Autokonzerne: Entscheidende Kennzahlen sind im Minus

Autor: Yvonne Simon

Die weltweit schwächelnden Automärkte und massive Investitionen in Zukunftstechnologien drücken auf die Bilanzen der Hersteller. Nur wenige Konzerne können sich gegen den Negativtrend stemmen.

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(Bild: BMW)

Globale Absatzrückgänge und Investitionen in Zukunftstechnologien vermiesen den Autoherstellern zunehmend die Bilanzen. Einer Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach zufolge sanken bei einem Großteil der Autobauer im ersten Halbjahr 2019 die Kennzahlen zu Gewinn und Rendite.

So sank die EBIT-Marge der zwölf größten Autokonzerne in den ersten sechs Monaten von 6,6 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 5,2 Prozent. 2017 hatte sie noch 7,2 Prozent betragen. Nur wenige Hersteller konnten sich gegen den Trend stemmen. Gut gelang das bei PSA: Obwohl der globale Absatz der Franzosen um 12,8 Prozent und damit überdurchschnittlich einbrach, ist der Konzern aufgrund starker Kostenreduzierung Renditespitzenreiter. Die EBIT-Marge von PSA wuchs von 5,9 auf 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die zweithöchste Rendite fuhr Toyota mit 8,3 Prozent ein. Damit liegen die Japaner allerdings 0,5 Prozentpunkte unter ihrem Vorjahreswert. Steigende Renditen verzeichneten Volkswagen (7,2 %), Ford (5,2 %) und Hyundai (4,1 %). Besonders herbe Rückschläge erlitten dagegen die deutschen Premiumhersteller: Bei BMW halbierte sich die EBIT-Marge auf 5,8 Prozent, bei Mercedes stürzte sie von 7,4 auf 1,5 Prozent ab. Abgeschlagenes Schlusslicht im Margen-Ranking ist Nissan mit mageren 0,1 Prozent und einem Verlust um 5,1 Prozentpunkte.

Beim Konzerngewinn gehören Toyota und Volkswagen zu den High-Performern. Die Japaner erhöhten ihren Gewinn um 2 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018, bei den Wolfsburgern ging es sogar um 10 Prozent nach oben auf 9 Milliarden Euro.

Es folgen GM (4,7 Mrd., -3%), Ford (3,6 Mrd., +13%) und PSA (3,3 Mrd., +47%) – die Franzosen konnten ihren Gewinn also fast verdoppeln. Teils extreme Einbrüche verzeichneten dagegen BMW (-49%), FCA (-21%), Honda (-27%), Daimler (-79%) und Nissan (-98%). Bei Tesla sanken die Verluste in der ersten Jahreshälfte von 1 Milliarde auf 0,6 Milliarden. Die Negativrendite der Kalifornier beläuft sich auf 6,3 Prozent.

Absatzrückgang von 5 Prozent erwartet

Noch ein Blick auf den Absatz: Im Durchschnitt schrumpfte der Absatz der Autobauer um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Neben PSA lieferten auch Ford (-11,6 %) und General Motors (-8,2 %) deutlich weniger Fahrzeuge aus. Bei Volkswagen (-4,3%) und Daimler (-3,6%) fiel der Rückgang etwas moderater aus. Ein Plus schafften beispielsweise Toyota (+2,1%), Honda (+3,2%), Hyundai (+0,5%) sowie BMW (+0,8%).

Mit einer schnellen Trendwende sei beim Absatz angesichts ungelöster Handelskonflikte und dem bevorstehenden Brexit nicht zu rechnen, prognostiziert Studienleiter Stefan Bratzel. Vor allem im weltweit größten Automobilmarkt China seien weitere Marktrückgänge zu erwarten. „CAM bleibt bei der Prognose für das Gesamtjahr, die von einem Rückgang des globalen Pkw-Marktes um fünf Prozent ausgeht“, so Bratzel.

Kurzfristig seien bei den Konzernen daher weitere Kostensparprogramme zu erwarten, verknüpft mit deutlichen Beschäftigungsrückgängen. „Mittelfristig muss für die nächsten Jahre damit gerechnet werden, dass sich die Renditen und Gewinne auf einem niedrigeren Niveau einpendeln“, sagt Bratzel. Mit dem zunehmenden Verkauf von Elektrofahrzeugen seien zunächst deutlich geringere Renditen zu erwirtschaften als mit Verbrennern. Grundsätzlich werde es vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung von E-Mobilität, Mobility Services und Autonomen Fahren in den nächsten 10 Jahren zu erheblichen Konsolidierungen in der Branche kommen.

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Redakteurin Management & Handel