Auto-Scholz: Regionale Kompetenz seit 1894

Traditioneller Mercedes-Benz-Partner entwickelte sich sukzessive zum Mehrmarkenhändler

21.11.2007 | Redakteur: Wolfgang Michel

Stammsitz von Auto-Scholz ist Bamberg. Die Gruppe ist aktuell in Franken/Bayern und Thüringen aktiv. Fotos: Auto-Scholz
Stammsitz von Auto-Scholz ist Bamberg. Die Gruppe ist aktuell in Franken/Bayern und Thüringen aktiv. Fotos: Auto-Scholz

Im Besprechungszimmer hängt ein Gemälde an der Wand, das die lange Tradition des Autohändlers als Mercedes-Benz-Partner künstlerisch festhält. Zu sehen ist Hermann Scholz, wie er mit Carl Benz einen Automobil-Liefervertrag abschließt. Scholz war damit einer der ersten Benz-Vertreter der Welt. Die Szene datiert aus dem Jahre 1904. Bereits zehn Jahre zuvor eröffnete Scholz im niederschlesischen Liegnitz eine „Werkstätte für die Reparatur von Automobilen“. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bamberg die neue Heimat von Auto-Scholz.

Geschäftsführer Michael Eidenmüller beschreibt Bamberg als Keimzelle der Expansion: „Hier sind wir historisch gewachsen.“ Ab 1965 zählten neben dem Hauptbetrieb in der Bischofsstadt vier weitere Filialen in Oberfranken zu Auto-Scholz. Den Schritt hin zur größeren Unternehmensgruppe vollzog Scholz nach dem Mauerfall. 1992 baute Eidenmüller gemeinsam mit seinem Schwager Michael Pickel in Thüringen sechs Mercedes-Benz-Autohäuser auf der grünen Wiese. Ab 2000 kamen dann nicht nur weitere Mercedes-Benz-Betriebe in Franken hinzu, sondern Auto-Scholz entwickelte sich sukzessive zur echten Mehrmarken-Autohausgruppe. Mit Smart, Chrysler und Mitsubishi hatte man sich bis dahin treu gegenüber den Daimler-Konzernmarken verhalten. Doch als das Geschäft nicht bei allen Marken wie erhofft lief, suchte Eidenmüller nach anderen Fabrikaten. Im Vorfeld gab es für ihn drei Fragen zu klären: 1. Welche Marken sind in unserem Gebiet frei? 2. Was passt eigentlich zu uns? 3. Welche Strategien wollen wir entwickeln, um Auto-Scholz als Mehrmarken-Unternehmen zu positionieren?

Kein Markensammelsurium

Heute lautet seine Antwort: „Wir wollen kein Sammelsurium von Marken im Unternehmen. Denn jede Marke hat ihre Eigenständigkeit. Das fängt bei den IT-Systemen an und endet bei den unterschiedlichen Philosophien.“ Mehrmarken bedeuten für den Unternehmenslenker somit nicht Willkür, sondern „dass die Dinge zusammenpassen müssen.“ Ferner heißt es, „dass der Fokus im Premiumsegment und/oder bei Fabrikaten mit hohen Marktanteilsquoten liegt.“ Zusammenfassend sagt Eidenmüller: „Wir reichern unsere Hauptmarke Mercedes-Benz mit Marken an, die nicht im unmittelbaren Wettbewerb stehen. Dabei gibt es aber durchaus Segmente, die sich überschneiden und dennoch gegenseitig ergänzen.“

Neben Peugeot sind es vor allem Marken aus dem Volkswagen-Konzern, die für Eidenmüller gut ins früher reine Mercedes-Benz/Daimler-Bild passen. Durch das neue „Mehrmarkenbild“ ergeben sich vor allem im Flottengeschäft entscheidende Vorteile. Als Beispiel nennt Eidenmüller eine Kulmbacher Brauerei, die mit 160 Lkw von Auto-Scholz unterwegs ist. Das dortige Management fährt seit langem Pkw der Marke Mercedes-Benz. Im Gegensatz zu früher können die Scholz-Verkäufer heute auch die mittlere Führungsebene mit Dienstwagen von Volkswagen und Audi versorgen. „Jetzt sind wir an dieser Stelle nicht mehr der ewige zweite Sieger“, ergänzt der Geschäftsführer des Volkswagen-Zentrums Bamberg, Peter Popp.

