Ausbildung bleibt Zukunftsaufgabe Nummer eins

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Der Bundes-Berufsbildungs-Kongress des Kfz-Gewerbes fand in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Doch trotz des Jubiläums blickten die 300 Teilnehmer nicht nur zurück, sondern in die Zukunft.

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Der 10. Bundes-Berufsbildungs-Kongress fand wieder in Bad Wildungen statt.
Der 10. Bundes-Berufsbildungs-Kongress fand wieder in Bad Wildungen statt.
(Foto: Zietz)

Die Frage ist seit (mindestens) 18 Jahren die gleiche – und dennoch brandaktuell: „Wie gelingt es uns, Nachwuchs für unsere Branche zu finden und diesen hervorragend auszubilden?“ Antworten darauf suchten bereits die Teilnehmer des ersten Bundes-Berufsbildungs-Kongresses im Jahr 1997. Die rund 300 Teilnehmer der zehnten Auflage der Veranstaltung, die am 29./30. Mai 2015 in Bad Wildungen stattfand, sahen sich noch immer mit dieser Herausforderung konfrontiert. Unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft bewegen“ informierten sie sich in Fachvorträgen und Foren über Themen wie die Lebenswelten der heutigen Jugendlichen, Lernen und Leben in der Zukunft oder Soft Skills in der Aus- und Weiterbildung.

Nachwuchsrekrutierung ist für Handwerksbetriebe schon lange kein Selbstgänger mehr. Das verdeutlichte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, in seinem Grußwort: „Im vergangenen Jahr blieben im Handwerk 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Diesen Trend müssen wir umkehren, indem wir die duale Ausbildung modernisieren und sie genauso attraktiv machen wie akademische Karrierewege.“ Hier sei auch die Politik gefragt, die noch viel zu oft die akademische Bildung für den alleinigen Königsweg halte.

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Das Kfz-Gewerbe sei als eine „Speerspitze des Handwerks“ in Sachen Ausbildung schon heute gut aufgestellt, lobte Wollseifer seine Gastgeber. In die gleiche Kerbe schlug der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser: „Sie waren und sind ein Leitmodell für andere!“ Doch auch der „starke Verband mit seinen starken Ausbildungsberufen“ müsse sich wappnen, um angesichts einer immer größeren Konkurrenz auf dem Bildungsmarkt bestehen zu können.

Das gelte im Übrigen auch für jeden einzelnen Betrieb, ergänzte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Das Ziel müsse lauten, der attraktivste Arbeitgeber im Ort oder in der Region zu sein. Bereits in seiner Rede zur Eröffnung des Kongresses hatte Karpinski an die Betriebe appelliert, sich weiter ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Ausbildung junger Menschen zu stellen, denn: „Wer sich nicht intensiv um die Ausbildung des Nachwuchses kümmert, verschenkt die Zukunft.“

Lebenswelten von Jugendlichen

Wie die Lebenswelten dieser Nachwuchskräfte aussehen, erläuterte der Leiter der Sinus-Akademie, Peter Martin Thomas, den Kongressbesuchern: Die Ende des 20. Jahrhunderts geborenen Jugendlichen kennen keine Welt ohne Facebook, Youtube und Smartphone mehr; sie gehen nicht mehr online, sondern höchstens mal kurzfristig offline.

Wenn es um ihre berufliche Zukunft geht, sind laut Thomas die meisten Jugendlichen optimistisch. Viele wollten sich erst möglichst spät für einen Beruf entscheiden, dann seien ihnen weiche Faktoren wie Spaß an der Arbeit und eine gute Vereinbarkeit mit dem Privatleben und der Familie wichtiger als die Höhe des Einkommens. Bei der Auswahl des Arbeitgebers sei ihnen ein gutes Verhältnis zum Chef und zu den Kollegen besonders wichtig.

Thomas empfahl den Betrieben, solche weichen Faktoren in den Mittelpunkt ihres Ausbildungsmarketings zu stellen, um ihre Attraktivität zu steigern. Außerdem gab er den Tipp, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Zielgruppe man ansprechen wolle. Die Jugendlichen seien nämlich keineswegs eine homogene Masse, sondern ließen sich in unterschiedliche Lebenswelten mit verschiedenen Werten und Wünschen unterteilen.

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