rasanten Aufschwung der deutschen Automobilindustrie im ersten Jahr-zehnt des 20. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild von Automobil-Pionier Henry Ford, der 1903 die Ford Motor Company (Dearborn/USA) gründet und mit dem Modell T („Tin Lizzy“) das weltweit erste Auto in Serienproduktion auf den Markt bringt, unternehmen auch führende deutsche Automobilbauer wie Mercedes, Opel und Horch erste Anläufe zur Massenfabrikation. Als marktorientiertes Informationsmedium schlägt der „Auto-Markt“ die Brücke zwischen der Autoindustrie und ihren Kunden.

Die noch junge Zeitschrift profitiert vom einsetzenden Autoboom. Bereits 1914 hat sich ihre Auflage auf 20.000 Exemplare verdoppelt. Mehr als 100.000 Empfänger werden im so genannten Wechselversand beliefert. Das wachsende Interesse der Leserschaft am Motorsport führt dazu, dass verstärkt Sportnachrichten in die redaktionelle Berichterstattung einfließen. Dies zeigt sich auch am neuen Untertitel des Blattes: „Offertenblatt für den gesamten Motorsport und -betrieb“. Carl Gustav Vogel honoriert das Engagement seines Sohnes für den „Auto-Markt“, indem er ihn zum Teilhaber macht.

Der I. Weltkrieg und die Folgen

Für das Wirtschaftsleben ist der Ausbruch des Krieges ein schwerer Schock. Die Mobilmachung entzieht dem Verlag schlagartig viele Arbeitskräfte. Zugleich verschärfen die Papierrationierung und drastische Zensurbestimmungen die Lage. Carl Gustav Vogel entscheidet sich dafür, den Verlag vorläufig zu schließen. Die Wende kommt, als das Kriegsministerium den Vogel Verlag zum „kriegswichtigen Betrieb“ erklärt. Seine wichtigsten Titel können nun wieder erscheinen.

Im Inserenten-Teil des „Auto-Markt“ dominieren jetzt freilich die Rubriken „Heereslieferungen“ und Gelegenheitsanzeigen, mit denen sich der Austausch wichtiger Ersatzteile und Rohstoffe regeln lässt. Der „Auto-Markt“ erscheint nun 14-tägig in einer Auflage von 40.000 Exemplaren. Während der Krieg dem deutschen Verlagswesen eine wenig gute Entwicklung bringt, herrscht im Hause Vogel alles andere als Resignation. Das Fehlen technisch geschulten Personals wird durch modernes Gerät wie die erste Linotype-Setzmaschine kompensiert. Trotz katastrophaler Rohstofflage und Arbeitskräftemangel erzielt das Unternehmen bis 1918 gute Gewinne.

Im Boom der „Roaring Twenties“

Wirtschaftlich gesund überwindet der Vogel Verlag rasch die Folgen des Krieges und der sich anschließenden Wirtschaftskrise. Beide Inhaber entwickeln das Begonnene zielstrebig weiter und setzen aufgeschobene Pläne in die Tat um. Finanziellen Rückhalt geben die Titel „Auto-Markt“ und „Maschinen-Markt“, die nach wie vor fest in ihren Märkten verankerten sind. Die „Roaring Twenties“ rollen auf immer mehr Autoreifen voran. Speziell die Automobilindustrie erlebt in der Weimarer Republik einen fulminanten Aufschwung.

US-Hersteller Ford eröffnet Zweigwerke in Berlin (1925) und Köln (1931). Zugleich treten in Deutschland entwickelte Modelle im In- und Ausland mit Erfolg in den Kampf um Absatzmärkte ein. Wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung nimmt der „Auto-Markt“. Die Zahl der belieferten Adressen steigt von 150.000 (1919) auf 240.000 (1924). 1927 schließlich macht der „Interessenverband Deutscher Kraftfahrer“ den marktführenden Vogel-Titel zu seinem offiziellen Organ.

Seite 2: Wachsende Informationsbedürfnisse

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