ADAC: Freie Ketten hinken Vertragswerkstätten hinterher

Autor: Christoph Seyerlein

Der ADAC hat insgesamt 75 Werkstätten untersucht und deren Leistungen bewertet. Dabei schneiden die Vertragswerkstätten insgesamt deutlich besser ab als die Werkstattketten. Bei Letzteren sieht der Autofahrerclub gleich mehrere Schwachstellen.

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(Foto: ZF)

Vertragswerkstätten von BMW und Mercedes liefern hierzulande die besten Leistungen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest der ADAC, der für seinen aktuellen Werkstatttest insgesamt 75 Betriebe unter die Lupe genommen hat. Der Automobilclub beschränkte sich dabei auf je fünf Werkstätten der laut KBA (Stand 2015) zehn zulassungsstärksten Autohersteller (Audi, BMW, Ford, Mercedes, Opel, Peugeot, Renault, Skoda, Toyota und VW) und je fünf Betriebe der bundesweit vertretenen freien Ketten 1A-Autoservice, ATU, Autofit, Bosch Car Service und Meisterhaft.

Auffällig war an den Testergebnissen, dass kaum ein Betrieb der Werkstattketten die Bestnote „sehr gut“ erhielt. Lediglich einer Filiale von ATU und einer von 1A-Autoservice stellte der ADAC eine solche Wertung aus. Bei Autofit kam keine getestete Werkstatt über die Bewertung „ausreichend“ hinaus, zwei stufte der ADAC sogar als „mangelhaft“ ein, der schlechtesten Beurteilung, die der Automobilclub bei seinen Tests vergibt. Auch eine Werkstatt von Meisterhaft watschte der ADAC mit einem solchen Urteil ab.

Der Club bemängelte bei den Ketten teilweise „Schwächen bei Strukturen und internen Prozessen“. „Einige Werkstattketten verwenden anscheinend nicht die jeweilige modellspezifische Inspektionsliste oder arbeiten sie nicht gewissenhaft ab. Das führt zu schlechteren Ergebnissen“, erklärt der ADAC die durchwachsenen Ergebnisse in einer Mitteilung. Die drei mangelhaften Beurteilungen seien „wegen zu großer Schwächen in Technik und Service“ zustande gekommen.

Deutlich besser fiel das Urteil dagegen für die meisten Vertragswerkstätten aus. Alle fünf getesteten BMW- und Mercedes-Betriebe erhielten Bestnoten, bei Audi, Renault und Skoda waren vier von fünf „sehr gut“ und je einer „gut“. Unterschiedlich fielen die Ergebnisse bei Ford-Werkstätten aus. Während der Automobilclub zwei Betriebe mit „sehr gut“ bewertete, gab es auch einen, der lediglich das Urteil „ausreichend“ erreichte.

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Unterdessen hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) den ADAC-Test als „eine Stichprobe mit solidem Ergebnis“ eingeschätzt. Drei Viertel der bewerteten Kfz-Betriebe mit den Noten „sehr gut“ oder „gut“ – das sei ermutigend, es gebe aber noch weiteren Raum für Verbesserungen, so ein ZDK-Sprecher.

Angesichts von bundesweit 38.400 Mitgliedsbetrieben und jährlich rund 70 Millionen Serviceaufträgen könne der Test jedoch lediglich stichprobenartigen Charakter haben und sei daher nicht repräsentativ. Andere Untersuchungen zeigten, dass die Autofahrer in Deutschland mit der Arbeit ihrer Kfz-Werkstätten sehr zufrieden seien. Das habe etwa der „Kundenmonitor Deutschland 2016“ ergeben. Das Kfz-Gewerbe konnte sich dort mit der Bewertung 1,87 („vollkommen zufrieden“) auf dem hohem Niveau der Vorjahre stabilisieren (2015: 1,9) und erreichte den zweiten Platz in der Gesamtwertung hinter den Optikern. Über 33.000 Verbraucher beurteilten in der Studie die empfundene Servicequalität, das Leistungsangebot, die Werbung und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Schwerpunkt auf der Arbeitsqualität

Beim aktuellen stichprobenartigen ADAC-Test hat der Club eigenen Angaben zufolge vor allem auf Arbeitsqualität und Kundenbetreuung geachtet. Dazu gehört unter anderem eine Dialogannahme und eine gut erläuterte Rechnung. Außerdem überprüft der Club den Aushang der Stundenverrechnungssätze und die Reparaturbedingungen (AGB). Die Qualität der Arbeitsleistung geht mit 60 Prozent in die Wertung ein, die Servicequalität mit 40 Prozent.

Für ihre Tests präparierten die Experten ein Fahrzeug mit fünf Mängeln. Unter anderem ein zu niedriger Füllstand der Kühlflüssigkeit im Ausgleichsbehälter, defektes Leuchtmittel im Dachhimmel, im Kofferraum oder Handschuhfach war das Leuchtmittel defekt oder ein um 0,5 bar zu niedriger Luftdruck eines Rads.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility