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30 Jahre Peugeot 205: Erfolg in letzter Sekunde

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Die aktuelle Krise von Peugeot ist nicht die erste des französischen Herstellers. Vor 30 Jahren stand der Konzern schon einmal vor großen Problemen. Damals war der 205 die Rettung.

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Runder Geburtstag: Der Peugeot 205 wird 30.
Runder Geburtstag: Der Peugeot 205 wird 30.
(Foto: Peugeot)

In schweren Zeiten besinnt man sich auf Bewährtes. Kein Wunder also, dass auch die kriselnde Marke Peugeot sich bei seinem aktuellen Kleinwagen eines seiner Erfolgsmodelle zum Vorbild genommen hat. Der im vergangenen Jahr vorgestellte 208 will dem 205 nacheifern, der die Franzosen bereits vor 30 Jahren aus der Not rettete. Der legendäre Kleinwagen führte den Konzern damals schon mit Charme, Handlichkeit und geringem Verbrauch aus der Krise.

Mit rund 5,3 Millionen verkauften Einheiten in 15-jähriger Produktionszeit übertraf der 205 sämtliche Vorgänger und ist bis heute das zweiterfolgreichste Peugeot-Modell. Als schicke drei- und fünftürige Fließhecklimousine mit starken Dieselmotoren, elegantes Cabriolet, vor allem aber als schneller GTI und unter dem Typencode Turbo 16 als zweifacher Rallye-Weltmeister der berühmt-berüchtigten Gruppe B erlangte der 205 Kultstatus.

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Retter in der Not

Ende der 70er-Jahre war Peugeot durch die Übernahme von Citroen und Chrysler Europa (Talbot) zum damals größten Automobilkonzerns Europas aufgestiegen. Allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen – denn die Kunden vermissten eine klare Markentrennung, störten sich an überalterten Modellen, mangelhafter Qualität und fehlender Faszination vieler Typen. Die Folge war ein Absturz, der ins Bodenlose zu führen drohte. So sackte der europäische Marktanteil des Konzerns allein in den Jahren 1979 bis 1982 um über ein Drittel ab.

Zum letzten Rettungsanker sollte der neue Peugeot-Kleinwagen werden. Das Design wurde diesmal nicht von Pininfarina übernommen, sondern selbst erledigt. So sorgten eine niedrige Gürtellinie mit nach vorn abfallender Motorhaube und ungewöhnlich große Fensterflächen für einen charmanten Auftritt. Coupé-Charakter bot die dreitürige Version mit ihrer sportiven Optik, die besonders dem starken 205 GTI zugute kam.

Täglich 2.700 Bestellungen liefen bei Peugeot im ersten Jahr für den 205 ein. Auch auf dem deutschen Markt wurde der 205 schnell zum Bestseller und Sieger zahlreicher Kleinwagenvergleichstests. Im Vorteil gegenüber VW Polo, Ford Fiesta und Opel Corsa war der 205 auch durch einen drehfreudigen und sparsamen 1,8-Liter-Selbstzünder, mit dem er als erster Diesel-Kleinwagen eine Millionenauflage erreichte. Eine Besonderheit war auch die optionale Viergang-Automatik, die beim 205 ihr Deutschland-Debüt im Kleinwagensegment feierte.

Französische Avantgarde

Auch beim Antrieb zählte der kleine Peugeot ohne Zweifel zur Avantgarde. Der ab 1984 angebotene 205 Électrique war eines der Elektroautos überhaupt. Zwölf Nickel-Cadmium-Akkublöcke speisten einen Gleichstrom-Motor, der 18,5 kW/25 PS an die Antriebsräder abgab - und dies bis zu einer Distanz von rund 100 Kilometern. Für die Rekord-Verkaufszahlen des 205 entscheidend waren allerdings andere Antriebsvarianten, die sich zu wichtigen Imageträgern entwickelten. Etwa der 205 GTI, der bis zu 94 kW/128 PS auf die Straße brachte und dem Golf GTI damit keine Chance ließ. Oder der 205 Turbo 16, ein reinrassiges Renngerät für Rallyepisten, der aber auch in einer 177 kW/240 PS starken Straßenversion mit Allradantrieb angeboten wurde.

Am Ende eines langen Produktlebens blieb der 205 vorübergehend ohne richtigen Nachfolger. Die deutlich blasseren Typen 106 und 306 konnten diese Funktion nicht übernehmen. Erst der Peugeot 206 schloss die auf vielen Märkten entstandene Lücke im Modellprogramm – und übertraf die Erfolge seines Vorgängers noch einmal. Für den aktuellen Peugeot 208, der so wie einst der 205 das Unternehmen aus der Krise fahren soll, könnte die Messlatte also kaum höher liegen.

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