50 Jahre Alpine A 110

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Leichtgewicht mit Zentralrohrrahmen-Chassis

Die exzellente Performance der A 110 ist auch eine Frage des Gewichts. Gerade einmal 575 Kilogramm weist Alpine für die Ur-Version von 1962 aus. In späteren Ausführungen legt der gallische Renner auf bis zu 730 Kilogramm zu, aber auch damit zählt die überwiegend in der klassischen französischen Rennfarbe Blau georderte Berlinette zu den leichtesten Serienfahrzeugen ihrer Zeit. Maßgeblich zum Idealgewicht trägt die Kunststoffkarosserie bei. In den Rennversionen wiegt das wohlgeformte Kleid lediglich 27 Kilogramm.

Leichtbau total, das gilt auch für das Chassis: Ein längs liegendes Zentralrohr mit den Aufnahmen für die Vorder- und die Hinterachse sowie ein Hilfsrahmen aus Rechteckrohren für Motor, Getriebe und Differenzial, und fertig ist die Grundkonstruktion. Besonders praktisch: Zum Beheben von Wettkampfblessuren lassen sich Chassis und Kunststoffkarosserie problemlos voneinander trennen.

Außerdem verzichtet Alpine auf jeglichen verzärtelnden und gewichtstreibenden Komfort. Die Serienausstattung beschränkt sich auf das Nötigste. Die Liste der Komfortoptionen ist ebenfalls überschaubar: Zum Produktionsstart 1962 enthält sie lediglich Liegesitze, Nebelscheinwerfer, die beheizbare Windschutzscheibe und – ganz wichtig – das Sportlenkrad. Kofferraum? Fehlanzeige. Das Abteil unter der Fronthaube wird vom Benzintank und vom Reserverad in Beschlag genommen. Fürs Gepäck bleibt nur das bisschen Platz hinter den Sitzen.

Gymnastikprogramm beim Einstieg

Um ins Innere des 1,13 Meter hohen Flachmanns zu gelangen, müssen größer gewachsene Fahrer und Beifahrer ein veritables Gymnastikprogramm absolvieren. In eine Alpine A 110 steigt man nicht ein, man schlängelt sich hinein: Türe auf, rechtes Bein unter das Lenkrad einfädeln, das Gesäß in den Sitz fallen lassen, linkes Bein nachziehen, so sieht der typische Bewegungsablauf aus. Aber auch das gehört zum Alpine-Mythos.

Die A 110 ist kein Schönwetter-Auto oder Boulevard-Cruiser, sondern ein Sportwagen von Anfang an. Einmal drinnen, finden sich Pilot und Copilot in einer halb liegenden Position wieder und betrachten die Welt von schräg unten. Dank der kompakten Außenabmessungen und des stark eingezogenen Dachs geht es auch ansonsten recht eng zu, die Knie sind auf permanenter Tuchfühlung mit dem Schalthebel, während das Motorengeräusch samt zugehörigen Vibrationen selbst bei den Varianten mit Straßenschalldämpfer fast ungefiltert in die Kabine dringt. „Eines Tages kam man in Frankreich auf die Idee, zwei liegende Männer mit Kunststoff zu überziehen und auf Räder zu stellen“, beschreibt der österreichische Journalist Herbert Völker die Natur der Alpine-Fahrzeuge. Die puristische A 110 verkörpert diesen Minimalismus wie kein zweites Modell.

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Hoch präzise: Lenkung und Fahrwerk

Zum Rallye-Fahrzeug par excellence wird die A 110 durch ihr Fahrwerk. Vorne verfügt die Berlinette über Einzelradaufhängung, hinten kommt eine Pendelachse zum Einsatz, wie sie für Heckmotorfahrzeuge der damaligen Zeit typisch ist. Gegen Ende der Modellkarriere wird die nicht mehr ganz moderne Hinterachskonstruktion durch Einzelradaufhängungen an Querlenkern ersetzt.

Hinzu kommt eine hoch präzise Lenkung, mit der sich bei Bedarf das nach außen drängende Heck sofort wieder einfangen lässt. Meist kommt es erst gar nicht so weit, denn der extrem negative Sturz an der Hinterachse und die günstige Gewichtsverteilung sichern hohe Kurvengeschwindigkeiten – vorausgesetzt, der Alpine-Fahrer bleibt tapfer auf dem Gas stehen. Zusätzlich halten vier serienmäßige Scheibenbremsen das Temperament im Zaum.

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