Erfolgsstory Porsche

Weniger für das mittlere Management bestimmt, aber für Scholz eine weitere Mehrmarke und Erfolgsstory ist Porsche. Mit diesem Fabrikat schrieb Auto-Scholz eine eigene Geschichte. Der Sportwagenhersteller suchte Ende der neunziger Jahre in Bamberg einen Händler und Investor. Mit Eidenmüller fand er ihn. Und dieser wiederum dachte sich: „Das ist eine emotionsgeladene, tolle Marke mit vielen Chancen.“ Es gab zwar einige Startschwierigkeiten, aber letztendlich wurden der Mut und das Engagement des Unternehmers belohnt. Porsche Deutschland fragte an, ob Eidenmüller weitere Porsche-Zentren übernehmen, ausbauen bzw. mit neuen an den Start gehen wolle. Im Umfeld Nürnberg, Fürth, Erlangen waren zwei Porsche-Zentren neu zu besetzen, Eidenmüller griff erneut zu. Wolfgang Hahn, Geschäftsführer des Porsche-Zentrum Bamberg, und Roger Störzer, Geschäftsführer des Porsche-Zentrum Nürnberg, sagen dazu unisono: „Aus der ersten Chance in Bamberg hat sich durch diesen Schritt eine wichtige Unternehmenssäule entwickelt.“

Weitere Säulen will er vorerst nicht aufbauen: „Momentan ist es erst einmal genug. Wir wollen unsere Marken weiterentwickeln und mit ihnen wachsen.“ Apropos wachsen: Auch wenn Auto-Scholz künftig etwas auf die Expansionsbremse treten will, das bisherige Wachstum ist beeindruckend. Verkaufte das Unternehmen in den alten Bundesländern aus der Mercedes-Benz-Welt kommend einmal rund 3 400 Fahrzeuge (Neuwagen, Gebrauchte, Pkw und Nutzfahrzeuge), hat sich diese Zahl allein in der Produktwelt der jetzigen Daimler AG verdoppelt. „Durch die neuen Marken sind wir natürlich dann noch in eine ganz andere Größenordnung hineingewachsen“, sagt Eidenmüller. Rund 10 000 Einheiten vermarktet Auto-Scholz jährlich. „Wenn man nur in Stückzahlen denkt, hört sich das noch nicht sehr viel an. Aber durch unsere hochpreisigen Segmente bei Mercedes-Benz Pkw und Nfz sowie Porsche gehören wir beim Umsatz zur Spitze Deutschlands“, bilanziert der Scholz-Chef stolz.

Marketingkompetenz

Sehr professionell ist das Unternehmen mit seinen Marketingaktivitäten aufgestellt. Dafür verantwortlich sind Stephanie Hein und Bernd Schell. Ihre Aufgabe ist es, das Mehrmarkenportfolio den jeweiligen Zielgruppen näher zu bringen. „Marketing ist heute eine Mammutaufgabe. Dafür braucht es eine Top-Marketingabteilung, deren Mitarbeiter sich mit der Geschäftsleitung nahezu blind verstehen“, sagt Eidenmüller: „Das müssen Mitarbeiter sein, die das Unternehmen von der Pike auf kennen. Zum Glück haben wir solche Mitarbeiter.“ Auto-Scholz leistet sich zwar eine eigene Marketingabteilung, diese besteht aber nicht aus zehn, sondern lediglich aus drei Mitarbeitern. Das Trio ist für alle Häuser und Marken sowie sämtliche Unternehmensaktivitäten verantwortlich. Auf eine externe Werbeagentur greift man seit vielen Jahren nicht mehr zurück. Jede Anzeige, jede Veranstaltung, jeder Prospekt trägt die Handschrift der Marketingabteilung. Flexibilität und Schnelligkeit sind zudem gewiss. Ein wesentlicher Vorteil der eigenen „Werbeabteilung“ ist für Eidenmüller dann auch die Tatsache, „dass es keine Abstimmungsarien braucht.“

