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40 Jahre Lancia Delta: Der letzte große Wurf

| Autor / Redakteur: Wolfram Nickel/SP-X / Viktoria Hahn

Mit dem Delta stieg Lancia noch einmal zu internationaler Größe auf – und mit ihm verabschiedete sich der italienische Nobelhersteller ins Nirwana vergangener Marken. Das Kompaktmodell vereinte in drei Generationen all das, wofür Lancia einst stand: technische Geniestreiche, luxuriöse Raffinesse und sportliche Überlegenheit.

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Der Lancia Delta war eine Legende im Rallye-Sport.
Der Lancia Delta war eine Legende im Rallye-Sport.
(Bild: Lancia)

Der bereits in den 1960er-Jahren darbende italienische Autohersteller Lancia holte Ende der 70er-Jahre mit der Einführung des Delta noch einmal zu einem großen Schlag aus. In Hinblick auf die lange Erfolgsgeschichte und erkleckliche Stückzahlen gilt der Delta allerdings als Lancias letzter großer Coup. Die nachfolgenden zwei Generationen konnten nicht mehr an den Erfolg der ersten Auflage anknüpfen und läuteten damit auch den Niedergang sowie letztlich das Aus der Marke außerhalb von Italien ein.

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1979 kam das technisch auf den Fiat Ritmo basierende Kompaktmodell auf den Markt – damals mit eher bescheiden anmutenden 63 kW/85 PS und einem Preis auf Niveau der Mittelklasse. Doch nur wenige Jahre später wurde massiv an den Stellschrauben Qualität und Leistung gedreht. Ersteres markiert die Produktionsverlagerung ins moderne Werk Chivasso, letzteres die Einführung des Delta 1.6 Turbo HF im Jahr 1983, der mit 96 kW/130 PS zum Golf-GTI-Jäger avancierte.

Weitere Meilensteine der ersten Delta-Generation waren die auf 200 Exemplare limitierte Straßenversion des Gruppe-B-Rallyeautos S4 mit 184 kW/250 PS im Jahr 1985 oder der zwischen 1987 und 1994 gebaute HF Integrale, der in diversen Varianten und Evolutionsstufen zwischen 130 kW/177 PS bis 158 kW/215 PS leistete. An letztere Leistungsspitze konnte keiner der Nachfolger mehr heranreichen. Gleiches trifft auch auf die Stückzahlen insgesamt zu: Wenn auch kein Megaseller, steht die erste Delta-Generation mit über 500.000 in rund 15 Jahren verkauften Exemplaren als letztes Erfolgsmodell der Marke.

1993 folgte die zweite Generation, die technisch viele Ähnlichkeiten mit dem Fiat Tipo aufwies. Trotz eines avantgardistischen Dreitürers namens HPE konnte diese nicht mehr an die Stückzahlenerfolge der ersten Generation anknüpfen. In seiner nur 6-jährigen Bauzeit waren es lediglich 140.000 Exemplare, die Lancia von der zweiten Delta-Generation unters Volk brachte.

Alles anders machte deshalb die dritte Delta-Generation, die 2008 zum 100. Geburtstag des ersten Serien-Lancia debütierte. Sogar Nordamerika gehörte jetzt wieder zu den Märkten, der neue Konzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) machte es möglich. Ein Coup, der allerdings am Ende den Untergang von Lancia eher beschleunigte, denn der Delta wurde auf nicht wenigen Märkten mit Chrysler-Grill verkauft. Als vielleicht einziger Kompakter qualifizierte sich der 4,52 Meter lange Fünftürer als Chauffeurlimousine, was ihm eine erstaunliche Verbreitung bei italienischen Behörden und Ministerien sicherte. Luxus und Noblesse nützten am Ende jedoch nichts. Der Lancia Delta wurde außerhalb seines Heimatmarktes ein Ladenhüter und so geschah im Jahr 2014, was geschehen musste: Erst sagte der Delta Arrivederci und bald danach Lancia.

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