Arbeiten an Klimaanlagen: Schulung nötig

Bundesinstitut für Berufsbildung: Ausbildung allein reicht nicht

25.03.2010 | Redakteur: Johannes Büttner

Wer an Klimaanlagen arbeitet, muss dafür speziell geschult sein.
Wer an Klimaanlagen arbeitet, muss dafür speziell geschult sein.

Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen sind in Deutschland gegenwärtig die größte Einzelemissionsquelle fluorierter Treibhausgase. Zur Verminderung von klimaschädigenden Treibhausgasen verlangt die Europäische Union in einer Verordnung, dass nach dem 4. Juli 2010 nur noch sachkundiges Personal Tätigkeiten zur Rückgewinnung von Kältemitteln aus Klimaanlagen durchführen darf. Wer eine solche Sachkundebescheinigung erhalten will, muss an einem entsprechenden Trainingsprogramm teilnehmen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im Auftrag des Deutschen Industrie- und Handelskammertags und des Umweltbundesamts untersucht, ob die Ausbildung in einem fahrzeugtechnischen Beruf ausreicht, um die von der EU geforderte Sachkenntnis zu erwerben. Dazu verglich BIBB-Mitarbeiterin Barbara-Ch. Schild die Ausbildungsrahmenpläne, Rahmenlehrpläne und Lehrpläne der Überbetrieblichen Ausbildung mit den von der EU geforderten Mindestsstandards.

Empfehlung: Einheitliche, eintägige Schulung

Ihr Ergebnis: „Die Vermittlung der erforderlichen Sachkunde im Rahmen der Ausbildung lässt sich nicht verbindlich feststellen.“ Außerdem sei das System Klimaanlage auch nicht definitiver Bestandteil von Prüfungen. Deshalb empfiehlt das BIBB eine bundesweit einheitliche, eintägige Schulung zum Erwerb der Sachkunde. Sie sollte gemäß der europäischen Vorgabe folgende theoretische Inhalte abdecken:

  • Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen – Einführung
  • Umweltauswirkungen von frei werdenden fluorierten Treibhausgasen
  • Europäische und nationale Gesetzgebung
  • Verordnung (EG) Nr. 842/2006
  • Verordnung (EG) Nr. 307/2008
  • Richtlinie 2006/40/EG
  • Chemikalien-Klimaschutzverordnung
  • Physikalische Grundlagen
  • Aufbau und Funktion einer Kraftfahrzeug-Klimaanlage
  • Aufbau und Funktion von Klimaanlagen-Servicegeräten
  • Umweltverträgliche Rückgewinnung von Kältemitteln

Der praktische Teil des Seminars soll folgende Punkte umfassen:

  • Umgang mit Kältemittel-Containern
  • Rückgewinnung von R134a
  • Bedienung eines Klimaanlagen-Servicegeräts

Am Ende einer solchen Schulung sollte ein Abschlusstest stehen, der die Inhalte abbildet, aber nicht benotet werden muss. Erfolgreiche Teilnehmer erhalten dann die Sachkundebescheinigung.

Zusätzliche Inhalte sind sinnvoll

Weil bei Arbeiten an Klimaanlagen die Rückgewinnung von Kältemitteln immer nur ein Teil eines komplexen Prozesses ist, hält das BIBB zusätzlich zu den EU-Vorgaben noch weitere Schulungsinhalte für wichtig:

  • Abfallrechtliche Vorschriften – Gesetzliche Grundlagen
  • Verordnung (EG) Nr. 1005/2009 zur Abfallgesetzgebung in Deutschland und ihre konkrete Auswirkung auf die Arbeit in den Betrieben
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Zukünftige Kfz-Klimatechnologie
  • Dichtheitskontrolle und Beseitigung von Leckagen an Kfz-Klimaanlagen im Rahmen von Reparatur- und Wartungsanlagen
  • Rückgewinnung fluorierter Treibhausgase aus Transportkälteanlagen im Rahmen des Wartungs- und Instandhaltungsprozesses

Außerdem herrscht nun Klarheit über die Fahrzeugklassen, deren Klimaanlagen nur fachkundiges Personal warten darf: Eine Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft hat beschlossen, dass die EU-Vorschriften für die Sachkunde der Mitarbeiter künftig für Wartungsarbeiten an Klimaanlagen aller Fahrzeuggrößen gelten.

Seminarangebot der TAK

Ein Seminar, dass alle Voraussetzungen erfüllt und dessen Teilnehmer am Ende den Sachkundenachweis erhalten, bietet die Akademie des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (TAK) an. Es findet in den nächsten Wochen an vielen Orten in ganz Deutschland statt, damit möglichst viele Kfz-Meister und -Gesellen bis zum Stichtag 4. Juli die Chance haben, den erforderlichen Sachkundenachweis zu erwerben. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite der TAK.

Das komplette Gutachten des BIBB ist auf der Homepage des DIHK veröffentlicht.

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