40 Jahre Kadett C: Aller Welts Liebling

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Vor 40 Jahren hätte kaum jemand mit dem Erfolg des schlichten Opel Kadett C gerechnet. Dabei brachten die Rüsselsheimer ein Weltauto auf den Markt, das nur vom Golf gebremst werden konnte.

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Runder Geburtstag: Der Opel Kadett C feiert seinen 40sten.
Runder Geburtstag: Der Opel Kadett C feiert seinen 40sten.
(Foto: Opel)

Ein Opel für Jedermann sollte vor 40 Jahren die Welt mobilisieren. Dazu wurde der Opel Kadett C als erstes GM-Weltauto von nicht weniger als 14 Marken mit über 40 unterschiedlichen Modellbezeichnungen und in noch mehr Karosserie- und Ausstattungsversionen auf allen Kontinenten produziert. Weit über sieben Millionen Einheiten konnten so verkauft werden, darunter allein 1,7 Millionen Kadett aus dem Werk Stammwerk Bochum. Kein Weltrekord, aber immerhin ein Meilenstein. Lieferte General Motors mit seinem sogenannten T-Car doch für viele Länder das erste Volksauto überhaupt, während der Kadett in Deutschland den alten VW Käfer kurzzeitig niederrang und den jüngeren Ford Escort klein hielt.

Bevor der Kadett als Kernmodell im August 1973 eingeführt wurde, feierte im April in Brasilien die fast baugleiche Chevrolet Chevette einen furiosen Markstart. Kurz danach präsentierte der Kadett die damals konkurrenzlose Bandbreite der hübsch gezeichneten Karosserien: Neben zwei- und viertürigen Stufenhecklimousinen gab es den dreitürigen Kombi „Caravan“, ein elegantes Coupé, die Fastbackversion Kadett City mit Heckklappe (ab 1975) und regionale Spezialitäten wie die beim Stuttgarter Karossier Baur gefertigte Cabriolet-Limousine Aero (ab 1976). Auch ein Lieferwagen durfte nicht fehlen. In Asien und Südamerika rundeten Pickups das T-Car-Programm ab oder südamerikanische Modelle mit innovativen Kunststoffkarosserien, die das ohnehin geringe Leergewicht von 775 Kilogramm nochmals um 100 Kilogramm drückten. Auch einen fünftürigen Hatchback gab es. Für Vortrieb sorgten in Deutschland robuste Vierzylinder mit 1,0 bis 2,0 Liter Hubraum und Leistungswerten zwischen schwachbrüstigen 29 kW/40 PS und sportlichen 85 kW/115 PS.

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Die Sensation ereignete sich im Mutterland der Straßenkreuzer: Im September 1975 enthüllte Chevrolet die US-Version der Chevette in Washington D.C. Ein Paukenschlag, zu dem die Chevette als sparsamstes Auto Amerikas mit einem Highway-Normverbrauch von umgerechnet 6,0 Litern auf 100 Kilometer überraschte. Damit nicht genug. Der Mini-Chevy wurde ein Maxiseller. Was bis dahin allen Compacts in den USA verwehrt geblieben war, gelang der US-Version des Kadett. Der kleinste Chevrolet eroberte über mehrere Jahre Platz eins der amerikanischen Zulassungscharts. Bis 1986 blieb die Chevette ein nationales Synonym für Ökonomie und Knauserigkeit, obwohl in Good Old Germany inzwischen schon längst zwei neue Kadett-Generationen mit Frontantrieb für Furore gesorgt hatten. Was aber auch die Südamerikaner nicht kümmerte. Dort wurde das mittlerweile antiquierte T-Car erst 1994 von einem modernen Nachfolger in den Ruhestand geschickt.

Auf dem Weg zur Sportlegende

Mit dem damals neuen Golf konnte es das Einstiegsmodell ins Opel-Programm nicht aufnehmen, dazu fehlte es ihm am modernen Konzept von Frontantrieb und Quermotor. Dafür schrieb der letzte Kadett mit Heckantrieb Sportgeschichte - waren doch ab 1976 die Rallye-Legenden Walter Röhrl und Rauno Aaltonen mit dem bis zu 165 kW/225 PS starken Kadett GT/E erfolgreich.

Wichtig war der Imagegewinn durch diese Rennmaschinen, die auf dem 1975 präsentierten Kadett GT/E basierten. Freche Rallyestreifen, mattschwarze Motorhaube, Zusatzscheinwerfer und damals fast schon als überstark empfundene Motoren machten den GT/E zu einem Auto, das scheinbar nur versehentlich von Schotterpisten der Rallye-WM auf Straßenasphalt gewechselt war. Damit unterschied sich das Kadett Coupé auch von den ebenfalls 1975 gezeigten dezenteren Escort RS 2000 und Golf GTI.

Noch schneller war tatsächlich nur ein Rivale: Ein Schwestermodell des Kadett, der englische Vauxhall Chevette 2300HS. Er entsprach dem ebenfalls 1975 eingeführten Kadett City mit praktischer großer Heckklappe, konnte aber sogar mit einem neuartigen 100 kW/135 PS starkem 16-Ventil-Triebwerk aufwarten. Immerhin 450 Einheiten verkaufte Vauxhall von diesem Renner, der dreimal so viel kostete wie eine Standard-Chevette mit rau laufendem, 43 kW/59 PS leistendem 1,3-Liter-Motor. Genau damit sollte der billigste Vauxhall ab 1980 auch in Deutschland verkauft werden und so als Einstiegsmodell unterhalb des gerade neu eingeführten Kadett D die Wartezeit bis zur Einführung des ersten Corsa überbrücken.

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