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Auto Hein investiert zielgerichtet in Prozesse und Ausrüstung

Autor: Dr. Holger Schweitzer

Eine Firmenübernahme ist riskant und will wohlüberlegt sein. Marcel Memmersheim hat den Schritt vor zwei Jahren gewagt und ist dank einer klaren Strategie auf Erfolgskurs. Damit sichert sich die Auto Hein GmbH einen Platz in den Top Ten des Deutschen Werkstattpreises 2020.

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Das Auto-Hein-Team rund um Inhaber Marcel Memmersheim schaffte es dank seiner ambitionierten Strategie unter die Top Ten des Deutschen Werkstattpreises 2020.
Das Auto-Hein-Team rund um Inhaber Marcel Memmersheim schaffte es dank seiner ambitionierten Strategie unter die Top Ten des Deutschen Werkstattpreises 2020.
(Bild: »kfz-betrieb«/ Schweitzer)

Wer als Inhaber eine freie Werkstatt übernimmt, braucht Fachwissen, Unternehmergeist, Durchhaltevermögen und eine Vision für die Zukunft des Betriebes. Mit all dem gewappnet, übernahm Marcel Memmersheim 2018 die Werkstatt Auto Hein im schwäbischen Münchingen. Damit erfüllte sich der gebürtige Rheinländer und gelernte Kfz-Meister, der zuletzt viele Jahre für Automobilzulieferer und -hersteller gearbeitet hatte, einen langjährigen Traum.

Beruflich war er breit aufgestellt: Seine Laufbahn reichte von einem Mercedes-Autohaus über verschiedene Stationen zur technischen Hotline von Bosch bis hin zur Entwicklung von Fahrzeugkomponenten, unter anderem bei Mahle und zuletzt bei Mercedes-Benz.

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Doch trotz der langjährigen Arbeit in der Automobilindustrie hing sein Herz immer an der Arbeit an den Fahrzeugen selbst. Daher suchte Memmersheim über die regionale Handwerkskammer einen Betrieb, den er übernehmen und nach seinen eigenen Vorstellungen aufbauen konnte. Vor zwei Jahren war es dann soweit: Er übernahm die Auto Hein GmbH, die seit Ende der Achtzigerjahre besteht, und stürzte sich in das Abenteuer des Unternehmertums.

Anfänglich arbeitete Memmersheim noch selbst als Meister in der Werkstatt mit. Doch schon bald konzentrierte er sich auf die unternehmerischen Aspekte, um die strategische Ausrichtung der Auto Hein GmbH voranzutreiben.

Moderner und kompetenter Service für Münchingen

Memmersheims Ziele sind ambitioniert, seine Strategie ist umsichtig und zielgerichtet. Priorität hatte für ihn, zunächst die Firma zu entschulden und für seine Mitarbeiter ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen. So machte er aus dem ehemaligen Meisterbüro einen Teamraum mit Küche. Wirtschaftlich kann der Unternehmer nun den nächsten Schritt in Angriff nehmen: den Aufbau einer modernen Werkstatteinrichtung. Beispielsweise will er seine Mitarbeiter mit Laptops ausstatten und das Werkstattequipment wie Abgasmess- und Klimageräte auf den neuesten Stand bringen.

Bei der Übernahme war es für Memmersheim eine wichtige Voraussetzung, dass der Betrieb mit einer ASA-Schnittstelle sowie einem neuen Bremsenprüfstand ausgestattet war. Anderes Equipment, wie Laptops für die Mitarbeiter oder Abgasmess- und Klimageräte sowie Systemregale, bringt er nun schrittweise auf den neuesten Stand. „Das hilft mir auch bei Kooperationen mit Autohäusern, die diese Geräte selbst nicht haben“, so Memmersheim.

Partnerschaften helfen dem Unternehmer auch in anderen Bereichen. Da er Fahrerassistenzsysteme noch nicht selbst kalibrieren kann, lässt er dies bei K&L-Fachbetrieben durchführen. Im Gegenzug kann er ihnen den Klimaservice anbieten.

Letztlich geht es dem Unternehmer darum, seinen Kunden einen Full Service bieten zu können, auch wenn sein Betrieb noch nicht alles selbst übernehmen kann. Zu seinem eigenen Portfolio gehören beispielsweise Motoren- und Getriebewechsel sowie Getriebespülungen. Je mehr man anbieten könne, desto positiver komme es beim Kunden an, da man ihm bei Bedarf mit Zusatzdiensten einen Mehrwert bieten könne, ist sich Memmersheim sicher.