Damit die Mitarbeiter im Service all das einhalten, was das Marketing verspricht, hat Eidenmüller die Sicherung der Werkstattqualität zur Chefsache erklärt. Dazu hat er einen eigenen Qualitätsbeauftragten installiert, der nichts anderes macht als Gütekontrollen und interne Werkstatttests. Ferner beauftragt Auto-Scholz in regelmäßigen Abständen externe Dienstleister in allen Häusern und über alle Fabrikate hinweg mit der Durchführung solcher Tests. „Ich lasse mir jedes Testergebnis vorlegen und spreche bei Bedarf dann auch mit den Mitarbeitern und Monteuren“, betont Eidenmüller. „Zudem machen wir dreimal im Jahr eine Schulung mit allen Monteuren, dem gesamten Kundendienstkontaktpersonal und sämtlichen Werkstatt- und Serviceleitern.“ In den Seminaren werden nicht nur Prozesse durchgesprochen, es geht auch darum, weiter zu sensibilisieren und auf die Konsequenzen mangelhafter Servicequalität hinzuweisen. Der Chef fordert seine Mitarbeiter aber nicht nur, er fördert und schätzt sie auch: „Die große Stärke unserer Autohausgruppe sind unsere Mitarbeiter. Wir haben sehr gute und langjährige Mitarbeiter, die das Unternehmen betrachten, als wäre es ihr eigenes.“

Strategien und Ziele

Seinen Mitarbeitern räumt Eidenmüller auch mal ein, etwas auszuprobieren und so lange keine Ruhe zu geben, bis das Projekt erfolgreich wird. Immer im Blick hat er das Risiko. „Wir tragen die Verantwortung für rund 1 200 Mitarbeiter. Da müssen Entscheidungen überlegt sein, sitzen und passen“, so Eidenmüller. Dieser Grundsatz gilt auch für jegliche Investition in „Bau, Steine, Erden“. Dieses Denken und Lenken ist traditionell geprägt. „Mein Vater hat hier in Bamberg als Einmann-Unternehmen begonnen. Jeden Quadratmeter hat er sich mit den eigenen Händen erarbeitet. Was wir heute darstellen, das haben wir in den letzten 25 Jahren erwirtschaftet“, sagt Eidenmüller: „Insofern sind wir immer auch etwas sparsamer und kostenbewusster unterwegs als manch andere.“ Weiter sagt er, dass „wir jeden Tag dafür kämpfen, am Jahresende ein gutes Ergebnis abzuliefern“. Schließlich sei das tägliche Ziel nicht, Geld zu vernichten, sondern sehr sensibel und sorgfältig damit umzugehen.

Auch deshalb konzentriert er sich mit allen Aktivitäten der Auto-Scholz-Gruppe auf das regionale Umfeld in Franken und Thüringen. Expansionen anderswo seien noch nicht vorstellbar. „Wir wollen in unseren Regionen das kompetente Autohaus mit Spitzendienstleistungen sein“, sagt Eidenmüller. Ins Grübeln käme er jedoch, wenn Auto-Scholz in einer neuen Region tätig werden könnte. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es sich um einen sehr großen Mercedes-, VW/Audi- oder Porsche-Betrieb handelt, „und wir zudem die Chance hätten, in dieser neuen Region mit all unseren anderen Marken zu wachsen.“

 

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