Einheitliche Prozesse für die Werkstatt

Deshalb sind Partnerschaften und Kooperationen für Memmersheim ein wichtiger Baustein zu seinem wirtschaftlichen Erfolg. Dazu gehört auch die Kooperation mit KS-Autoglas, über die die Werkstatt als zertifizierter Partner gesteuertes Geschäft erhält. Um einheitliche Prozesse im Werkstattablauf zu schaffen, übertrug Memmersheim die KS-Prozesse auf seinen Betrieb. Im Hinblick auf die Außenwirkung, und um Kunden zu signalisieren, dass sich bei Auto Hein etwas geändert hat, nutzt er eine ebenfalls frisch abgeschlossene Kooperation mit Liqui Moli.

Der Name Auto Hein soll zunächst noch bleiben. Die Umfirmierung will der Unternehmer schrittweise vorantreiben. Als nächsten Schritt plant er, die Außenoptik zu ändern und die Signalisierung des frisch mit Trost abgeschlossenen Werkstattkonzepts „Auto-Pro“ zu übernehmen, bis irgendwann der Betrieb vollständig umfirmiert mit eigenständiger Signalisation nach außen wirken soll.

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Gleichzeitig geht Memmersheim beim Umstellen des Betriebs gegenüber den Kunden behutsam vor: „Ich habe mich bei allen persönlich vorgestellt und sie nach ihren Wünschen und Vorstellungen befragt.“ Diese Informationen habe er in persönlichen Kundendateien hinterlegt und könne so individuell auf jeden eingehen. Dass der Kundenstamm ihm nahezu vollständig treu geblieben ist, bestätigt den Unternehmer in seinem Bestreben, sich in dem lokalen Markt einen guten Ruf zu erarbeiten.

Batterie- und Diagnose-Sofortservice zieht jüngere Kunden an

Viele seiner Neukunden gewinnt Memmersheim über Google: Sie suchen zum Beispiel eine freie Werkstatt, weil ihr Auto nicht anspringt. Memmersheim bietet speziell einen Batterie- und Diagnose-Sofortservice an: „Springt bei einem Kunden das Fahrzeug nicht an, fahren wir zu ihm und bringen auch gleich die richtige Batterie mit.“ Die Kommunikation zum Kunden kann dabei sowohl telefonisch als auch per Whatsapp stattfinden. Ist der Mitarbeiter am Fahrzeug, kann er zudem Fehler auslesen oder mit einer Abschleppstange das Fahrzeug direkt mitnehmen, falls erforderlich: „Früher wurde bei Startproblemen oft der ADAC gerufen. Heute ruft der Münchinger zuerst bei Auto Hein an“, so Memmersheim.

Ein Erfolg, der sich laut Memmersheim vor allem durch Mundpropaganda ergeben hat, denn aktive Werbung betreibe er kaum. Er habe sich zwar intensiv mit Marketing über soziale Medien beschäftigt und auch manches ausprobiert. Sein Fazit fällt allerdings eher nüchtern aus. Einzig Google habe einen spürbaren Effekt bei der Kundenakquise – Instagram und Facebook hingegen kaum. Ein oder zwei positive Google-Bewertungen pro Monat reichen laut Memmersheim aus, um mindestens einen neuen Kunden zu gewinnen. Damit das auch so bleibt, bittet er grundsätzlich jeden Neukunden, seinen Service bei Google zu bewerten.

Kunden mit sozialem Engagement gewinnen

Kunden gewinnen und Gutes tun – nach diesem Motto hat der Unternehmer gemeinsam mit dem Förderverein der lokalen Grundschule die „Aktion mit Herz“ erarbeitet. Jeder, der bei ihm den Kundendienst durchführen lässt, erhält einen Liter Öl, eine Verbandstasche oder eine Innenraumreinigung gratis. Gleichzeitig gehen zwei Euro an den Förderverein. „Bislang konnten wir darüber knapp 700 Euro für den Förderverein sammeln“, erzählt Memmersheim. Ein Konzept, das der Unternehmer künftig wiederholen will. Memmersheims unternehmerisches Engagement zeigt, wie man die Übernahme einer freien Werkstatt in erfolgreiche Bahnen bringen und sich aussichtsreich für künftiges Geschäft positionieren kann.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

Dr. Holger Schweitzer

Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG